Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 46 (13.11.1931)
- Date
- 1931-11-13
- Page
- Seite 626 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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626 Nr. 46 Das Jüdische Echo ische Universität, sondern überhaupt für die Verknüpfung der deutschen Judenheit mit dem Land der Bibel und mit dem jüdischen Aufbauwerk besitzen, braucht wohl nicht näher auseinandergesetzt zu werden. Da heute der Versuch, Geldmittel zur Erleichterung derartiger Studienabsichten aufzubringen, sich von selbst verbietet, hat eine neuerdings von Dr. Ucko gegebene Anregung viel für sich und ist auch in zuständigen Kreisen der Hebräischen Universität auf Veranlassung des Unterzeichneten lebhaft und in zustimmendem Sinn besprochen worden: Es gibt in Palästina nicht wenige Abiturienten und Studenten, die eine europäische Hochschule beziehen wollen tz. B. weil ihr Studienfach an der Jerusalemer Universität nicht oder unzureichend vertreten ist), und die deutschen Universitäten haben sich (gleich denen in vielen anderen Ländern) solchen Studenten bereitwillig geöffnet. Auch dabei aber bereitet der Kostenpunkt eine große Schwierigkeit. Der Plan ist nun, einen Austausch au pair zwischen solchen Studenten und deutsch-jüdischen Studenten, die in Jerusalem hören wollen, zu organisieren. Beide Teile würden dann, da Kost und Logis wegfallen, außer kleinen Ausgaben (in Jerusalem genügen RM. 10.— bis 20.— monatlich), den Visa- und Reisekosten (Billet Norddeutschland—Jerusalem ca. RM. 180.—) und den Studiengebühren (in Jerusalem minimal) keine unvermeidlichen Ausgaben haben. Unterrichtssprache ist Hebräisch. Wer nicht schon ein wenig (modernes oder klassisches) Hebräisch kann, muß 1—2 Monate vor Semesterbeginn in Palästina sein. Das Sommersemester beginnt nach Pesach (1932 Anfang Mai), das Wintersemester Mitte Cheschwan (1932 Mitte November). Einstweilen kommen für Studenten, die keine Zeit für ihr Studium zu verlieren wünschen, in Jerusalem als Studienfächer nur die folgenden in Betracht: Judaistische Wissenschaften (alle Zweige), Arabistik, Philosophie, Mathematik, Chemie, Biologie, Parasitologie und Hygiene. Einige andere Gebiete/ z. B. klassische Philologie oder Geologie, werden zurzeit in kleinerem Maßstab betrieben. Natürlich kann ein Jeschibahstudium in vielen Fällen damit verbunden werden. Betreffs Anrechnung von Jerusalemer Studiensemestern (für dort vollvertretene Fächer) zeigen die deutschem Fakultäten vielfach Entgegenkommen. Studierende (Damen oder Herren), deren Wohnort sich am Platz einer größeren deutschen Universität befindet und die im Einverständnis mit ihren Eltern unter den angegebenen Bedingungen austauschweise im kommenden Frühjahr oder Herbst die Hebräische Universität zu beziehen wünschen, mögen baldigst ihre Adresse mit den nötigen Angaben an Prof. Dr. A. Fraenkel, Kiel, Forstweg 23: senden. Falls im Elternhaus streng ritueller Haushalt besteht, bitte dies besonders anzugeben! Eine vorerst kleine Zahl von Meldungen — für den Anfang ist mit größeren Zahlen von Jerusalem aus nicht zu rechnen — wird dann alsbald an die Hebräische Universität weitergegeben, deren Leitung der Angelegenheit ihre tätige Unterstützung zugesagt hat. Adolf Fraenkel. Noch weitere antisemitische Husschreitungen in Polen *; Warschau, 3. November. (JTA.) Nachdem die Polizei die erste Protestversammlung der jüdischen Studenten Warschaus gegen die Störung der Lernfreiheit durch die Umtriebe der antisemitischen Studentenschaft wegen Unruhe aufgelöst hatte, wurde eine zweite Versammlung abgehalten, die von mehr als 600 Studenten besucht war. Es wurde eine Resolution angenommen, in der an die Regierung, das Akademikertum und die polnische Öffentlichkeit appelliert wird, der jüdischen Jugend die Möglichkeit, an den polnischen Hochschulen zu studieren, zu sichern. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft überbrachte dem Kultusministerium die Protestresolution. Warschau, 4. November. (JTA.) In Warschau haben sich die Ausschreitungen der antisemitischen Studenten auf das Stadtgebiet außerhalb der Universität ausgedehnt. Nationaldemokratische Studenten marschierten in kleineren Trupps durch die Straßen, wichen den Polizeiposten aus, bis es ihnen gelang, sich an einem gewissen Punkt zu einer großen Gruppe zu vereinigen. Sofort wurde die Parole ausgegeben: /,Schlagt die Juden, rettet Polen!“ Bevor es aber noch zu Mißhandlungen von Juden kam, erschien ein großer Polizeitrupp und drängte die Demonstranten ab. Die Studenten marschierten zum Anatomischen Institut. Sie schlugen alle ihnen entgegenkommenden jüdischen Passanten nieder. Die Zahl der bei den Unruhen der letzten Tage verletzten jüdischen Studenten beträgt in Warschau mehr als 60. Der Verband der nationaldemokratischen studentischen Organisationen veröffentlicht ein Kommuniquee, in welchem erklärt wird, der Kampf gegen die jüdische Studentenschaft werde nicht aufhören. Die jüdischen Studenten entwickeln eine lebhafte kommunistische Tätigkeit. Aus diesem Kommuniquee ist zu ersehen, daß die nationaldemokratischen Studenten die antijüdische Hetze unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Kommunismus fortführen. Warschau, 5. November. (JTA.) Heute kam es an der Warschauer Universität zu neuen antijüdischen Kundgebungen. Die Polizei mußte wiederholt einschreiten, um die angegriffenen jüdischen Studenten zu schützen. Die Krakauer Universität, die wegen der antisemitischen Unruhen einige Tage geschlossen war, wurde heute wieder eröffnet. Warschau, 5. November. (JTA.) Am Donnerstag mittag setzte sich ein etwa 600 Mann stärker Trupp antisemitischer Studenten nach der Richtung des Judenviertels in Bewegung. Beim Passieren des Sächsischen Gartens wurden jüdische Frauen und Kinder verprügelt und hinausgeworfen. Im Judenviertel selbst wurden jüdische Passanten überfallen. Aus den Straßenbahnwagen wurden jüdische Fahr gäste herausgeholt und geschlagen. Später kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den antisemitischen Studenten und jüdischen Lastträgern und Fuhrleuten, wobei mehrere der Studenten verletzt wurden. Hierauf zogen sich die Demonstranten zurück. Warschau, 5. November. (JTA.) In der heutigen Sitzung des polnischen Sejm brachte der Jüdische Klub eine Interpellation in der Angelegenheit der antijüdischen Ausschreitungen an den polnischen Universitäten ein. Die Regierung wird gefragt, was sie zu tun beabsichtigt, um solche Exzesse zu verhindern und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Der Interpellation wurde ein Hetzaufruf der Nationaldemokraten beigelegt, in dem die jüdischen Studenten beschuldigt werden, daß sie die Regierung und das polnische Volk verhöhnen. Während die Polizei die Umgebung des Universi lätsgebäudes besetzt hält und Unruhen in den Straßen verhindert, tobt im Universitätsgebäude, in das die Polizei keinen Zutritt hat, die wilde Hetze der nationaldemokratischen Studentenschaft weiter. Fortwährend werden Rufe laut: „Juden hinaus!“, „Nie-