Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 47 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- Seite 640 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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640 Das Jüdische Echo Nr. 47 streben die Reinigung der deutschen Sprache von Fremdwörtern und die Verbesserung des Sprachgebrauchs an. Engel ist auch Verfasser mehrerer Novellen und einiger Bekenntnisbücher. In dem vor Jahresfrist herausgekommenen Buche „Menschen und Dinge“ hält Engel Rückschau auf sein Leben, das ihn mit vielen bedeutenden Menschen, Dichtern und Denkern, Fürsten und Staatsmännern, zusammengeführt. In seinem Werke „Was bleibt?“ lehrte Engel, wie man sich nach festen Maßstäben auch in der Kunst ein zuverlässiges Urteil bilden kann. In diesem Buche hat sich Engel, eingedenk der in seinem jüdischen Elternhaus zu Stolp aufgenommenen Eindrücke, auch mit der Literatur der Hebräer beschäftigt. Engel lebt jetzt in Bornim bei Potsdam. Vor kurzem erschien in neuer Auflage im Verlag G. Freitag A.-G„ Leipzig C 1, die Deutsche Stilkunst von Eduard Engel, eines der besten Bücher, das über dieses Thema geschrieben worden ist. Jeder, der sich ernsthaft mit der deutschen Sprache beschäftigt, sollte es gelesen haben. Die Unruhen in Polen Warschau, 11. November. (JTA.) In Warschau sind die Studentenunruhen etwas abgeflaut, dauern aber noch an. Trotzdem wurden 120 früher verhaftete Huliganstudenten auf Intervention der Professorenschaft aus der Haft entlassen. Die einzigen bisher noch geöffneten Hochschulen, das Institut für Zahnheilkunde und das von der jüdischen Familie Wawenberg gestiftete und erhaltene Technikum, sind heute wegen antisemitischer Unruhen der Zöglinge geschlossen worden. Aus der Journalistenhochschule wurden sämtliche acht jüdischen Hörer verjagt. Der Schwerpunkt der Unruhen ist von den Antisemiten nach Wilna gelegt worden. Die jüdischen Studenten wurden an den Toren der Universität mit den Rufen „Nieder mit den Juden!“, „Geht nach Palästina!“, empfangen und vertrieben. In den von Juden bewohnten Straßen wurden antisemitische Exzesse veranstaltet und Scheiben eingeschlagen. Eine Spezialität der antisemitischen Angriffe sind die Bombardements mit schweren Steinen. Bei einem Zusammenstoß wurden ein polnischer und ein jüdischer Student durch Steinwürfe am Kopfe so schwer verletzt, daß der Pole, Stanislaw Wazlawski, im Krankenhaus verstarb und der Jude lebensgefährlich darniederliegt. Man nimmt an, daß der Pole von seinen eigenen Kommilitonen versehentlich getötet wurde. Zahlreiche jüdische Studenten wurden verletzt. Die Stimmung unter den Juden ist eine außerordentlich gedrückte. Einige von Juden bewohnte Straßen bieten das Bild schwerer Verwüstung. Die Sawalna-Straße und die umliegenden Gassen sind mif zerbrochenem Scheibenglas übersät. In dieser Gegend wurden zahlreiche jüdische Geschäftsläden vollkommen demoliert, die Waren wurden zerstört oder geraubt. Die Zahl der ganz oder zum Teil zerstörten Geschäfte beträgt 60, die der schwer verwundeten und leicht verwundeten Juden etwa 50. Es wurden rund 100 Huligans verhaftet, von denen, wie der Polizeistarosta erklärt haben soll, 60 vor ein Standgericht gestellt werden sollen. Die Redaktionen der jüdischen und demokratischen Zeitungen werden polizeilich bewacht. Warschau, 11. November. (JTA.) „Gazetta Polska“, das Organ der Polnischen Regierung, nimmt in ungewöhnlich scharfer Form Stellung gegen den Studenten-Antisemitismus in Polen und schreibt, wenn die Regierung die angegriffenen jüdischen Studenten stützt, so tut sie dies im Staatsinteresse. Wir wünschen, schreibt die Zeitung, daß die polnischen Juden sich nicht nur sicher, sondern auch wohl fühlen sollen. Wir wünschen, daß die Juden loyale Staatsbürger sind, und es freut uns wirklich zu sehen, daß die jüdischen Massen sich immer mehr mit dem polnischen Staat verbunden fühlen. Die Konvention der amerikanischen Zionisten ' beendet N e u y o r k , 12. November. (JTA.) Die in Atlantic City abgehaltene Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten ist nach Bildung einer neuen Leitung, bestehend aus Anhängern der Brandeisgruppe und der Lipsky-Gruppe, zu Ende gegangen. Allgemein besteht der Eindruck, daß es auf der Konvention nicht gelungen ist, eine . volle Übereinstimmung zwischen den beiden Gruppen zu erzielen, daß aber der Friede bis auf weiteres gesichert sei. Zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas wurde Richter Julian W. Mack, zu Ehrenvizepräsidenten wurden Louis Lipsky und Rabbi Stephen S. Wise gewählt. Vorsitzender des Verwaltungskomitees ist Morris Rothenberg, Vizevorsitzender Rabbi Abba Hillel Silver. Vorsitzender des Nationalkomitees ist Richter Lewis, Vizevorsitzender Jacob de Haas, Schatzmeister ist Harry Fierst, Vorsitzender der Finanzkommission ist Louis Rocker. Gleichzeitig mit der zionistischen Konvention hielt die Hadassah eine eigene Konvention ab, in der beschlossen wurde, den Beitrag der Hadassah an die Zionistische Organisation Amerikas auf die Hälfte, d. h. um 20 000 Dollar jährlich, zu kürzen. Die Konvention der Zionisten Amerikas nahm ein Budget von 90 000 Dollar an, wovon 30 000 Dollar zur Teildeckung des Defizits in Höhe von 140 000 Dollar bestimmt sind. Mit der unter starkem Beifall erfolgten einmütigen Annahme einer Huldigungsresolution für Weizmann wurde die Konvention geschlossen. Der Autostreik in Palästina beendet Jerusalem, 12. November. (JTA.) Der seit mehr als einer Woche in Palästina dauernde Streik der Autobesitzer und -Chauffeure ist als abgebrochen erklärt worden, nachdem sämtliche Handelskammern des Landes sich bereit erklärt hatten, die Forderungen der Streikenden auf Ermäßigung der Lizenzgebühren und der übrigen Steuern bei der Regierung zu unterstützen. Der Taxi- und Lastwagenverkehr wurde in vollem Umfange wieder aufgenommen. Das Streikkommitee erließ eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß vom Beginn bis zum Ende des Streiks die gemeinsame arabisch-jüdische Front ungebrochen geblieben ist. Erleichterung der Mittelständler-Einwanderung in Palästina London, 13. November. (JTA.) Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, bereitet das britische Kolonialamt eine Verlautbarung vor, laut welcher die Einwanderung von Angehörigen des Mittelstandes in Palästina dadurch erleichtert werden soll, daß der bisher für die Einwanderung eines Mittelständlers erforderlich gewesene Vermögensnachweis von 1000 Pfund auf den Betrag von 500 Pfund reduziert wird.