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Das jüdische Echo · 1931-10-30 · 44 (30.10.1931) · p. Seite 602

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
44 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
Seite 602 (sequence 6)
Language
German
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602 Nr. 44 Das Jüdische Echo Schwingungen hatte und der mit viel Ernst an alle Probleme, die ihn berührten, heranging. Eine seltsame Ironie wußte er mit ernster Gründlichkeit zu paaren, die allen seinen Werken den Stempel auf drückt. Ebenso wie Jakob Wassermann ging er dem Problem des jüdischen Menschen nicht aus dem Wege, wenn er auch den Weg ins Freie nicht ganz finden konnte. -ky Ida Goitein In Mannheim verstarb am Mittwoch, dem 21. Oktober Frau Dr. Ida Goitein, die Mutter von Frau Dr. Rahel Straus (München), wir entnehmen der „Jüdischen Rundschau“ eine Würdigung dieser bedeutenden jüdischen Frau, die der Bewunderung und Trauer ihrer vielen Freunde Ausdruck gibt: Nun ist Ida Goitein von uns gegangen, im 84. Jahr ihres gesegneten Lebens. Nur wer sie gekannt hat, wer beobachten konnte, was diese Frau allein durch die Tatsache ihres Daseins bedeutete, kann ermessen, was wir an ihr verloren haben. Generationen hat sie kommen und gehen sehen, und im Wandel der Zeiten, in der Zeit der Umwertung aller Werte, blieb sie immer die Gleiche, ihre Würde in sich selber tragend, ohne würdig sein zu wollen. Sie war eine strenggläubige und moderne Frau, beides vereint in einer Harmonie, die nur echten Persönlichkeiten gegeben ist. Nichts war ihr uninteressant, mit allem mußte sie sich auseinandersetzen, und sie tat es mit einem Feuergeist, der einen ihr Alter vergessen macht. Zu jeder Bewegung mußte sie ihren eigenen festen Standpunkt gewinnen, nichts, was sie nicht in sich verarbeitete. Niemand war ihr zu gering; an jedem hat sie Anteil genommen. Dabei war sie von einer rührenden Bescheidenheit; niemals kam sie auf den Gedanken, daß bei jedem Gespräche sie der Gebende und der Besucher der Empfangende war. Wenn man ihr kleines Zimmer in der Mannheimer Innenstadt betrat, so fühlte man sich geborgen. Dort herrschte eine Harmonie, die nur durch und durch echte Persönlichkeiten ausstrahlen können. Ida Goitein war eine glühende Zionistin. Jahrzehnte sind es schon her, daß sie sich unserer Bewegung angeschlossen hat. Aber noch bis in die letzten Tage ihres Lebens, schon als sie vom Tode gezeichnet war, hat sie für den Zionismus geworben. Anläßlich ihres 80. Geburtstages ernannte die Zionistische Ortsgruppe Mannheim sie zu ihrem Ehrenmitgliede. Aber was konnten Ehrungen dieser Frau bedeuten? Sie war ja der Stolz unserer Ortsgruppe, und wir ehrten nur uns selber, indem wir sie auszuzeichnen versuchten. Dem Keren Kajemeth weihte sie bis ins hohe Alter ihre Arbeitskraft. Keinen Anlaß ließ sie vorübergehen, ohne werbend für ihn aufzutreten. Durch das einzigartige Ansehen, das sie überall genoß, erreichte sie Kreise, die uns ohne sie unerreichbar geblieben wären. Wer könnte sich ihr entziehen? Jahrelang hat sie die Arbeiten des Verbandes Jüdischer Frauen für die Kulturarbeit in Palästina in Mannheim ganz allein geleitet, bis sie ihres hohen Alters wegen ihr Amt in andere Hände legen mußte. Schwere Schicksalsschläge sind Ida Goitein nicht erspart geblieben. Schon vor vielen Jahren verlor sie ihren Gatten, der Rabbiner in Karlsruhe gewesen war. Im Felde ist ihr einziger Sohn gefallen. Sie ertrug es mit echtem Gottvertrauen. An ihrer Bahre trauern ihre drei Töchter, die wir alle voll Stolz zu den unseren zählen dürfen: Frau Rabbiner Unna, die Frau unseres Freundes Dr. Unna, eines der sechs deutschen Mitglieder des Councils der Jewish Agency, in dessen echt jüdischer Häuslichkeit sie nach Aufgabe ihrer eigenen Häuslichkeit eine neue Heimat gefunden hatte. Frau Rahel Straus, die Frau unseres guten Freundes Dr. Elias Straus, und Frau Prof. Dessau. Mit ihnen trauern alle, die das Glück hatten, dieser einzigartigen Frau im Leben zu begegnen. Arnold Hildesheimer (Mannheim). Aus der jüdischen Welt Die Überfälle auf jüdische Bürger im Stadtgarten in Essen Eine Erklärung des preußischen Innenministers im Landtag Berlin, 21. Oktober. (JTA.) In einer kleinen Anfrage an das Preußische Staatministerium hatte sich der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Kube auf eine Notiz in der nationalsozialistischen „Nationalpost“ berufen, die am 2. Juli gemeldet hatte, daß die Essener Polizei Stadtgarten ohne jeden Grund eine Reihe von Nationalsozialisten verhaftet und in Haft behalten hatte. Dabei hätte der Polizeihauptmann Wdnkler die Nationalsozialisten als „Gesindel“ beschimpft. Der Abg. Kube verlangte nun vom Staatsministerium, es solle den Polizeihauptmann Winckler durch ein Disziplinarverfahren darüber belehren, daß er Stadtbürger nicht als Gesindel bezeichnen dürfe. Auf diese Anfrage antwortete nun der preußische Minister des Innern folgendermaßen: Am 30. Juni 1931 sind, wie schon wiederholt, erholungssuchende jüdische Bürger im Stadtgarten lin Essen von Nationalsozialisten belästigt und verdrängt worden. Die herbeigeholte Polizei, die zunächst auf Widerstand stieß, stellte nach Verstärkung die Ruhestörer fest, darunter auch drei vielfach wegen Körperverletzung und Waffenbesitzes vobestrafte Personen, die je mit einem Eichenknüppel und. einem Schlagring bewaffnet waren. Die vorläufige Festnahme der Ruhestörer war daher gerechtfertigt. Polizeihauptmann Winckler hat den Vorgeführten eröffnet, daß die Belästigungen iim Stadtgarten aufhören müsse. Andernfalls er im Interesse des erholungsuchenden anständigen Publikums gegen die Ruhestörer und das Gesindel rücksichtslos Vorgehen werde. Die Antwort schließt: „Diese Eröffnung gibt mir keinen Anlaß zu einem diziplinarischen Einschreiten.“ Kiel lehnt Schächtverbot ab Berlin, 21. Okktober. (JTA.) Die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten teilt mit: Am 16. Oktober ist der von den Nationalsozialisten im Mai dieses Jahres in der Stadtverordnetenversammlung zu Kiel eingebrachte Antrag auf Einführung des Schächtverbots abgelehnt worden. Der Tierschutzverein hatte es sich besonders angelegen sein lassen, in einem Rundschreiben an die Stadtverordneten unter Hinweis auf ein in Bielefeld einstimmig beschlossenes Schächtverbot darauf zu drängen, daß der Antrag der Nationalsozialisten unterstützt werde. In der Zwischenzeit ist jedoch in Bielefeld das Verbot zurückgezogen und auch im thüringischen Landtag der Schächtverbotsantrag abgelehnt worden. Die An-

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