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Das jüdische Echo · 1931-10-16 · 42 (16.10.1931) · p. Seite 580

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
42 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
Seite 580 (sequence 8)
Language
German
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580 Das Jüdische Echo Nr. 42 mittag fortgesetzt werden, da die Strafkammer am Sonnabend noch nicht Gelegenheit gehabt hat, den Ablehnungsantrag zu prüfen. Berlin, 13. Oktober. (JTA.) Die Strafkammer des Landgerichts III hat dem Antrag der Angeklagten Graf Helldorf und Ernst in dem sogenannten zweiten Kurfürstendammprozeß, den Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Schmitz und seinen Beisitzer Landgerichtsrat Thiemnan aus Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, stattgegeben. Der Schöffe Lothar Stark mußte abgelehnt werden, weil er selbst sich als Jude für befangen erklärt hat. 144 Juden in der Nacht auf die Straße gesetzt Czernowitz, 7. Oktober. (JTA.) Der Präfekt des Bezirks Storojinetz, Cherescu, ein Schwiegersohn des Ministerpräsidenten Jorga, hat ungeachtet des Protestes der gesamten Bukowinaer Judenheit 144 Juden in Wischnitz, die seit 10 Jahren dort in Holzbaracken wohnten, auf die Straße gesetzt. Im Auftrag des Präfekten erschien in der Nacht der von diesem in der fast reinjüdischen Stadt Wischnitz eingesetzte Bürgermeister Dr. Martinescu mit einem Trupp Polizisten und jagte die Barackeneinwohner, Männer, Frauen und Kinder, halbnackt auf die Straße. Nicht wiederzugebende Verzweiflungsszenen spielten sich ab. Die Evakuierung der Flüchtlinge geschah aus dem Grunde, weil der Stadtrat und Lehrer Popescu es nicht dulden wollte, daß arme Juden in der Nähe seiner Villa wohnen. Synagogenpogrom am Simchath Thora in Radom Warschau, 6. Oktober. (JTA.) In der Radomer Vorstadt Zamline überfiel eine mit Revolvern bewaffnete zwanzigköpfige Bande die Synagoge in der Dlugnastraße 29 am Tage der Festesfreude (Simchath Thora) gegen 12 Uhr mittags, als die Synagoge noch von betenden Männern und Frauen voll war, und veranstaltete einen regelrechten Pogrom. Die Bande teilte sich in zwei Gruppen, eine Gruppe drang in die Synagoge ein, die zweite Gruppe wartete vor dem Tore der Synagoge, um die etwa flüchtenden Juden abzufangen. Die in die Synagoge eingedrungenen Huligans schlugen auf die Betenden ein, wobei der Jude Gabriel Mandelbaum so schwer verletzt wurde, daß er für längere Zeit das Bewußtsein verlor. Es entstand eine ungeheure Panik, Frauen fielen in Ohnmacht, die jüngeren Personen unter den Andächtigen versuchten, die Huligans hinauszudrängen, jetzt aber gesellten sich die draußen stehenden Huligans zu ihren Kameraden. Fast alle Betenden wurden brutal mißhandelt, die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge wurde demoliert, alle Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Plötzlich zogen die Huligans Revolver und begannen, auf die Andächtigen zu schießen. Einem 18jährigen Synagogenbesucher wurden beide Arme von Kugeln durchlöchert, einige andere Andächtige wurden von Kugeln getroffen und mehr oder weniger schwer verletzt. Einer der Andächtigen, Meir Friedmann, der von ihnen verhaftet worden war, schlug einem schießenden Huligan den Revolver aus der Hand. Die mehrmals alarmierte Polizei traf erst eine Stunde nach Beginn des Pogroms am Tatort ein, verhaftete drei Huligans und stellte fest, daß ein Soldat des in Radom stationierten 72. Infanterieregiments sich an dem Pogrom führend beteiligte. Die Judenschaft