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Das jüdische Echo · 1931-11-06 · 45 (6.11.1931) · p. Seite 612

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
45 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
Seite 612 (sequence 4)
Language
German
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612 Nr. 45 .Das Jüdische Echo steht, so scheint er einer Verantwortung aus dem Wege gehen zu wollen, die notwendigerweise jeder tragen muß, der heute an jüdischen Dingen führend mitarbeitet. Wie dem auch sei, es wird wenige geben, die ihn zurückhalten wollen; jedenfalls aber wird man dafür Sorge tragen müssen, daß nicht etwa später dieser Rücktritt als Argument für die besondere Befähigung zur Führerschaft in jüdischen Dingen ausgenützt wird. Der Gemeinde geht es schlecht; die Hitlerregierung steht vor der Tür; jetzt bedarf es einer entschlossenen und verantwortungsbereiten jüdischen Führung — Herr Dr. Wassermann aber tritt zurück. Vielleicht ist es gut so. I. E. Vor einem Notwinter Vorstandssitzungen der Zentralwohlfahrtsstelle und der Hauptstelle B e r 1 i n , 3. November. (JTA.) Am Sonntag, dem 1. November 1931, traten der geschäftsführende Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Reichsvorstand der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise in Berlin unter Vorsitz von Dr. Baeck und Dr. Oscar Cohn zu Sitzungen zusammen, welche aus dem Reich zahlreich besucht waren. Im Mittelpunkt der Erörterungen der Vorstandssitzung der Zentralwohlfahrtsstelle stand ein Notprogramm der jüdischen Wohlfahrtspflege, das Gegenstand einer eingehenden Aussprache war, die mit der Annahme der folgenden Entschließung endete: „Der am 1. November 1931 aus dem Reich in Berlin versammelte geschäftsführende Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden richtet im Anschluß an das ihm vorgelegte Notprogramm an die jüdischen Gemeinden den dringenden Aufruf, auch und gerade in diesem Jahre der Not daran festzuhalten, daß die jüdische Wohlfahrtspflege eine primäre, lebensnotwendige Pflichtaufgabe der jüdischen Gesamtheit und der jüdischen Gemeinden ist. Ist eine Etatseinschränkung notwendig,, so darf sie unter keinen Umständen die Wohlfahrtspflege stärker als ändere Positionen treffen. Vielmehr muß der notwendige Umbau der Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde allgemein und von Grund auf, unter Wahrung der unerläßlichen Aufgaben des Mindestprogramms der Wohlfahrtsarbeit erfolgen. Stärkste Planmäßigkeit der Anstalts- und offenen Fürsorge unter strenger Ausschaltung aller Doppelarbeit, und Verbesserung und Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen der Hilfstätigkeit der Gemeinden und der überall unentbehrlichen freien Hilfsarbeit durch Vereine und Anstalten ist nachdrücklichst zu fordern. Besonderes Augenmerk ist auf die Arbeit für die männlichen und weiblichen Jugendlichen und auf die Erhaltung und Öffnung einfachster, aber ausreichender, allen offen stehender Jugendheime zu richten. Der Vorstand stellt fest, daß die tätige Mitwirkung der jüdischen Wohlfahrtspflege in der allgemeinen deutschen Winterhilfe überall durchgeführt ist, und unterstützt diese Mitwirkung aufs stärkste. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden fordert im gegenwärtigen Notjahr zu besonderen Opfern für die allgemeine und für die jüdische Not auf. Sie ruft auf zu stärkster persönlicher Hilfe, stärkster Zusammenarbeit, stärkster Opferbereitschaft.