Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 43 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- Seite 593 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 593 worden. Der Vorsicht des Dieners Gottliebs, der das Paket entgegennahm, ist es zu danken, daß eine Explosion der Bombe, die über ein Kilogramm Sprengstoff enthielt, vermieden werden konnte. Die präzise Ausführung der Höllenmaschine läßt darauf schließen, daß sie von einem fachkundigen Techniker angefertigt worden ist. Bereits im Sommer dieses Jahres hat Ingenieur Gottlieb einen Drohbrief erhalten, in dem ihm ein früher Tod angekündigt wurde. Die polnische Regierung begrenzt das Steuerrecht der jüdischen Gemeinden Warschau, 16. Oktober. (JTA.) Das Amtsblatt der polnischen Regierung veröffentlicht eine Verordnung, dergemäß die jüdischen Gemeindesteuern auf das Maximum von 10% der Slaalssteuern begrenzt werden. 10 000 arme jüdische Familien Warschaus müssen im Winter gespeist werden Warschau, 16. Oktober. (JTA.) Der stellvertretende Warschauer Wojwode Olsinsky hat das Präsidium des jüdischen „Rettungskomitees“ zu sich eingeladen, um mit ihm die Hilfeleistung an die notleidende jüdische Bevölkerung Warschaus im Rahmen der allgemeinen Winterhilfe der Regierung zu besprechen. Die Regierung hat durch Erhöhung der Post- und Bahntarife, Einführung einer Kinosteuer usw. einen laufenden Fonds für die Winterhilfe geschaffen; für Warschau stehen drei Millionen Zloty zur Verfügung. Das jüdische Rettungskomitee fordert eine Million Zloty für das jüdische Hilfswerk und weist darauf hin, daß die jüdische Bevölkerung Warschaus den dritten Teil der Gesamtbevölkerung der polnischen Hauptstadt ausmacht. Im jüdischen Rettungskomilee seien nicht weniger als 10 000 Warschauer jüdische Familien registriert, die dem Hunger preisgegeben sind und im Verlauf des Winters gespeist werden müssen. Ein antisemitisch verhetzter Schuljunge ermordet seinen jüdischen Klassenkollegen Warschau, 13. Oktober. (JTA.) In dem Städtchen Dabrowice, Kreis Wohlin, hat sich eine schwere Schultragödie abgespielt. Der zwölfjährige Komar, der von Haus aus antisemitisch verhetzt ist, fiel im Schulhof ohne jede erkennbare Ursache über seinen Klassenkollegen, den zehnjährigen Israel Fleischon her und schlug mit einem Stock solange auf ihn ein, bis der Tod infolge Schädelbruchs eintrat. Der jugendliche Mörder wird straflos ausgehen, Fürsorgeerziehung für jugendliche Verbrecher gibt es in Polen nicht. An dem Begräbnis von Fleischon beteiligte sich die gesamte Schuljugend des Städtchens, Juden wie Christen, sowie die gesamte Lehrerschaft. Die Juden im neuen lettländischen Parlament Zwei Sitze verloren Riga, 13. Oktober. Die in diesen Tagen in Lettland durchgeführten Wahlen zum Parlament haben den jüdischen Parteien Verluste gebracht. Der Führer der zionistisch-sozialistischen Partei Professor Laserson und der Führer der jüdisch-sozialistischen Partei „Bund“ Dr. Meisel, seit mehreren Jahren Mitglieder des lettländischen Sejm, sind nicht wiedergewählt worden. Räuber überiallen die Brooklyn-Synagoge 10 000 Dollar geraubt Neuyork, 14. Oktober. (JTA.) Eine Räubertruppe überfiel gestern die Synagoge in Neuyork- Brooklyn, terrorisierte und beraubte die in der Synagoge weilenden Andächtigen. Den Räubern fielen Geld und Juwelen im Gesamtwerte von etwa 10 000 Dollar in die Hände. Es ist dies der zweite überfall auf eine Synagoge in Amerika in den letzten vierzehn Tagen. Einigung unter den amerikanischen Zionisten Neuyork, 15. Oktober. (JTA.) Die Bemühungen des amerikanischen Mitglieds der Exekutive der Jewisli Agency Emanuel Neuman, eine Spaltung unter den amerikanischen Zionisten zu vermeiden, sind von Erfolg gekrönt. Auf einer Sitzung der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas, an der Louis Lipsky, Robert Szold und Emanuel Neuman leilgenommne haben, kam es zu einem Abkommen zwischen den seit Jahren einander erbittert bekämpfenden Gruppen, der Louis Lipsky-Gruppe und der Julian-Mack-Gruppe. Gemeinden- und Vereins-Echo Am Mittwoch, dem 22. Oktober, fand in der hiesigen Kultusgemeinde eine Sitzung des durch Gemeindevorstand und Gemeindevertretung erweiterten sozialen Ausschusses statt mit dem Thema: Winterhilfe 1 93 1 / 3 2. Einleitend sprach der erste Vorsitzende, Oberstlandesgerichlsrat Dr. Neumeyer, über die allgemeine Not, die auch die Mitglieder der Gemeinde stark betroffen habe. Die ungünstige Wirtschaftslage wirke sich natürlich auch auf die Finanzen der Gemeinde aus. Justizrat Dr. Straus führte aus, daß bei dem stark zu verringernden Etat an allen Ausgaben Abstriche nötig seien. Besonders schwer treffe dies das Wohlfahrtsamt, das sich schon im letzten Jahr stark einschränken mußte. Die Zahl der Unterstützungssuchenden nimmt ständig zu, die Mittel dagegen ständig ab. Es müsse daher ein Weg gefunden werden, um von privater Seile Spenden und Hilfe zu erlangen. Rabbiner Dr. B a e r w a 1 d berichtete sodann über die vom leitenden Ausschuß des Wohlfahrtsamtes für die notwendige Arbeit der nächsten Monate aufgestellten Grundsätze. Er beantragte die Durchführung einer Sammlung bei den Gemeindemitgliedern durch Aufruf in der Gemeindezeilung und persönlichen Besuch. Von dieser Sammlung sollen 25 Prozent den Wohltätigkeitsvereinen für ihre Zwecke zugewiesen werden. Durch öffentliche Vorträge in der Synagoge und im Rahmen der Lehrkurse sollen die Gemeindemitglieder über die Bedeutung der sozialen Aufgaben unserer Zeit aufgeklärt werden. Zugunsten der allgemeinen Nothilfe - Sammlung soll in der Synagoge ein Wohltätigkeitskonzert stattfinden mit einer Sammlung für den Hilfsfonds. In Aussicht genommen wird die Angliederung einer Wärmestube an die Rittersche Speiseanstall und die Abgabe von Speisen (Eintopfgerichten) an Haushaltungen zu ganz billigen Preisen durch die Speiseanstalt und im Bedarfsfälle durch andere Stellen. Die Vorschläge wurden einstimmig angenommen und werden den gemeindlichen Kollegien unterbreitet werden. Die Durchführung soll einem Ausschuß übertragen werden. Das Simchath - Thora - Fest der Hebräischen Sprachschule war ein voller Erfolg für Herrn Dr. Percikowitsch, der die ganze Arbeit der Vorbereitung allein bewältigt hatte. Der überaus starke Besuch zeigte, daß es in München schon eine große Gemeinde von Freunden der hebräischen Sprache gibt. Die vielen Darbietungen, an denen sich neben dem