der Vorstadt Zamline lebt in schwerer Panik. Die Führer deT jüdischen Gemeinde haben sich bis jetzt vergebens bemüht, den unschuldig verhafteten .Meir Friedmann freizubekommen. Aufforderung zu Judenpogromen in Rumänien Bukarest, 9. Oktober. (JTA.) Die in Konstanza erscheinende Zeitung „Strelucitorul“ fordert die rumänische Bevölkerung unverhüllt zu Judenpogromen auf. In dem Artikel heißt es, für die Lösung der Judenfrage in Rumänien sei die Art, wie die Türken mit den Armeniern fertig geworden seien, ein Vorbild. Zeiten, in denen die meisten Juden in den Synagogen versammelt sind, wie etwa Pessach oder Purim, böten die beste Gelegenheit, mit den Juden abzurechnen. Sokolow und Bgodetsky im Kolonialamt London, 11. Oktober. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow und das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. S. Brodetsky hatten im Kolonialamt eine Besprechung mit Herrn Parkinson -vom Middle East Department und Herrn Williams, die etwa zwei Stunden dauerte und in welcher mehrere wichtige Fragen Palästinas erörtert wurden. Nahum Sokolow hatte auch eine längere Unterredung mit dem gegenwärtig in London weilenden General Smuts über zionistische Fragen. Vor der Wiedereröffnung der Jewish Agency- Schulen Jerusalem, 13. Oktober. (JTA.) In Tel-Awiw begann heute eine von der Exekutive der Jewish Agency und dem Waad Leumi einberufene Konferenz, die sich mit der Lage des hebräischen Schulwesens der Jewish Agency im Zusammenhang mit der erfolgten Kürzung des Unterrichtsbudgets um 20 000 Pfund zu befassen hat. Der Beratung wohnen die Mitglieder des Waad Leumi, die in Palästina wohnhaften Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees, Vertreter des Stadtrats von Tel- Awiw, der Lehrervereinigung und der Landwirte- Organisation bei. Am Sonntag, den 11. Oktober, haben die Lehrer der Jerusalemer Schulen beschlossen, ungeachtet der erfolgten Budgetkürzung am Montag, den 12. Oktober, die Schulen wieder zu eröffnen. Jüdische Einwanderung nach Amerika Washington, 1. Oktober. (JTA.) Laut Mitteilung des Einwanderungskommissars Hüll sind im Verlauf des Finanzjahres 1. Juli 1930 bis 30. Juni 1931 5 692 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert und 319 Juden aus den Vereinigten Staaten ausgewandert. Neuyork, 1. Oktober. (JTA.) Die jüdische Einwandererschutz- und Hilfsgesellschaft Hias in Neuyork veröffentlicht soeben Wänderstatistiken, aus denen hervorgeht, daß seitdem die Vereinigten Staaten ihre Tore für neue Einwanderer geschlossen haben, die südamerikanischen Länder die Hauptmasse der jüdischen Wanderer aufgenommen haben. In den letzten drei Jahren wanderten nach Argentinien 26 187 Juden ein, von denen die meisten aus Polen stammen. In der gleichen Zeit ließen sich etwa 50 000 jüdische Wanderer in anderen süd- und mittelamerikanischen Ländern, wie Brasilien, Chile, Uruguay und Kuba, nieder. Jüdische Einwanderung nach Brasilien Paris, 1. Oktober. (JTA.) Wie die Direktion von „Hias-Ica-Emigdirekt“ mitteilt, ist es dem Vertreter der Ica in Rio-de-Janeiro gelungen, ausnahmsweise Einreiseerlaubnisse für Emigranten, die in Brasilien Verwandte haben, zu bekommen. Gleichzeitig wird aus Rio mitgeteilt, daß das Immigrationsamt beim Ministerium des Äußern dem Komitee „Hicem“ eine Meldung zugehen ließ, laut welcher von nun ab das erwähnte Amt keinerlei unentgeltliche Schiffssowohl wie Eisenbahnkarten für die Weiterreise aus Rio-de-Janeiro in das Innere des Landes den Emigranten gewähren wird-

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