Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 41 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- Seite 568 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Das Jüdische Echo Nr. 41 gegen die Kurfiirstendamm-Nazis auf die Dauer von drei Woehen verboten. Der Prozeß gegen Graf Helldorf vertagt Berlin, 29. September. (JTA.) Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ist der für heule, Dienstag, den 29. September, angeselzt gewesene Prozeß gegen den Oberführer der Berliner SA, Grafen Helldorf, und seinen Stabschef Ernst vertagt worden. Bei der unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmilz staltgefundenen Besprechung wurde beschlossen, den Prozeß in das ordentliche Verfahren überzuleiten und die Verhandlung vor dem Schöffengericht Charlottenburg auf den 8. Oktober feslzuselzen. Die Bluttat von Preußisch-Holland vor Gericht. — Mildes Urteil, aber Relegierung aus sämtlichen höheren Lehranstalten Ostpreußens B e r 1 i n, 27. September. (JTA.) In Preußisch- Holland (Ostpreußen) wurde am 17. März, wie gemeldet, der kaufmännische Lehrling Knopp, Sohn eines erwerbslosen jüdischen Arbeiters, von dem Realschüler Fritz Sprigath durch Messerstiche in die Herz- und Lungengegend schwer verletzt. Sprigath hat schon früher wiederholt jüdische Staatsbürger schwer belästigt. Er wurde nun von dem Jugendgericht zu sechs Wochen Gefängnis unter Zubilligung von Bewährungsfrist verurteilt. Ein zweiter Angeklagter, Mendelstedt, wurde von der Anklage der Mittäterschaft freigesprochen. Dieses milde Urteil ist mehr als eigenartig. Der nationalsozialistische Überfall auf das Lager der Brith Haolim bei Kassel vor Gericht K a s s e 1 , 29. September. (JTA.) Vor dem Schöffengericht in Kassel fand der Prozeß gegen mehrere Schüler der Kolonialschule in Witzenhausen statt, die in der Nacht vom 4. zum 5. August 1 SB 1 das Lager des Brith Haolim (Jungjüdischer Wanderbund) in Wendershausen hei Kassel überfallen hatten. — Vom 2.—5. August fand im Dorfe Wendershausen bei Kassel der diesjährige Bundestag des Brith Haolim unter Beteiligung von 460 Mitgliedern aus ganz Deutschland statt. Ein Teil der Delegierten übernachtete in einer Scheune bei -Wendershausen. Eine größere Gruppe nationalsozialistisch gesinnter Schüler der Kolonialschule des benachbarten Witzenhausen in der Stärke von etwa 40 Mann, die auf dem Rückweg von einer nationalsozialistischen Versammlung waren, versuchte in der erwähnten Nacht in die Scheune einzudringen. Der Überfall konnte -jedoch von Mitgliedern des Brith Haolim noch vor Eintreffen der Polizei erfolgreich abgewehrl werden. Das Kasseler Schöffengericht hat von den 14 Schülern der Kolonialschule einen Teil frei, andere zu Strafen von 2—4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der allgemeine Rabbinerverband hält seine diesjährige Hauptversammlung nicht ab B v r 1 i n , 5. Oktober. (JTA.) Der allgemeine Rabbinerverband in Deutschland wird, wie der Jüdischen Tclegraphen-Agentur milgeteilt wird, seine für die letzte Dezemberwoche bereits festgesetzte Hauptversammlung der Zeit Verhältnisse wegen nicht ibhalten und hat die Sitzung auf vorläufig unbestimmte Zeit verschoben. Hakenkreuzler schänden eine Synagoge in Baden (Schweiz) Zürich, 4. Oktober. (JTA.) Das „Badener Tagblatt“ berichtet: „Unzulässig ist das Treiben der Hakenkreuzler, die am hohen Feiertag unserer Israeliten, am Langen Jag, der von Sonntag Abend bis Montag Abend dauert, die Synagoge mit ihren asiatischen Zeichen versehen haben. Holienllich gelingt es, die Urheber dieser Niedertracht ausfindig zu machen. Handelt es sich um Ausländer, so sind sie gemäß der Bundesverfassung auf Nimmerwiedersehen zu spedieren.