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Das jüdische Echo · 1931-10-16 · 42 (16.10.1931) · p. Seite 576

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
42 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
Seite 576 (sequence 4)
Language
German
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576 Das Jüdische Echo Nr. 421 tturchgemacht haben, ihre Volkskontinuität erhalten, wir Juden aber werden in solchen Prozessen dezimiert, atomisiert. Aber entgegen jener pessimistischen Anschauung, wonach das Judentum untergeht, ist festzustellen, daß im Judentum starke Kräfte vorhanden sind, die Substanz zu konservieren. Diese Kräfte konzentrieren sich um die Palästina-Bewegung. Das Judentum verarmt, die amerikanischen Juden, die in den letzten 15 Jahren die jüdische Not überall in der Welt lindern konnten, zeigen sich heute dazu nicht mehr imstande. Und gerade in dieser Zeit der Not fühlen die Juden in allen Ländern, daß in Palästina trotz der Kleinheit des Landes, trotz der Araber, die größte Sicherheit vorhanden ist. Die moralische Struktur der palästinensischen Judenheit ist gefestigter als. in allen Judentümern der Welt. Denn hier fügt sich der Jude nicht einer fremden Zivilisation ein, hier schafft er selbst Zivilisation. Darum beschäftigen sich mit diesem kleinen Palästina der Völkerbund und die Nationen der Welt, darum wurde über Palästina eine größere Fläche Papier beschrieben, als das Land groß ist. Aber gibt Palästina mit seinen 170 000 Juden eine Antwort auf die materielle und seelische Not der jüdischen Jugend? Das heutige Palästina kann eine solche Antwort noch nicht geben, aber die Antwort wird gegeben, indem weiter gebaut wird. Und wir müssen weiter bauen, unabhängig von Zahl oder sogar politischer Form. Es ist unsinnig, sich schon jetzt auf eine politische Form festzule- .‘gen, wo wir doch für Generationen schaffen, die nach uns kommen. Wenn wir unsere Gemeinschaft in Palästina weiter entwickeln, so öffnen wir eine Tür zu großen Möglichkeiten im Orient. Wir bauen unser Gemeinwesen nicht auf der Knechtung anderer auf; das wäre eine Verleugnung unserer Geschichte. Wir schaffen den Frieden der Arbeit in diesem Winkel der Erde, und 'die 'heutigen 170 000 Juden Palästinas werden die 'Tür öffnen für Millionen. Darum ist der Ghaluz in Palästina heute der Führer der Gesellschaft. Hier ■entstehen Ewigkeitswerte, wo alles andere in der Welt wankt. Ich freue mich, schloß Weizmann, •daß in dieser Versammlung so viel Jugend vorhanden ist, diese Jugend wird ein schöneres und leichteres Leben haben als wir Älteren. Die Ansprache Dr. Weizmanns wurde mit großem Enthusiasmus aufgenommen. Kurt Blumenfeld erinnerte in seinem Schlußwort die Zionisten an die Pflicht der Arbeit zwischen den Kongressen und wies auf das Beispiel Weizmanns hin, der im schönsten Sinne ein Diener der Idee ist. In dieser schweren Zeit darf man sich nicht den Luxus gestatten, neben der Bewegung einherzugehen, Arbeit für die Gesamtorganisation ist Pflicht. In der kommenden Winterarbeit müsse sich unsere Kraft aufs neue offenbaren. Es lebe die zionistische Bewegung. (Begeisterter Beifall, die Versammlung stimmt die „Hatikwah“ an.) Die Weizmann-Begrüßung der Jewish Agency bei Kroll Am Sonntag, dem 11. Oktober, abends veranstalteten die deutschen Mitglieder der Jewish Agency einen Begrüßungsabemd zu Ehren von Dr. Chaim Weizmann lim großen Saal bei Kroll, der von Zionisten und Anhängern der Jewish Agency voll besetzt war. Den Vorsitz führte in Abwesenheit des Herrn Direktors Oscar Wassermann, der ein herzliches