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Das jüdische Echo · 1931-11-13 · 46 (13.11.1931) · p. Seite 627

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
46 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
Seite 627 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 627 der mit den Juden!“. Wo ein jüdischer Student angetroffen wird, wird er beschimpft, geschlagen und hinausgeworfen. Warschau, 6. November. (JTA.) Das Martyrium der jüdischen Studenten und Studentinnen nimmt kein Ende. Täglich, ja stündlich, erneuern die nationaldemokratischen Studenten ihre Angriffe. Am Donerstag mittag versammelten sich mehrere Hundert mit Stöcken bewaffnete antisemitische Studenten und Studentinnen des Warschauer Technikums und der Landwirtschaftlichen Hochschule im Hof der Warschauer Universität und warteten auf das Erscheinen der jüdischen Studenten des zweiten und dritten Kurses der juridischen Fakultät, die noch den Vorlesungen beiwohnten. Als die jüdischen Studenten und Studentinnen in den Hof traten, wurden sie von den Antisemiten umringt und mörderisch geschlagen. Von dort begaben sich die antisemitischen Studenten zum Urania-Gebäude, wo die \ orlesungen des ersten Kurses der juridischen Fakultät stattfinden. Sie drangen in die Vorlesungssäle ein, trieben die jüdischen Studenten hinaus, schleppten sie über die Treppen und hieben mit Stöcken auf sie ein. Die vertriebenen Studenten sammelten sich vor dem Mickiewicz-Denkmal und begaben sich von dort geschlossen zum Universitätsgebäude, um die in einer verzweifelten Lage sich befindenden Hörer des Judaistischen Instituts zu befreien. Die Polizei versperrte aber den jüdischen Studenten den Weg zur Universität und verhaftete drei Studenten und eine Studentin. Inzwischen hatte sich am Judaistischen Institut folgendes zugetragen: 30 Hörer des Judaistischen Instituts wurden im Universitätshof von einer Übermacht nationaldemokratischer Studenten umringt und fürchterlich mißhandelt. Professor M. Balaban vom Judaistischen Institut intervenierte beim Dekan der humanistischen Fakultät. Prof. Handelman, der aber erklärte, daß die angreifenden Studenten nicht seiner Fakultät angehören, sondern Techniker und Landwirte sind, über die er keine Befehlsgewalt habe. Schließlich gelang es den angegriffenen Studenten, in die Universitätsbibliothek zu flüchten. Ihre Verfolger erkletterten die Fenster zum Bibliothekssaal, schlugen die Scheiben ein, verschafften sich auf diese Weise Eingang in den Saal, wo sie wiederum über die jüdischen Studenten herfielen und auch mehrere jüdische Studentinnen in der barbarischsten Weise mißhandelten. Der Tumult war unbeschreiblich. Einige Professoren führten schließlich die mißhandelten Studenten und Studentinnen in das Universitätsarchiv, von wo sie durch eine Hintertür ins Freie kamen. Dort wurden sie von den Nationaldemokraten abgefangen und wiederum schwerstens mißhandelt. Zwei jüdische Studentinnen erhielten tiefe Kopfwunden und bluteten stark. Schließlich bildeten die angegriffenen jüdischen Studenten eine geschlossene Abwehrkette und drängten die Angreifer zurück. Inzwischen hatte sich eine andere mehrere hundert Köpfe zählende antisemitische Gruppe nach dem jüdischen Viertel Warschaus hegeben. Im Sächsischen Garten, der am Wege liegt, fielen sie über jüdische Frauen und ihre Kinder her. Mehrere Frauen wurden mißhandelt, die Kinderwagen wurden umgeworfen, so daß die Kinder auf das Pflaster und den Rasen fielen. Die Panik war unbeschreiblich. Die Schreie der verzweifelten Mütter wurden weithin gehört. Erst als alle jüdischen Frauen mit ihren Kindern den Park geräumt hatten, begaben sich die Studenten zum sogenannten Eisernen Tor, wo