Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 44 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- Seite 600 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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600 Das Jüdische Echo Nr. 44 liebe ist, eine letzten Endes aus Ressentiments herrührende Verärgerung und Verstimmung. Sie haben ihre jüdischen Nerven verloren. Ohne daß man sich in diese nicht ungfährlichen seelischen Abgründe begibt, kann man doch sagen, daß die Verneinung der jüdischen Eigenwerte und darauf kommt die Bekämpfung des Zionismus seitens der jüdischen Kommunisten heraus, maßgeblich die Einstellung der roten Assimilation beeinflußt. Oie Negation des Jüdischen, wie auch immer es aussehe, ist also qualifizierendes Kennzeichen. Hat man das einmal erkannt, so sind auch die Fronten klar abgesteckt. Man muß sich weigern, die Sympathie für das Aufbauwerk der Sowjetunion für diese zerstörenden Kräfte der roten Assimilation mißbrauchen zu lassen. Solange wir unerschütterlich im Judentum wurzeln, solange wir an seine Kräfte glauben, die es aus allen Völkerstürmen herausgeführt hat, solange ist auch dieser neue Hellenismus ungefährlich. Solange in der Sowjetunion die Lösung der Judenfrage so betrieben wird, daß man die Juden auflöst, ebenso lange wird mit Vorsicht, Objektivität und Nüchternheit die Betrachtung der Dinge in der Sowjetunion vollzogen werden müssen, aber auch nicht mit etwas mehr. Scharf dagegen lehnen wir die rote Assimilation ab; denn sie will vom Judentum wegführen, das Judentum bagatellisieren. Wir müssen es ablehnen, dieses Phantom der jüdischen Selbstaufopferung als neue Religion anzuerkennen. Rote Assimilation und Sowjet, das sind zwei Dinge, die man nicht miteinander vermengen soll. Das eine ist gut, das andere kann nie gut werden. Dr. K. * Es ist in diesem Zusammenhänge interessant, daß die Leitung der Kommunistischen Partei Deutschlands anläßlich des Übertritts des Pfarrers Eckert, der eine leitende Stellung im Bunde religiöser Sozialisten innehat, erklärt hat, daß sie die religiöse Weltanschauung des Einzelnen als nicht mit dem sozialistischen Programm in Widerspruch stehend betrachtet. Einsere jüdischen Kommunisten sind also wieder einmal „päpstlicher als der Papst“. Beginn des zweiten Kurfürstendammprozesses Berlin, 26. Oktober. (JTA.) Vor dem erweiterten Schöffengericht Charlottenburg begann am Montag, dem 26. Oktober, die Verhandlung gegen Wolff Heinrich Graf Helldorf, den Führer des Gaues Brandenburg der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, und seinen Stabschef Karl Ernst wegen Rädelsführerschaft bei dem schweren Landfriedensbruch, der am Sonnabend, dem 12. September, abends, auf dem Kurfürstendamm verübt worden ist. Mit diesem Angeklagten haben sich noch die Stahlhelmer, Ing. Wilhelm Brandt und Kurt Scholtz, sowie die Mitglieder der nationalsozialistischen S. A. Hagemeister, Hell, Samerski und Dombrowski wegen schweren Landfriedensbruchs zu verantworten. Der Prozeß hat schon am 9. Oktober das Gericht beschäftigt. Die Verhandlung wurde aber abgebrochen, als die Verteidigung den Gerichtsvorsitzenden, Landgerichtsdirektor Schmitz, und den Beisitzer, Landgerichtsrat Thiemann, sowie den Schöffen Lothar Stark als bedangen ablehnte. Die Strafkammer des Landgerichts III hat die Ablehnung als berechtigt anerkannt. Der Filmindustriellc Lothar Stark, der Jude ist, hatte sich selbst für befangen erklärt. Die jetzige Verhandlung wird von Landgerichtsdirektor Brennhausen geleitet. Die Staatsanwaltschaft ist durch die Staatsanwaltschaftsräte Stenig und Herff vertreten, Die Amgeklagtcm Helldorf, Ernst und Brandt werden aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Nach einem kurzen Verhör Brandts wird Graf Helldorf vernommen. Seinen Angaben ist zu entnehmen, daß er sich an den Kämpfen des Kapp- Putsches führend beteiligt hat. Später übernahm er die Verwaltung des väterlichen Gutes, das er wegen Verluste verkaufen mußte, jetzt werde er vom Verband unterstützt. Helldorf erklärte auf Befragen des Vorsitzenden, er sei jetzt alleiniger Führer der Gruppe Berlin- Brandenburg der S.A., der oberste Führer der SA im Reiche ist Adolf Hitler selbst. Er habe nicht gewußt, daß am 12. September jüdischer Neujahrstag gewesen war. Er fuhr mit dem Stabschef Ernst auf seiner üblichen Kontrollfahrt zu dem Sturmlokal des Westens und hörte hier, daß sich die Kameraden zu einem „Gang auf den Kurfürstendamm“ verabredet hätten. Als er selbst auf den Kurfürstendamm kam, sah er, daß etwa 600 SA-Leute und Mitglieder anderer nationaler Verbände dort waren. Er habe sich bemüht, die Leute vom Kurfürstendamm wegzubringen. Er habe nicht gewußt, daß das Cafe Reimann demoliert worden war. Übrigens war alles, was geschehen war, nicht so erschütternd. Auf den Hinweis des Vorsitzenden, daß doch eine Anzahl Leute verletzt wurden, entgegnete Helldorf; Wir messen mit einem anderen Maßstab. An jenem Tage wurden im Reich acht SA-Leute getötet. Helldorf erklärte, daß die Kurfürstendamm-Aktion der SA von der Partei als illegale Handlung angesehen werde, und daß die Teilnehmer aus der Partei ausgeschlossen werden. Er selbst sei bis zum Ende des Prozesses von seinem Amte suspendiert worden. Helldorf führte auf Befragen weiter aus, es könne sein, daß einzelne SA-Leute durch Spitzel provoziert worden sind, sich zum Kurfürstendamm zu begeben, es sei aber möglich, daß SA-Leute in Erbitterung und Verzweiflung über die fortwährenden Knüppelattacken der Polizei gegen Kameraden den Plan faßten, zum Kurfürstendamm zu gehen, um anzuzeigen, daß sie immer noch da sind. Im übrigen gab Helldorf zu, daß das, was auf dem Kurfürstendamm geschehen war, 'Landfriedensbruch gewesen ist. Der angeklagte Jungstahlhelmführer Brandt teilte auf Befragen mit, daß ihm bereits am Nachmittag des 12. Septerriber die Nachricht von den bevorstehenden Demonstrationen mitgeteilt worden sei. Woher diese Meldung stamme, will er nicht sagen, da er sonst eine ganze Organisation belasten müsse. Er sei dann mit einigen Kameraden als Zuschauer zum Kurfürstendamm gefahren. Ein Schandurteil Nürnberg, 21. Oktober. (JTA.) Vor dem Nürnberger Schwurgericht hatte sich der verantwortliche Redakteur der nationalsozialistischen Wochenschrift „Der Stürmer“ Karl Holz wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft zu verantworten. Gegenstand der Anklage war ein Artikel: „Spezialarzt Dr. Wassermann, Berlin, Kurfürstendamm, läßt eine Nächtjüdin verbluten und schafft die Leiche in den Kohlenkeller. Der „Stürmer“ hatte angebliche Talmudzitate gebracht und erklärt, die jüdische Rasse ziehe aus ihren Gehelmgesetzbüchern Talmud und Schulchan Aruch ihre Lehren. Die zitierten Talmudstellen sei-