“ Schwere Hakenkreuzlerische Provokation an der Wiener Universität — Intervention der israelitischen Kultusgemeinde W i e n , 4. Oktober. (JTA.) Gleichzeitig mit den am 2. Oktober begonnenen Inskriptionen an der Wiener Universtiät begannen auch die antisemitischen Provokationen der hakenkreuzlerischen Studenten. Die Hakenkreuzler stellten in ihrem Anschlagkaslen im Universilätsgebäude eine Illustration des Eisenbahnunglücks Bia-Torbagy aus und setzten darunter einen Text, in welchem die Behauptung der ungarischen Antisemiten und des Hitlerorgans „Völkischer Beobachter“ in München wiederholt wird, wonach das Attentat von Juden am jüdischen Neujahrsabend durchgeführt wurde, um Juden, die an ihren Feiertagen nicht reisen, vor Schaden zu bewahren. Der Vorstand der Israelitischen Kullusgemeinde Wien intervenierte bei den zuständigen Stellen und forderte die Entfernung des provokatorischen Plakats und des Textes aus dem Universilätsgebäude. Die Intervention halte Erfolg. In jüdischen und fortschrittlichen Kreisen herrscht Empörung darüber, daß das Rektorat die Provokation geduldet hat und daß es erst eines Eingreifens der Kultusgemeinde bedurfte, damit das Hetzplakat entfernt werde. Hitlers koschere Schwester Wien, 27. September. (JTA.) Sehr viel Aufsehen erregte vor einigen Tagen der in Hitlers Münchener Wohnung geschehene Selbstmord einer Nichte Adolf Hitlers. Tochter seiner in Wien lebenden Stiefschwester Frau Raubal. Die Bestattung fand in Wien im Beisein Adolf Hitlers statt. Es hieß, daß das Mädchen aus Enttäuschung über das Benehmen Hitlers ihr gegenüber den Tod gesucht hat. Jetzt stellt es sich heraus, daß Frau Raubal, die Stiefschwester Hitlers, früher mehrere Jahre lang Leiterin der Küche der jüdischen Mensa Academica in Wien gewesen war und das christliche Küchenpersonal strengstens beaufsichtigte, daß nur ja keine Kaschruth-Vorschrift übertreten wird. Als später Hitlers Name als eines Führers des deutschen internationalen Antisemitismus bekannt geworden ist, verstand sie es, ihre Verwandtschaft mit Hitler zu verheimlichen. Erst im Vorjahre, als Adolf Hitler über reichliche geldliche Mittel zu verfügen begann, verließ Frau Raubal den Dienst in der jüdischen Mensa und lebte von Unterstützungen Adolf Hitlers, der ihre Tochter, Frl. Raubal, die jetzt durch Selbstmord geendet hat, in sein Münchner Haus aufnahm und sie Musik studieren ließ. Makkabiah-Konferenz In Prag Prag, 28. September. (JTA.) Vom 25. bis 27. September tagte in Prag eine Konferenz des Makkabi-Weltverbandes, die der Vorbereitung der Makkabiah in Palästina und in den Diasporaländern gewidmet war. Dr. Ascher (Berlin) erstattete ein detailliertes Referat über Transportfragen im Zusammenhang mit der Makkabiah, über Abfahrtszeiten, Verschiffungshäfen, Aufenthalt im Lande, Verpflegung und Besichtigungen, Er berichtete, daß aus den europäischen Ländern bereits mehr als 2000 Anmeldungen vorliegen. Der Weltverband Makkabi richtet in einem von der Konferenz erlassenen Appell einen Aufruf an