Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- Seite 651 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 651 sächlich Verurteilung aus § 130 StGB, erfolgen konnte; ferner wäre noch zu untersuchen, ob denn nicht der Beleidigungsparagraph 185 einschlage. Die Aulhebung erfolgte auf Revision des Verurteilten; die Revision der Nebenkläger wurde verworfen. Synagogenschändung in Freystadt B e r 1 i n , 19. November. (JTA.) Tn der Nacht zum 6. November d. J. wurden in der Synagoge in Freystadt (Ostpreußen) — wie dem Centralverein mitgeleilt wird — neun Fensterscheiben eingeworfen. Die Polizei ist um die Ermittlung der Täter bemüht. Palästina im Wirtschaftssystem des British Empire London, 16. November. (JTA.) Die Frage der Position Palästinas im Wirtschaftssystem des British Empire ist in der letzten Sitzung des Palästina-Komitees des Jewish Board of Deputies eingehend besprochen worden. Das Komitee wird an die englische Regierung mit dem Ersuchen herantreten, dieser Angelegenheit ihre volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Nahum Sokolow und Dr. Brodetsky beim neuen Kolonialminister London, 18. November. (JTA.) Der Präsident der Jewish Agency Nahum Sokolow und das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Selig Brodetsky sind am Dienstag, den 17. November, vom neuen Kolonienminister Herrn CunlifTe-Lister empfangen worden. Die Führer der Jewish Agency unterhielten sich längere Zeit mit dem Kolonienminister über Angelegenheiten Palästinas und des Jüdischen Nationalheims. Weizmann in Amsterdam Amsterdam, 19. November. (JTA.) In einer vom holländischen Keren Hajessod in der Amsterdamer Konzerthalle veranstalteten Massenkundgebung, in der Dr. L. E. Visser, Ehrenpräsident des holländischen Keren Hajessod, den Vorsitz führte, hielt Dr. Chaim Weizmann, von der Riesenversammlung mit Enthusiasmus begrüßt, eine Rede über „Die Zukunft des jüdischen Volkes“. Er entwarf ein Bild von der Lage des Judentums in der ganzen Welt und wies insbesondere auf die neue Welle des Antisemitismus in Polen hin, die das Gespenst des Pogroms heraufbeschwört, und forderte das holländische Judentum auf, sein Möglichstes dazu beizutragen, daß dem jüdischen Volke eine Heimat in Palästina werde. Der Präsident der Zionistischen Vereinigung Hollands F. Bernstein, Senator Henri Polak und Dr. Adolf Friedemann gaben einen Umriß der Führerpersönlichkeit Weizmanns. Zum Schluß brachte die Zuhörerschaft dem Gast abermals eine große Ovation dar. Antisemitische Hetze an der Universität Wien W i e n , 20. November. (JTA.) An der Wiener Universität dauert der antisemitische Terror nun schon seil Wochen ununterbrochen an. Die jüdischen Studierenden halten sich der Universität fern, weil sie sich der entwürdigenden Kontrolle durch die nationalsozialistischen Studenten, die mit Zustimmung des Rektors die Pedelle in der „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung“ unterstützen, nicht unterwerfen wollen. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat sich in einer am 18. November abgehallenen öffentlichen Plenarsitzung mit den Vorgängen und Zuständen an der Universität und an den Hochschulen Wiens befaßt und einmütig eine Resolution angenommen, die dem Bundeskanzler Dr. Karl Buresch, dem Vize-Kanzler Dr. Johann Schober, dem Bundesminisler Ing. Franz Winkler und dem Bundesminister für Unterricht Prof. Dr. Emerich Czermak übermittelt wurde. Gespannte Lage in den Prager Hochschulen Prag, 23. November. (JTA.) Gelegentlich einer an der Prager deutschen Universität für die Hörer des ersten Semesters veranstalteten Intelligenzprüfung haben einige Studenten der deutsch-arischen Korporation „Germania“ sechs jüdische Hörer, und zwar fünf ungarische und einen amerikanischen Staatsbürger, aus dem Anatomiesaal hinausgeworfen. Der amerikanische Student erhob sofort Protest beim amerikanischen Konsulat in Prag. Die tschechische Rechtspresse tritt immer schärfer für einen Streik der tschechischen Hörer wegen der großen Zahl von Ausländern an den Prager Hochschulen ein. Die faschistischen Blätter bringen Meldungen, nach denen von 609 Medizinstudenten 160 Ausländer sind. Es wird „sofortige Abhilfe“ gefordert. 1 035 154 Einwohner in Palästina Jerusalem, 20. November. (JTA.) Das Ergebnis der am Donnerstag, den 19. November, durchgeführten Volkszählung in Palästina liegt bereits vor. Danach leben gegenwärtig in Jerusalem 1 035 154 Seelen. Bei der Volkszählung ini Jahre 1922 waren es 775 182 Seelen. In der rein jüdischen Stadt Tel-Awiw wurden gestern 46 062 Einwohner gezählt. Über die Einteilung der Bevölkerung in Nationen und Konfessionen liegen offizielle Mitteilungen noch nicht vor. Dr. Joseph Lurie, Leiter des Unterrichtsdepartements der Jewish Agency, zurückgetreten Jerusalem, 18. November. (JTA.) Dr. Joseph Lurie, früher Direktor des zionistischen Scludwerks in Palästina, der seit dem aus Anlaß des Lehrerstreiks erfolgten Rücktritt Dr. Berksons als Direktor des Unterrichtsdepartements der Jewish Agency fungiert hat, ist nun von diesem Posten zurückgetreten. Nur 350 Arbeiter-Einwanderungszertifikate bewilligt Jerusalem, 18. November. (JTA.) „Offieial Gazette“, das amtliche Organ der Palästina-Regierung, teilt mit, daß der Jewish Agency für das nächste Halbjahr 350 Arbeiter-Einwanderungszertifikate, und zwar 150 für Männer zwischen 18 und 35 Jahren und 200 für Frauen in dem gleichen Aller, bewilligt wurden. Die Jewish Agencv hat für die gleiche Periode 1720 Chaluz-Zertifikate verlangt In einem Gespräch mit Pressevertretern hat der Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff sich scharf gegen die Nichtbewilligung der von der Jewish Agency geforderten Chaluz-Einwanderungsquote ausgesprochen und weitere Schritte in dieser Angelegenheit angekündigt. Dr. Arlosoroff wandte sich auch gegen die von dm Regierung aus Sparsamkeitsrücksichten beschlossen*' Auflösung des Instituts zur Erforschung der Malaria, das in den letzten zehn Jahren vom American Joint Distribution Committee unterstützt wurde, dessen Erhaltung aber in diesem Jahre in das Ausgabenbudget des Gesundheitsdepartements der Regierung eingeschlossen war. Verlängerung des Termins für die Registrierung der illegalen Einwanderer Jerusalem, 18. November. (JTA.) Die Palästina-Regierung hat den am 15. November abgelaufenen Termin für die Registrierung bzw. Legalisierung des Aufenthalts der auf illegalem Wege nach Palästina gekommenen Einwanderer bis zum 15. Dezember d. J. verlängert, um denjenigen illegalen Einwohnern, die sich noch nicht auf Grund der Amnestie haben registrieren lassen, Gelegenheit zu geben, dies nachzutragen.