Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 42 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- Seite 581 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 581 Die Direktion von Hias-Ica-Emigdirect ermahnt alle jüdischen Emigranten, die sich nach Brasilien begeben, sich noch vor der Abreise nach Übersee nicht nur mit einer Schiffskarte, sondern auch mit der nötigen Summe für die Reise bis zum Bestimmungsort zu versehen. Zunahme der Zahl der unterstützungsbedürftigen jüdischen Familien in Amerika um 44 Prozent Neuyork, 6. Oktober. (JTA.) Wie von dem Büro für jüdische soziale Forschung mitgeteilt wird, hat die Zahl derjenigen jüdischen Familien in den Vereinigten Staaten, die sich infolge der Wirtschaftsdepression gezwungen sahen, von jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen Unterstützung zu verlangen, sehr stark zugenommen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1931 haben jüdische Wohlfahrtsinstitutionen 1 432 897 Dollar, gegen 1 028 894 Dollar in der gleichen Periode des Jahres 1930, für Unterstützungen ausgegeben. Die Summe der Unterstützungen hat sich also um 39,3% erhöht, während die Zahl der unterstützten Familien um 43,8% zugenommen hat. Auch die Zahl der von jüdischen Institutionen betreuten Kinder mittelloser Eltern nimmt fortwährend zu. Georg Gidalewitsch Georg Gidalewitsch war ein Einzelgänger. Er war es, weil er sein Leben ganz auf sich selbst gestellt hatte. Bindungen aller Art wurden ihm lästig; er schüttelte sie immer von sich ab, um sich neuen Zielen und Dingen zuzuwenden. Und doch war dieser Suchende, der unstet schien und wandelbar, treu und opferbereit. Er begann Vieles und leistete auf jedem Gebiet Ausgezeichnetes; er war ein vorbildlicher Führer in der Jugendbe- W'egungj er war ein zu Höchstleistungen befähigter Sportsmann, er war ein kenntnisreicher Journalist. Als hervorragender und spürsinniger Photograph hatte er _sich einen Namen gemacht, er hatte das Zeug auch zu einem Wissenschaftler (er studierte Biologie) und er war doch wohl ein Künstler, sicher ein sensibler und zartfühlender Mensch. Von immer freundlicher Bescheidenheit war er zugleich stolz und selbstbewußt. Was ■dieser Dreiundzwanzigjährige an Leistungen aufzuweisen hatte, war gewiß nicht gering; größer, viel größer waren die Hoffnungen, die man auf ihn setzen durfte. Er hatte sich noch nicht gefunden, er machte noch mit sich Experimente, er wich von der geraden Linie nach rechts und links ab. Zur zionistischen Bewegung, die ihn erzogen hatte, kehrte er, soweit er sich manchmal entfernt zu haben schien, immer wieder zurück; er spürte eine immerwährende Verpflichtung ihr zu dienen. Und wir wußten es: noch sammelte er in seine Scheuern, aber er hätte sich seinen Platz in ihr und der jüdischen Gemeinschaft gesucht, er hätte uns Vieles zu geben gehabt; er wäre ein Führer geworden. Georg Gidalewitsch durfte sich nicht vollenden; er ist das Opfer eines schrecklichen sinnlosen Unglücks geworden. Am letzten Freitag haben wir ihn bestattet. Er war ein Einsamer, noch ein Einsamer, noch ein Verschlossener. Aber Viele haben ihn geliebt und Viele trauern um ihn. Ignaz Emrich Gemeinden-und Vereins-Echo Die dringendste Aufgabe Zu dem in unserer letzten Nummer wiedergegebenen Brief, schreibt unser Berichterstatter: „Herr Dr. Werner Cahnmann fühlt sich in meinem Bericht über den Vortragsabend von Ministerialrat Hans Goslar