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Das jüdische Echo · 1931-10-23 · 43 (23.10.1931) · p. Seite 588

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
43 (23.10.1931)
Date
1931-10-23
Page
Seite 588 (sequence 4)
Language
German
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588 Das Jüdische Echo Nr. 43 sie in Relation zu den in diesen Ländern lebenden Judenheiten bringt, so wird man von berechtigter Sorge erfüllt. Es scheint der Höhepunkt der Krise erreicht zu sein. Die Judenheiten in den genannten Ländern sind vielfach kaum noch imstande, ihr jüdisches Sonderdasein in kultureller und in anderen Hinsichten aufrechlzuerhalten. Ein Zersetzungs- und Abbröckelungsprozeß, wie ihn die Juden seit Jahrhunderten nicht mehr erlebt haben, macht sich breit. Die großen interterritorialen jüdischen Aktionen sind notleidend. Die Krönungsarbeit all dieser Betätigungen in Palästina schreitet nicht mehr in dem Maße vorwärts, wie man es herbeigesehnt und für durchführbar gehalten hat. Überall Krise, Rückschritt, Abbau. Die Grundlagen der jüdischen Existenz, die wirtschaftliche Lebensmöglichkeit sind erschüttert. Kein Mensch vermag zu sagen, was der nächste Tag bringen wird. Einig aber sind alle in der Überzeugung, daß vor uns Monate, wenn nicht Jahre schwerster Prüfung liegen. Was soll da geschehen? Was soll von jüdischer Seite aus unternommen werden? Tausende verantwortlicher Juden zerbrechen sich darüber die Köpfe. Keiner weiß Mittel und Wege, die aus dem beginnenden Chaos hinausführen können. In solchen Zeiten ist als Hauptfaktor der Wille notwendig: der Wille zum Leben. Denn wo ein Wille, dort wird sich auch ein Weg finden. Wenn der Wille vorhanden ist, wird er in jeder gegebenen Situation den Ausweg suchen und finden, der unter den betreffenden Umständen möglich und gangbar ist. Dieser Lebenswille jedoch muß auf Erfahrungen begründet sein, nämlich auf der Erfahrung, daß er unserer Gemeinschaft immanent ist. Es ist der Geist, der sich den Körper baut. Der Wille formt Welten um. In unserer mechanisierten Welt, in der die materialistische Geschichtsauffassung vorherrscht als eine Zeiterscheinung, die, wie Zeiterscheinungen zu allen Epochen, als ewige absolute Wahrheiten betrachtet wird, ist es gut, an die unwägbaren und unmeßbaren schöpferischen Kräfte zu erinnern, die im gleichen Maße geschichtsbildend sind wie die Bedingungen der Produktion und des Konsums. Eine menschliche Gemeinschaft ist ein Organismus; ein Organismus existiert nicht und entfaltet sich nicht nach mathematisch-logischen, sondern nach biologischen Gesetzen. Voraussetzung für Bestand und Entwicklung eines Organismus sind Lebenskraft und Gestaltungswille. In unserem Volke ist noch Lebenskraft vorhanden. Ein großer Teil unserer Generation hat den Willen, das Schicksal des jüdischen Volkes in die Hand zu nehmen und es neu zu gestalten. Darum vermögen auch die schwersten Prüfungen die Überzeugung eines echten Juden nicht zu erschüttern, daß die jüdische Gemeinschaft Stürme und Katastrophen lebenskräftig überdauern wird. m. w. Kampf um die Kalenderreform Genf, 14. Oktober. (JTA.) Am Montag, dem 12. Oktober, begann in Genf die vierte Konferenz für Verkehr und Transit, die als ersten Punkt der Tagesordnung die Reform des gregorianischen Kalenders und die Stabilisierung bisher labil gewesener Feiertage behandelt. Den Vorsitz führt der Portugiese Vasconcellos. Die Konferenz beschloß, den als Beobachter zugelassenen Vertretern der jüdischen Religionsgemeinschaft Gelegenheit zu geben, während der Sitzung der Konferenz das Wort zu