Begrüßungstelegramm an Weizmann gesandt hatte, Rabbiner Dr. Leo Baeck. Von den Führern der Jewish Agency in Deutschland sah man auf; der Estrade diie Herren Leo Simon i und Stadtkämmerer Bruno Asch. Dr. Baeck sprach einen Willkommgruß am Dr. Weizmann, der dem Platze, auf den er einmal gestellt war, über sein Ausscheiden hinaus Bedeutung verlieh. Weizmann gehört zu jenen Persönlichkeiten, die, um Führer zu sein, nicht erst gewählt zu werden brauchen. Wir leben in einer Zeit der Krisis. Krisis bedeutet: sich Rechenschaft geben. Krisis zwingt uns, wach zu sein. Aber Krisis soll uns nicht zu Pessimisten machen. Pessimismus schafft Verärgerte und Treulose. Wir aber wollen für jeden Treulosen zwei Treue finden. Stadtkämmerer Bruno Asch führte ungefähr aus: Wenn ich in meinem Amtszimmer irm Berliner Rathaus sitze und mich mit den schwierigsten Finanzproblemen herumschlage, sor denke; ich an meinen’ Freund Werner Senator, der es in Palästina noch viel schwerer hat, d& er eim Werk durchzuführen hat, das nicht auf der Grundlage der Steuerpflicht sondern auf Opferwilligkeit: ruht. Alle müssen wir dieses auf die Bedürfnisseder Bevölkerung abgestimmte Werk, ein Werk: der Planwirtschaft, fördern, es weitertreiben. Wirmüssen die Grundlagen des Aufbaus in Palästina: erhalten, dessen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gestaltungen abhängig sind von dem Opfern, die das Judentum zu bringen: bereit ist:. Dr. Arthur H a n t k e gibt ein Bild von dfcr wirtschaftlichen Lage und den Aussichten in Pa* lästina. Es gibt zwar auch dort eine gewisse Arbeitslosigkeit, aber es gibt keine Entlassungen: bei der Industrie, es wird weitergebaut. Der Jude: in Palästina hat das Gefühl, hier auf festenr Bodden zu bauen. Zum 12. Mal tritt in diesem Jhhre der Keren Hajessod mit seinem Appell, eine Grundlage für das Nationalheim, schaffen zu> helfen, vor das Judentum. Hantke schilderte die. Leistungen von Keren Hajessod und1 Keren Kaiemeth und gab seiner großen Freude Ausdruck, daß' Dr. Weizmann nun die geistige Führung in der Werbearbeit des Keren Hajessod hat, einer Institution, die aus dem jüdischen Leben nicht mehr; wegzudenken ist. D r. Chaim Weizmann, von langanhaltendem Beifall begrüßt, gab eine Schilderung der gegenwärtigen Situation in der Welt, wo, durch die Zuspitzung der Krisenzustande das Leben der Juden sehr erschwert wird’.. Wenn es bisher den Juden in einem Lande gut, im anderen Landeschlecht ging, so geht es ihnen heute überall1 schlecht Es gibt nur Länder, in denen die JucSen nicht leben können, und Länder, in die man sienicht hereinläßt. Einziger Ausweg ist der Aulbau der völkerrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Dieses Aufbauwerk hat heute schon eine materielle, ideelle und moralische Bedeutung, die über das Judentum hinaus wirkt. In Palästina wächst ein neues Geschlecht von Juden heran, die durch das Gefühl, auf eigenem Boden zu stehen und durch die Verbindung mit der Landarbeit schöpferische Kräfte entfalten können. In den zehn Jahren praktischer Arbeit sind wach Palästina 100 000 Juden neu eingewandert Durch das nach Palästina geströmte Kapital und die Arbeit der Einwanderer wurden die produktiven Kräfte des Landes und seine Fassungskraft vervielfacht. 100 neue Dörfer und eine Reihe moderner jüdischer Stadtviertel sind entstanden. Besonderen Aufschwung nahm der Orangenbau; eine Reihe von gut prosperierenden mittleren Industrien wurden gegründet, und in letzter Zeit berechtigt die Kali- und Bromgewinnung aus dem Toten Meer,

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