Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 43 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- Seite 592 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103087-9179084--12029-9084100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
592 Das Jüdische Echo Nr. 43 Verlängerung des Breslauer Wahlkompromisses auf ein Jahr Berlin, 16. Oktober. (JTA.) Die „Jüdischliberale Zeitung“ teilt u. a. mit: Das im Jahre 1930 abgeschlossene Kompromiß zwischen den Parteien der Gemeindevertretung Breslau war auf die Dauer von einem Jahre vereinbart. Dasselbe läuft somit mit dem 31. Dezember 1931 ab. Die Liberale Fraktion wie wohl auch die anderen Parteien waren sich bei den nun notwendigen Verhandlungen darüber einig, daß Neuwahlen in der jetzigen Zeit unter allen Umständen zu vermeiden sind. Die Verhandlungen zur Verlängerung des Kompromisses wurden durch den Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Geheimrat Goldfeld, eingeleitet. . . . Die Verteilung der Sitze in der Gemeindevertretung bleibt somit wie folgt: Von den 23 Sitzen erhalten Liberale 11, Jüdische Volkspartei 4, Konservative Partei 3', Mittelpartei 2, Wirtschaftsparlei des jüdischen Mittelstandes 2, Arbeitsgemeinschaft ostjüdischer Organisationen 1. Im Vorstand verbleiben: Liberale 6, Jüdische Volkspartei 2, Konservative Partei 2, Mittelpartei 1, Wirtschaftspartei des jüdischen Mittelstandes 1. Die Liberalen stellen den Vorsitzenden der Gemeindevertretung als auch den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes. Die wesentlichen weiteren Bedingungen des Kompromisses gehen zunächst dahin, daß während der Dauer dieses Kompromisses die bestehenden Gemeindeeinrichtungen, insbesondere diejenigen des Kultus, des Unterrichtes und des Ritualwesens, in bisheriger Weise aufrecht zu erhalten sind. Es ist Vorsorge getroffen, daß sowohl in Fragen der jüdischen Schule als auch bei Anträgen betr. Palästinaunterstützung den liberalen Wünschen entsprochen wird. Dr. Weizmann in Hamburg Hamburg, 1'3. Oktober. (JTA.) Bei einem großen, in Hamburg stattgefundenen Empfangsabend zu Ehren des früheren Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, sprach Dr. Weizmann über den augenblicklichen Stand des Palästinaproblems. Er schilderte die finanziellen und politischen Hindernisse, die sich dem Aufbauwerk besonders in den letzten sechs Monaten in den Weg gestellt haben und erklärte, daß all dies noch nicht das Recht geben dürfe, am Gesamtwerk zu verzweifeln. Indem man es begonnen habe, habe man sich eine moralische Verantwortung vor der Welt aufgeladen, die nicht von heute auf morgen abgetan werden könne. Dr. Weizmann zog dann Vergleiche zwischen den verschiedenen außerpalästinensischen jüdischen Kolonisationsversuchen und Palästina. Der neue Judentyp, den Palästina geschaffen hat, führte er aus, wird, selbst wenn die Zahl seiner Vertreter numerisch klein bleibt, von derartigem historischen Gewicht sein, daß unsere Generation die Schuld daran, ihn in seiner Entwicklung gehindert zu haben, vor der Geschichte nicht auf sich nehmen könne. Der Thüringische Landtag lehnt ein Schälchtgesetz ab Weimar, 13. Oktober. (JTA.) Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung der Herbstsession des thüringischen Landtags stand der von den Nationalsozialisten vor längerer Zeit eingebrachte Antrag, das Schächten nach jüdischem Ritus zu verbieten. Die nationalsozialistische Fraktion blieb der Sitzung zum Protest gegen die ihr angeblich ungünstige Platzzuweisung fern, sie verließ sich darauf, daß es den deutschnationalen Freunden gelingen werde, die Verschiebung des Schächtverbotgesetzes auf eine spätere Sitzung zu erreichen. Diese Bemühungen schlugen fehl. In Abwesenheit der Nationalsozialisten wurde das Schächtgeselz mit 21 Stimmen der Sozialisten, Kommunisten und Staatspartei gegen 16 Stimmen des Landbunds, der Deutschnationalen und der Wirtschaftspartei abgelehnt. Wieder Schächtverbotsantrag in Frankfurt Frankfurt a. M., 16. Oktober. (JTA.) Nachdem in den vergangenen Jahren wiederholt Schächtverbotsanträge in der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt worden waren, hat die Fraktion der Nationalsozialistischen Partei durch ihren Stadtverordneten Wolfram heute wieder folgenden Antrag gestellt: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, daß: 1. sofort durch eine eingehende Prüfung an Ort und Stelle unter Hinzuziehung hervorragender Sachverständiger ein Gutachten vorzubereiten ist mit dem Ziele des Schächtverbots; 2. der Stadtverordnetenversammlung alsbald eine entsprechende Vorlage zu unterbreiten ist. Antisemitischer Exzeß bei einer jüdischen Einsargung Frankfurt a. M., 14. Oktober. (JTA.) Vor kurzem wurde das Leichenauto der Israelitischen Gemeinde während einer im Ostend vorgenommenen Einsargung mit einem Hakenkreuz bemalt. Der diensttuende Bestattungsbeamte ertappte einen Jugendlichen bei der Arbeit und verabreichte ihm eine gehörige Tracht Prügel, wobei er von Gesinnungsgenossen des Täters bedroht wurde. Es entstand eine große Ansammlung, und bei der Abfahrt des Leichenautos wurden überaus rohe Zurufe laut. Der Rufer wurde festgestellt und dem Polizeirevier zugeführt. Strafanzeige ist erstattet. Die Wiener israelitische theologische Lehranstalt in Gefahr Wien, 16. Oktober. (JTA.) Die altehrwürdige und in der gesamten jüdischen Welt bekannte israelitische theologische Lehranstalt (Rabbinerseminar) in Wien ist zu Beginn des neuen Semesters nicht eröffnet worden, und es besteht für sie die Gefahr, daß sie infolge Geldmangels Überhaupt geschlossen bleibt. Wirtschaftsnot und Bevölkerungsrückgang der österreichischen Juden Wien, 16. Oktober. (JTA.) Dem statistischen Ausweis der Wiener Israelitschen Kultusgemeinde für die Monate Mai/August 1931 ist zu entnehmen, daß innerhalb dieser vier Monate 837' Sterbefälle und 246 Austritte aus dem Judentum gezählt wurden; dem stehen 383 Geburten und 85 Eintritte in das Judentum gegenüber. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien hat die Initiative zu einer großzügigen Winterhilfsaktion eingeleitet. Dr. M. T. Schnierer 70 Jahre Wien, 16. Oktober. (JTA.) Dr. M. T. Schnierer, erster und langjähriger Zionistischer Mitarbeiter Theodor Herzls, Begründer und erster Präses der ältesten akademisch-jüdischen Verbindung „Kadimah“, vollendete in diesen Tagen sein 70. Lebensjahr. Bombenanschlag auf einen rumänischen Zionistenführer Bukarest, 12. Oktober. (JTA.) Dem Bukarester Ingenieur Josef M. Gottlieb, einem führenden Mitglied der Zionistischen Organisation Rumäniens, ist eine Höllenmaschine in einem Paket zugesandt