“ Der Vorstand genehmigte sodann Zuwendungen, die durch Vermittlung der Zentralwohlfahrtsstelle an verschiedene Stellen im Reiche erfolgen konnten, ferner den vorgelegten Finanzbericht. Der zweite Kurfürstendammprozeß Stark belastende Aussagen für Helldorf Berlin, 27. Oktober. (JTA.) Die Vernehmung der angeklagten Rädelsführer und I eilnehmer än den judenfeindlichen Ausschreitungen am Kurfürstendamm am 12. September abends, dem zweiten jüdischen Neujahrsabend, ist am Montag zu Ende gegangen. Der Stabsleiter der Sturmabteilungen, Karl Ernst, der nach dem Grafen Helldorf vernommen wurde, schloß sich der Darstellung seines Vorgesetzten an, dergemäß keinerlei Befehl zu judenfeindlicben Exzessen ausgegeben i wurde. Der Führer des Sturms 8, Schulz, ging noch weiter und erklärte, er habe am Kurfürstendamm im Chor „Juda verrecke“ rufen hören, daraus seii ihm klar geworden, daß das Spitzel sein: müßten: der Ruf „Juda verrecke!“ sei durch eine mündliche stillschweigende Vereinbarung zwischen den Führern verboten; er werde nur noch von Provokateuren angewendet. An den Sturmbannführer Hell richtete der Vorsitzende die Frage:. Wissen Sie nichts davon, ob zwischen Goebbels, den wir hier als Zeugen hören werden, und Graf Helldorf eine Besprechung über den jüdischen Neujahrstag stattgefunden hat? Der Angeklagte verneint dies, ebenso die Frage, ob ein Befehl von Mund zu Mund gegangen ist. Am zweiten Prozeßtag wurden 14 Polizeioffiziere und Unteroffiziere als Zeugen vernommen. Sie sagten übereinstimmend aus, daß sie, als sie am Kurfürstendamm eintrafen, etwa 1200 einheitlich; gekleidete Exzedenten dort antrafen und den bestimmten Eindruck hatten, daß es sich um eine durchaus planmäßig organisierte Revolte handle. Einige der Polizeioffiziere sagten aus, verschiedene Passanten seien an sie herangekommen und hätten sich beschwert, daß sie geschlagen und belästigt worden seien, wobei einige Passanten bestimmt erklärten, die Befehle zu den Exzessen würden von einem an der Gedächtniskirche haltenden Auto gegeben, es war dies das Auto des Grafen Helldorf und des Stabsführers Ernst. Die Autos, in denen Graf Helldorf und die anderen SA-Funktionäre während der Krawalle hin und her fuhren, spielten in den Aussagen eine wichtige Rolle. Nach Meinung der Polizeioffiziere wurden nicht allein von diesen Autos Direktiven gegeben* sondern das Erscheinen der Autos selbst an verschiedenen Punkten sollte ein Signal zum Angriff sein. Daß eine Leitung vorhanden war, ersah der Zeuge auch daraus, daß Polizeibeamten in Zivil von Teilnehmern an den Exzessen verschiedentlich Zettel zugesteckt wurden, auf denen Nummern von Autos und einem Motorrad verzeichnet waren. Man sagte ihnen: wo die Wagen erscheinen, da gibt es Klamauk. Solche Zettel hat der Zeuge auf den Tisch des Polizeireviers niedergelegt. Er hat die Nummern auf den Zetteln mit den Nummern der festgestellten Autos verglichen. Die Aussagen der Zivilzeugen stimmen mit den Aussagen der Polizeizeugen darin überein, daß die SA-Leute, die auf dem Kurfürstendamm demonstrierten und blutige Überfälle verübten, unter einhelitiieher Leitung standen und befehlsgemäß handelten. Starken Eindruck machte die Aussage des Rechtsanwalts Dr. Alfred Apfel, der die Exzesse von dem Balkon seiner Wohnung an der Ecke Kurfürstendamm- Fasanenstraße von Beginn an mit angesehen hatte. Der bei den Krawallen schwer verletzte Rechtsanwalt Dr. Möhring, der Sohn des Konditoreibesitzers am Kurfürstendamm, schildert, wie er auf

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