Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-10-30 · 44 (30.10.1931) · p. Seite 604

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
44 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
Seite 604 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9179085--12042-9084113
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

604 Nr. 44 Das Jüdische Echo zweite Konterenz des jüdischen Rettiungskomitees statt, der als Regierungsvertreter der Vizewojwode Alpinski beiwohnte. Das Komitee legte eine genaue Liste der hungernden jüdischen Familien vor, aus der zu ersehen ist, daß 21 770 jüdische Familien in Warschau mit insgesamt 96 400 Seelen, also ungefähr ein Drittel der jüdischen Gesamtbevölkerung Warschaus, buchstäblich am Hungertuch nagt. Unter den Notleidenden sind drei Kategorien zu unterscheiden: 1. 38 000 arbeitslos gewordene Arbeiter und Angestellte, 2. 57 000 Angehörige freier Berufe, die gegenwärtig ohne jedes Einkommen sind, 3. 1400 als „Stadtarme“ Registrierte. Vizewojwode Alpinski schlug \or, in den jüdischen Vierteln öffentliche Ansspeisungen einzurichten und stellte hierfür Regierungshilfe in Aussicht. Die Kalenderreform-Konferenz auf unbestimmte Zeit vertagt G e n f, 18. Oktober. (JTA.) Die Kommission des Völkerbundes für Verkehr und Transit, die zu Beginn der vorigen Woche zusammengetreten war, um die Frage der Kalenderreform einer Lösung zuzuführen, hat nach einer eine Woche lang dauernden Aussprache und nach Anhörung verschiedener „Beobachter“, u. a. der Vertreter des rabbinischen und des weltlichen Judentums, beschlossen, die Frage der Kalenderreform auf unbestimmte Zeit zu vertagen. In eingeweihten Kreisen sieht man den Grund der Vertagung darin, daß die Völkerbundkreise es nicht für angebracht hielten, die durch akute Krisen und Fragen aufgewühlte Welt noch in einen Streit um dieses sehr schwierige und heikle Problem zu stürzen. Hs wird angenommen, daß der Blankotag, der insbesondere von der jüdischen Gemeinschaft einmütig abgelehnt wird, da er den jüdischen Sabbath zu einem beweglichen Tag in der Woche macht, bei den zukünftigen Verhandlungen nicht mehr ernstlich in Betracht gezogen werden wird. Die Verkehrskonferenz will lediglich den christlichen Kirchen empfehlen, das Oster- und Pfingstfest in der Weise festzulegen, daß Ostern jeweils auf den Sonntag nach dem zweiten Sonnabend im April und das Pfingstfest entsprechend sieben Wochen später fällt. Ostern würde danach regelmäßig zwischen den 9. und 15. April fallen, womit die jetzt bestehende Spanne von 5 Wochen auf eine Woche herabgesetzt wäre. Die Jewish Agency fordert 1 720 Einwanderungszertifikate Jerusalem, 18. Oktober. (JTA.) Wie die JTA erfährt, hat sich die Executive der Jewish Agency in Palästina an die Palästina-Regierung mit dem Ersuchen gewandt, ihr für das am 1. Oktober 1931 beginnende und am 31. März 1932 endende Halbjahr 1720 Arbeiter-Einwanderungszertifikate zur Verfügung zu stellen. Die Exekutive der Jewish Agency begründet ihr Ersuchen mit dem Hinweis darauf, daß der Arbeitsmarkt in Palästina seit einigen Monaten eine Entspannung aufweist. Im letzten Jahre wurden weitere J0 0ÜO Dunam Brachland in Orangenhaine umgewandelt, nach bestehenden Plänen werden in diesem Jahre auf weiteren 4500 Dunam Boden Orangenplantagen angelegt werden. Diese Neuanlagen erfordern weitere 1000 jüdische Arbeiter. Es kommt hinzu, daß die jüdischen Plantagen im