Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 42 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- Seite 577 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 577 die in den Händen einer vornehmlich jüdischen Gesellschaft liegt, zu großen Hoffnungen. Durch den Ausbau des Hafens von Haifa, der Eisenbahnen und der Flugverbindungen ist Palästina zum natürlichen Verkehrszentrum des ganzem Vorderen Orients geworden. Weizmann schloß mit der Bemerkung, daß die Arbeit in Palästina auf der Grundlage von Gerechtigkeit und sozialem Gefühl, von „Joscher“ und „Zedek“ ruht Dieses Werk muß wachsen. Man Wird uns alle danach beurteilen, wie weit wir imstande sind, es weiterzuführen. Mein Glaube ist, daß das Werk nie untergehen wird. Vielleicht wird aus Palästina, das schon so viele Lehren der Welt gegeben hat, die neue Lehre kommen: wie man sich in Frieden und Arbeit verträgt. Palästina ist das Land, wo der erste Friedenskünder, Jesajah, gewirkt hat. (Langanhaltender Beifall.) Herr Kurt Blumenfeld, Präsident der Z.V.f.D., gab der großen Freude Ausdruck, daß der stärkste Repräsentant des Palästina-Gedankens sich in den Dienst der Keren Hajessod-Arbeit gestellt hat. Man darf keine Pause in dem Aufbauwerke eintreten lassen, der Kampf an zwei Fronten — die Schlacht der Arbeit in Palästina und die Werbearbeit unter den Juden in der ganzen Welt — müsse fortgesetzt werden. Blumenfeld gab einen historischen Rückblick auf die innere Entwicklung im Judentum, seitdem es zu Beginn der Emanzipation im Jahre 1789 den ersten Schritt iin die europäische Welt getan hat. Es wurde der Versuch gemacht, Palästina aus dem jüdischen Bewußtsein zu verdrängen. Das mißlang. Wir fügten Erez Israel wieder in das jüdische Leben •ein. Wir stehen heute neuen furchtbaren Mächten gegenüber, aber wir bleiben bei all dem besonnen und unerschüttert. Keine andere Idee als die des Zionismus wird die Judenfrage im jüdischen Sinne lösen. Das hat die französische Revolution nicht getan, auch nicht der Liberalismus und das tut auch jetzt nicht der Sozialismus und der Kommunismus. In Palästina schaffen wir die neue Wirklichkeit, die das Judentum braucht. Und das gibt uns die Kraft, auch in dieser schweren Zeit an das Judentum zu appellieren. Der Keren Hajessod verlangt Ihre Hilfe, damit Palästina lebt, damit das jüdische Volk lebt. Mit einer halb tiefgründigen, halb launigen Ansprache von Dr. Schmar ja Levin, der die Zuhörerschaft wiederholt zu begeistertem Beifall hiinriß, schloß die Kundgebung. Weizmann-Empfäinge in Berlin Berlin, 13. Oktober. (JTA.) Anläßlich der Anwesenheit von Dr. Chaim Weizmann veranstaltete Herr Leo Simon, Mitglied des Administrative Commiittee der Jewish Agency, einen Empfang in seinem Hause, an dem u. a. teilnahmen: Ministerialdirektor Dr. Dieckhoff, Ministerialdirektor Dr. Ruppel, Prof. Franz Oppenheimer, Ministerialdirigent Geheimrat Dr. Curt Prüfer, Vortr.( Legationsrat Geheimrat Dr. Reinebeck, Legationsrat Dr. Grobba, Legationssekretär Dr. Kordt, die Herren Berthold Israel, Willy Dreyfus, Dr. Bernhard Kahn, Kurt Blumenfeld, Dr. Arthur Hantke, Dr. Schmarja Levin u. a. m. Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, gab einen Empfangsabend zu Ehren Dr. Weizmanns, an dem etwa 80 Zionisten aus Berlin und dem Reich teilnahmen. Ein weiterer Abend zu Ehren Dr. Weizmanns fand in einem engen Freundeskreis im Hause des Herrn Rudolf Hahn statt. Berliner jüdische Wohlfahrtspflege Berlin, 8. Oktober. (JTA.) Die öffentliche Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin am Mittwoch, dem 7. Oktober, war auf Vorschlag des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Stern, unter Zustimmung aller Fraktionen ausschließlich der Aussprache über das Wohlfahrtswesen der Gemeinde gewidmet; alle anderen auf der Tagesordnung stehenden Punkte wurden für spätere Sitzungen zurückgestellt. Die öffentliche Sitzung begann in später Abendstunde, da ihr eine vertrauliche Sitzung vorausging, die in der Hauptsache der Wahl eines Verwaltungsdirektors der Gemeinde gewidmet war. Diese Sitzung nahm einen bewegten Verlauf, da die Fraktion der Jüdischen Volkspartei dem Antrag der Liberalen, Herrn Dr. Walter Breslauer zum Verwaltungsdirektor der Gemeinde zu wählen, nicht so sehr aus persönlichen, als vielmehr aus prinzipiellen und finanztechnischen Gründen opponierte. Schließlich wurde Dr. Walter Breslauer bei namentlicher Abstimmung mit 21 gegen 15 Stimmen bei zwei Stimmenenthaltungen zum Verwaltungsdirektor für eine Probezeit von, 6 Monaten, bei Bewährung auf Lebenszeit, gewählt. Der neue Verwaltungsdirektor, Dr. Walter Breslauer, ist seit Jahren im jüdischen öffentlichen Leben tätig. Er ist Vorsitzender der liberalen Fraktion in der Landesversammlung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Der Vorsitzende verliest die folgenden Anträge bzw. Anfragen betreffend das Wohlfahrtswesen: a) Antrag der Religiösen Mittelpartei (gez. Dr. Alfred Wiener): Die Not und Arbeitslosigkeit unter den Berliner Juden sind ständig im Wachsen. Dem Winter sieht man allgemein mit größter Besorgnis entgegen. Um Repräsentanten und Öffentlichkeit zu unterrichten, ist es daher dringend erforderlich, daß so schnell wie möglich in einer Sondersitzung der Repräsentanten der Gemeindevorstand einen ausführlichen Bericht über die Notlage unter den Berliner Juden, die geleistete und geplante Hilfsarbeit erstatten läßt. Dabei muß das Ziel sein, die Kräfte derer, die noch Einkommen und Verdienst haben, in ganz anderem Ausmaß als bisher, für den Notwinter 1931/32 rechtzeitig mobil machen. b) Anfrage Bruno Woydas: Welche Maßnahmen plant das Wohlfahrtsamt für den kommenden Winter im Hinblick auf die besondere Not? c) Dringliche Anfrage der Fraktion der Jüdischen Volkspartei (gez. Dr. Klee, Hornstein, Philipp Grünbaum, Dr. Oskar Cohn): In welcher Art und in welchem Umfange beabsichtigt der Gemeindevorstand Vorkehrungen zu treffen, um dem dringenden Bedürfnissen der notleidenden jüdischen Bevölkerung an Kleidung, Ernährung und Feuerung im kommenden Winter zu genügen. Sind Maßnahmen vorbereitet, um den Erwerbslosen, insbesondere den Jugendlichen, Gelegenheit zu würdiger Unterhaltung und zur Teilnahme an belehrenden Veranstaltungen zu bieten? Nimmt der Vorstand in Aussicht hierfür auch Synagogen und ihre Nebenräume zu benutzen? d) Antrag der Liberalen Fraktion (gez. Dr. Fleischer): Wir ersuchen den Gemeindevorstand, baldmöglichst Maßnahmen vorzubereiten und entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Not der erwerbslosen Jugendlichen im kommenden Winter zu mildern. Unter gespannter Aufmerksamkeit der Reprä-