mißverstanden. Er kann jedoch nicht bestreiten, daß die.in diesem Bericht aus der Diskussion erwähnten Äußerungen durchaus richtig wiedervegeben sind. Tatsache bleibt, daß 1. Herr Dr. Cahnmann ,in der Verteidigung der Errungenschaften der Emanzipation die dringendste (nicht dringende, wie Herr Dr. Cahnmann zitiert!) Aufgabe der deutschen Juden in dieser Krisenzeif sieht und daß 2. Herr Justizrat Straus ihm und dem C.V. vor allem mit dem Vorwurf einer rückwärtsgerichteten Betrachtungsweise entgegentrat. Es bleibt also nur der Vorwurf der Unvollständigkeit in der Berichterstattung (nämlich daß unterlassen wurde, die selbstverständlichen Tatsachen zu erwähnen, daß einerseits auch Herr Dr. Cahnmann eine Verinnerlichung des jüdischen Lebens nicht ausschließen will und daß andererseits auch die zionistischen Vertreter die Abwehrarbeit für notwendig halten). Nun ist es aber dem Berichterstatter einer solchen Veranstaltung naturgemäß unmöglich, die Diskussionsreden mit der gleichen Ausführlichkeit wiederzugeben wie das Hauptreferat, und es ist sein gutes Recht, diejenigen Äußerungen herauszugreifen, die ihm am wesentlichsten erscheinen. Daß er dabei die gegensätzlichen Standpunkte hervorheben wird, ist nur selbstverständlich. Zu verlangen ist lediglich, daß diese richtig wiedergegeben werden. Nachdem dies aber in dem in Frage stehenden Bericht durchaus geschehen ist, lag zu einer .Berichtigung4 keinerlei Grund vor. Ottmar Blum.“ Wir schließen damit die Diskussion. D. Red. Arbeitsgemeinschaft „Jüdischer Pfadfinderbund in Deutschland“ (I. P. D.) und „Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands“. In diesem Frühjahr trafen sich in Leipzig eine große Reihe von verantwortlichen Führern jüdischer Pfadfinderformationen, die sieh dort zum jüdischen Pfadfinderbund in Deutschland (I. P. D.) zusammenschlossen. Der I, P. D. ist ein jüdischer Scoutbund. Im Bewußtsein seiner Verantwortung für das jüdische Volk sieht er als sein Erziehungsziel den Zophe, den jüdischen Scout, der verantwortungsbewußt und veranlworlungsbereit sich für die Aufgaben seines Volkes einsetzt. Erziehungsweg ist die durch Gesetz und Verpflichtung fundierte Scouterziehung, die unter stärkster Betonung der jüdischen Eigenart die Ideen der Weltpfadfinderbewegung in sich schließt. Als Erziehungsbund unpolitisch und überparteilich will der I. P. D. durch seinen Weg seine älteren Menschen dazu befähigen, sich in freier Entscheidung Klarheit über ihre weltanschauliche und politische Haltung zu verschaffen. — Eine Delegation des I. P. D. nahm an dem in Colleville s/Ome stattfindenden Lager sämtlicher jüdischer Pfadfinder der Welt teil. Nach Schaffung der Weltunion der jüdischen Pfadfinder wurde ihm die Leitung des mitteleuropäischen Büros übertragen. Die seit drei Jahren bestehenden Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine sind in ihrer Arbeit zu der Überzeugung gekommen, daß als einziges Erziehungsziel und als einziger Erziehungsweg für die jüdische Jugend in Deutschland heute nur noch Zophiuth in Frage kommen. Auf dem Bundestag des Bundes der Junggruppen in Sorge (Thüringen) schlossen die Bundesleitungen der beiden Bünde, ausgehend von der Zersplitterung der jüdischen Jugend Deutschlands und von dem Wunsche beseelt, der jüdischen Jugend den Weg zu einer Zusammenfassung aller ihrer Kräfte in einem großen jüdischen Pfadfinderbund zu weisen, eine Arbeitsgemeinschaft