sie zahlreiche jüdische Passanten schwer mißhandelten und mehreren von ihnen blutende Verletzungen beibrachten. Die Auslagefenster der jüdischen Geschäfte wurden mit Steinen und Stöcken eingeschlagen. Vom Eisernen Tor drangen die Studenten in den Theaterplatz ein. Dort wurde die Losung ausgegeben, das Nalewki-Viertel, das jüdische Hauptgeschäftsviertel, zu stürmen. Als aber die Studenten dort eindrangen und ihr Werk der Mißhandlung und Zerstörung begannen, stellten sich ihnen jüdische Studenten, Arbeiter und Fuhrleute entgegen. Es entstand eine förmliche Straßenschlacht, bei der die Studenten die Unterlegenen waren. Inzwischen eingetroffene Polizei stellte die Ordnung her und verhaftete mehrere nationaldemokratische Studenten und einige Juden. Der Rektor Lukaszewicz verfügte die Schließung der Universität, nachdem in der Nähe der Universität seine eigene Frau, die für eine Jüdin gehalten wurde, von Nationaldemokraten schwer mißhandelt wurde. Am Freitag, 7 Uhr abends, zogen etwa 500 nationaldemokratische Studenten unter Rufen „Schlagt die Juden!“ vor das jüdische Studentenheim. Es gelang ihnen, in den Hof einzudringen, sie wurden aber von der Polizei hinausgedrängt. Eine Gruppe Studentenhuligans drang in das Kolonialwarengeschäft der „Brüder Hirschfeld“ ein, rief den Besitzern und Angestellten zu: „Wir werden euch alle abschlachten!“ und richteten Zerstörungen an. In den Straßen wurden mehrere jüdisch aussehende Passanten niedergeschlagen. Gegen acht Uhr abends versuchten die Nationaldemokraten wiederum, in das Studentenheim einzudringen, diesmal wurden sie aber von der Polizei schon vor dem Tore empfangen und zurückgedrängt. Gegen 9 Uhr gelang es ihnen, in den Hof des Studentenheims einzudringen, dort zu randalieren und Fenster einzuschlagen, aber die Polizei konnte sie wieder hinausdrängen. Zehn Uhr nachts marschierte eine Gruppe Studentenhuligans, geführt von einem polnischen Geistlichen, durch jüdische Stadtviertel, wo sie mehrere jüdische Passanten schwer mißhandelten. Es entstanden ungeheure Tumulte. Die Polizei verhaftete mehrere Huligans, unter ihnen einen Marineoffizier, der zu Judenpogromen aufgefordert hat. Am Sonnabend begannen die Unruhen damit, daß über tausend nationaldemokratische Studenten, die von der Polizei aus dem Universitätsviertel abgedrängt wurden, zum Politechnikum marschierten. Die Polizei versuchte vergebens, den Zug zu zerstreuen. Dabei wurden mehrere Nationaldemokraten durch die Gummiknüppel der Polizei verletzt. Als der Zug am Politechnikum eintraf, war die Menge inzwischen auf einige tausend Mann angewachsen. Während alle polnischen Studenten das Politechnikum verlassen konnten, durfte kein Jude die Straße betreten. 150 jüdische Studenten waren in einem Saale eingeschlossen und befanden sich in einer verzweifelten Lage, da draußen inzwischen die Losung ausgegeben wurde, die Türe zum Saale einzuschlagen und über die Juden herzufallen. Dem Studenten Ring gelang es als einzigem Juden, das Gebäude zu verlassen. Er begab sich zum Sejm und schilderte dem jüdischen Deputierten Sommerstein die Situation. Sommerstein informierte die Regierungsmitglieder, diese wandten sich an die nationaldemokratischen Politiker mit dem Ersuchen, ihre Leute vom Politechnikum zurückzuziehen. Gegen 4 Uhr nachmittags konnten die jüdischen Studenten das Politechnikum verlassen. Das jüdische Studentenheim ist in ein Krankenhaus umgewandelt, 70 meist schwer verletzte jüdische Studenten sind dort untergebracht und stehen in ärztlicher Behandlung. Mehrere andere Studenten werden außerhalb des Studentenheims behandelt, die Zahl der Verwundeten beträgt weit über 100.

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