vergangenen Jahre um 25 Prozent mehr Frucht getragen haben als in dem vorausgegangenen Jahre. In mehreren jüdischen Kolonien herrscht bereits ein Mangel an Arbeiterhänden. Arlosoroff über aktuelle Palästina-Fragen J e r u s a 1 e m, 22. Oktober. (JTA.) Der Leiter der Executive der Jewish Agency in Palästina, Dr. Cliaim Arlosoroff, empfing die Vertreter der Presse und gab ihnen Erklärungen über aktuelle Palästina-Eragen. Die Legalisierung des Aufenthalts von Einwanderern, die Palästina auf illegalem Wege betreten haben, sagte Arlosoroff, schreitet zufriedenstellend fort, nachdem die Zentralregierung die vom Einwanderungsamt einer solchen Legalisierung entgegengesetzten Hindernisse aus dem Wege geräumt hat. Dr. Arlosoroff bedauerte die Opposition der Revisionisten gegen die Teilnahme der Juden an der technischen Durchführung der Volkszählung und erkärtc, daß die Volkszählungsaktion nicht im geringsten mit der Eragc der Idildung eines Legislative Council in Palästina zu tun hat. Wir haben, sagte er, in dieser Hinsicht nichts zu verbergen. Zum Schluß erklärte Arlosoroff, daß die Durchführung des Palästina-Landentwicklungsplans infolge der ungeklärten Finanzlage der englischen Regierung wahrscheinlich auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Zur Krisis der Agency-Schulen Lehrer und Beamte opfern ein Monatsgehalt J e r n s a Le m, 49. Oktober. (JTA.) Wie die JTA erfährt, hat sich die Executive der Jewish Agency in Palästina zwecks Überwindung der Schulkrise bereit erklärt, das Schulbudget statt um 20 000 Pfund um nur 16 000 Pfund zu kürzen, wobei der Jischuw weiter 5000 Pfund und die Lehrerschaft ihrerseits durch Verzicht auf ein Monatsgehalt 7000 Pfund zum Schulbudget beitragen sollen. Jerusalem, 21. Oktober. (JTA.) Die andauernde Krise des Jewish Agency-Schulwerks in Palästina, die dazu geführt hat. daß die Schulen in diesem Semester noch nicht wieder eröffnet werden konnten, hat die Palästina-Regierung veranlaßt, sich mit der Lage des hebräischen Schulwerks zu befassen. Der stellvertretende High Commissioner und Ghefsekretär der Regierung, Herr Young, empfing das Mitglied der Executive der Jewish Agency, Dr. Chaim Arlosoroff, und besprach mit ihm eingehend die Lage der hebräischen Schulen. Der Direktor des Unterrichtsdepartements der Regierung, Herr Bowman, wohnte der Unterredung bei. Jerusalem, 22. Oktober. (JTA.) Am 20. Oktober wurde in den Elementarschulen und Kindergärten des Jewish Agency-Schulwerks in ganz Palästina der Unterricht wieder aufgenommen. Geschlossen sind nur noch einige Schulen in Tel- Awiw und in Chederah. Bürgermeister Dizengoff lädt Juden aller Länder zum Besuch der jüdischen Stadt Tel-Awiw ein T e 1 - A w i w, 20. Oktober. (JTA.) Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Herr Mayer Dizengoff, lud den Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur zu sich und ersuchte ihn, der jüdischen Welt durch die Jüdische Telegraphen-Agentur seine Einladung zum Besuche der Stadt Tel-Awiw im kommenden Frühjahr zu übermitteln. Tel- Awiw, erklärte Bürgermeister Dizengoff, wird in der kommenden Pessach-Zeit Schauplatz großer Ereignisse sein. In dieser Zeit wird die große Levante-Messe abgehalten, die vor allem ein Bild von der großen produktiven Leistung Palästinas geben wird; auch wird um diese Zeit auf dem großen Sportplatz von Tel-Awiw die Makkabiade

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.