ergreifen, um die von den Führern des Judentums und von den jüdischen Gemeinden unterbreiteten Memoranden, in denen gegen die Einführung eines Blankolages, wodurch die Kontinuität der Woche und die Stabilität des Sabbath aufgehoben werden, angekämpft wird, in freier Rede zu begründen. Als solche jüdischen Vertreter hatten sich in Genf der Vorsitzende des jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform, Chiefrabbi des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz, der Sekretär des Komitees Dr. Cecil Roth, die Vertreter der amerikanischen Liga zur Erhaltung der Stabilität des Sabbath Philip S. Henry, Dr. Elkan Adler und Dr. Arthur Levin, der holländische Oberrabbiner S. Lewenstein als Vertreter der aschkenasischen Gemeinden, Prof. Dr. J. L. Pallache als Vertreter der sephardischen Gemeinden, die Repräsentanten der Weltorganisation Agudas Jisroel Rabbiner Dr. Pinchas Kolm und Sally Guggenheim eingefunden. Jüdische weltliche Führer aus allen Teilen der Welt haben dem Völkerbund durch Vermittlung des Jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform ein Memorandum überreicht. Unterschrieben ist diese Petition u. a. von Cyrus Adler, Präsident des American Jewish Commitees; O. E. d’Avigdor Goldsmid, Vorsitzender des Council der Jewish Agency für Palästina; Ch. N. Bialik, Präsident des Verbandes der hebräischen Schriftsteller in Palästina; H. Farbstein; Herbert H. Lehmann, Gouverneur des Staates New York; Sylvain Levi, Präsident der Alliance Israelite Universelle; J. L. Magnes, Kanzler der Hebräischen Universität; Eelice Ravenna, Kommissar des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens; Edmond de Rothschild; Nahum Sokolow; Nathan M. T. Sondheimer, Frankfurt a. M.; Felix M. Warburg, New York; Oscar Wassermann, Berlin. Die Resolution der Jüdischen Gemeinden Der Grand Rabbin von Frankreich als der Präsident des Jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform und der Chief Rabbi des Britischen Reiches als der Vorsitzende der Exekutive des Komitees haben dem Vorsitzenden und den Mitgliedern der vierten allgemeinen Konferenz über Verkehr und Transit, die von den Jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbänden angenommene Resolution gegen die Einführung des Blankotages unterbreitet und in einem Begleitschreiben ausgefiihrl: Die Resolution lautet: Die Unterzeichnete jüdische Gemeinde erhebt nachdrücklichen Protest gegen jede Reform des Kalenders, die in der Einführung eines Blankotages oder mehrerer Blankotage besteht, weil dadurch, daß der Sabbath zu einem beweglichen Tage gemacht wird, Verwirrung in das jüdische religiöse Leben gebracht wird und schwere soziale und wirtschaftliche Benachteiligung für die überwältigende Mehrheit der Juden in der ganzen Welt sich ergibt. Resolutionen mit obigem oder gleichem Inhalt wurden in verschiedenen Sprachen von den jüdischen Gemeinden aus allen Ländern der Welt angenommen. Aus der Rede des Chief-Rabbi Hertz Weil das Jahr aus 52 Wochen pnd einem Tag besteht, wird geplant, den 365. Tag als einen Blankotag oder einen der letzten Jahreswoche anzufügenden achten Wochentag zu erklären. Eine solche Achttage-Woche würde aber die wirkliche Tagesfolge der Woche im darauffolgenden Jahre ändern: der Sonntag würde zum Montag, der Montag zum Dienstag werden usw. Wenn dann das Ende des Jahres eine neue Achttage-Woche bringt, werden die Tage des späteren Jahres wiederum verschoben werden. Eine der h olgen würde sein, daß der religiöse Sabbalh in jedem Jahre auf einen anderen Wochentag

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