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Das jüdische Echo · 1931-11-27 · 48 (27.11.1931) · p. Seite 653

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
48 (27.11.1931)
Date
1931-11-27
Page
Seite 653 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 653 Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck war. Die zweite Hältte seines Lebens widmete er ausschließlich der Nutzbarmachung seines Vermögens für Werke der Humanität. Seine Hand war weit gebt Inet für alle menschenfreundlichen Ziele überkonfessioneller Natur. Zu gleicher Zeit mit Hallgarten trat ein anderer Frankfurter Jude, Herr Merlon, mit riesenhaften Stiftungen für gemeinnützige Zwecke in die Erscheinung. Halte je, fragt Gerlach, einer unserer Schwerindus Iriellen mit ihren Dutzenden von Millionen, hatte je einer unserer Magnaten mit Gemeinden- und Vereins-Echo Sitzung des Vorstands und der Gemeindevertretung vom 19. November 1931 Die Gemeindevertretung faßte zunächst Beschluß über die Besetzung der durch den Rücktritt von Kommerzienrat Dr. Wassermann freigewordenen Ämter. Es wurde einstimmig Herr Walter Weiß zum Mitglied des Vorstandes gewählt. Herr Weiß erklärte die Annahme der Wahl und versprach, sein Amt, in das er nicht nur durch das Vertrauen seiner Partei, sondern auch mit Zustimmung der übrigen Mitglieder der Vertretung berufen wurde, unparteiisch im Interesse der Gesamlgemeinde zu führen. — An Stelle des Herrn Weiß wurde sodann Herr Dr. Karl Löwenthal zum stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeindevertretung gewählt. Es wurden ferner Ersatzwahlen zu den Ausschüssen und zu den Delegationen in die Vorstände einiger von der Gemeinde subventionierten Organisationen vorgenommen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung wurde sodann im Sinne der bayerischen Notverordnung vom 31. Oktober 1931 eine weitere Gehaltskürzung von 1% beschlossen für die mit Gehältern über 1800 RM. angestellfen Beamten, die nicht der öprozentigen Kürzung der ledigen und kinderlosen Beamten unterliegen. Die Gemeindevertretung beschloß weiter die Anstellung eines zweiten Rabbiners, nachdem Herr Oberstlandesgerichlsrat Dr. Neumeyer eingehend auseinandergesetzt halte, daß mit einer solchen Anstellung irgendeine materielle Neubelastung nicht verbunden sein wird, da hierdurch eine weitere Lehrkraft an Stelle eines in Pension getretenen Beamten gespart wird. In geheimer Sitzung wurde auf den Posten des zweiten Rabbiners Herr Dr. Robert Geiß aus Frankfurt a. Main berufen, und zwar mit Wirkung zum Frühjahr 1932. — Die Frage des Abschlusses eines Empfehlungsvertrages der Gemeinde mit dem Verein Familienschutz wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Schließlich wurde beschlossen, den Termin für die Gemeindewahlen auf 13. März 1 9 32 festzusetzen. Zu gewissen technischen Änderungen der Wahlordnung wird der Gemeindevorstand ermächtigt. Vom Landheim Wolfratshausen Es ist recht stille geworden um das Landheim Wolfratshausen. Früher vernahm man häufig aus Kindermund begeisterte Worte über das Kinderheim. Aber das Kinderheim ist nicht mehr. Ein Erholungsheim für Erwachsene ist erstanden. Aber so wenig Leute wissen von dem schönen Heim in der herrlichen, gottgesegneten Gegend, von dem milden Klima dieser bergumrandeten Landschaft, dem „Isarmeran“, von der wunderbaren, nervenheilenden Ruhe, die dort herrscht und der guten, billigen Unterkunft, die im Landheim geboten wird. Erst vor einigen Tagen kam es mir zu Bewußtsein, welcher Segen diesem Heim entströmen könnte, ihren Zehnlausenden von Hektaren Landes von seinem Überfluß eine irgendwo erhebliche Stiftung zum Nutzen des Gemeinwohls gemacht? Wie der Schnee vor der Sonne, schließt Gerlach, schwand mein Irrglaube von dem Idealismus als Monopol der Arier und dem Materialismus als Stigma der Semiten. Noch 1892 hatte ich auf dem Tivoli-Parteitage der Konservativen dem Redner zugejubelt, der in den Saal rief: Lieber zehn Ahlwarls als ein Freisinniger! Wenige Jahre später stand für mich fest: Lieber zehn Juden als ein Antisemit! wenn von der Erholungsmöglichkeit, die da geboten wird, Gebrauch gemacht würde. Die beiden oberen'Klassen der jüdischen Volksschule besuchten dieser Tage auf einem Heimatkundeausflug zum Starnberger See diese jüdische Erholungsstätte. Welchen Jubel löste es bei unseren Kleinen aus, als sie erfuhren, daß in dem Heime gerastet werde, in dem viele von ihnen früher so schöne Stunden verbracht hatten. Die liebenswürdige Leiterin empfing uns und gleich waren die Kinder im großen Speisesaal wieder heimisch. Sie ließ es sich nicht nehmen, die Kinder zu bewirten. Der herrliche große Park lud zu lustigen Spielen ein. Dabei lachte die Sonne so freundlich vom Himmel, wie man es eben nur im Isartale erleben kann. Mir scheint, daß auch Erwachsene hier Erholung und Ruhe finden könr m. Darum machet Gebrauch von dem Segen, der Euch hier geboten wird: Gute Verpflegung und billige Preise! Was will man noch mehr? a. Zionistische Ortsgruppe München. Am Montag, 22. November, sprach im Kreise der Zionistischen Ortsgruppe, Herr Dr. Elias Auerbach, über das Thema: das Judentum am Scheidewege. Er brachte darin in anregender und menschlich sehr sympathischer Weise wieder einmal die zionistischen Ideen zum Ausdruck und schilderte die Entwicklung der praktischen zionistischen Arbeit. Man spürt, daß Herr Dr. Auerbach selbst lange Zeit in Palästina gelebt hat und den ungeheuren Aufschwung des Landes in den letzten Jahrzehnten miterlebt hat. Der Referent fand großen Beifall. Jaakobs Traum. Die Jungbülme im Jüdischen Jugendheim brachte am Sämstag, den 21. November, „Jaakobs Traum“ von Richard Beer-Hofmann mit großem Erfolg zur Aufführung. Dies, der Bibel entnommene Geschehen, das in der Beer-Hofmannschen Ausdeutung so schwierige, philosophische Fragen berührt, wurde gut erfaßt und packend dargestelll, besonders in den männlichen Rollen des Jaakob (Alfred Obermeyer) Edom und Idnibaal (Rudolf Lewin und Willi Arnold). Besonders Jaakob machte großen Eindruck. Das Bühnenbild war wirkungsvoll. Das gute Zusammenspiel ließ die feste Hand des Regisseurs Heinz Brenner erkennen. — Wir gratulieren der Jungbühne zu ihrem ersten so erfolgreichen Versuch und hoffen, daß es nicht bei diesem Versuch allein bleiben wird! T. B. Jüdischer Jugendverein. Margarethe Bach (Wien) sprach im überfüllten Saale der „Concordiau biblische und deutsche Dichtungen. Um es gleich zu sagen: Der Jugendverein hatte seinen großen Tag! Von den ersten Versen1 an schlug die Künstlerin alle in den Bann ihres wohlklingen-

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