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Das jüdische Echo · 1931-10-09 · 41 (9.10.1931) · p. Seite 567

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
41 (9.10.1931)
Date
1931-10-09
Page
Seite 567 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 567 Landent wieklungsplan gefällt vielen arabischen Führen nicht, die sich von dem Plan eine Besserung der Gesamtlage des Arahertums Palästinas versprechen. Auch die Beamten des Mufti lehnen sich gegen dessen Diktatur auf, und sogar der als Mufti-Freund bekannte Auni Bey Abdul Adi hat sich nach Safed begehen, wo die Opposition gegen den Mufti ihren Sammelpunkt hat, um mit dieser Opposition über die Frage der Entfernung des Mufti von seinen Ämtern zu verhandeln. Ein arabischer Führer äußerte einem Mitarbeiter der hebräischen Zeitung „Doar Hayom“, daß der Einfluß des Mufti endgültig gebrochen sei und daß sein Ausscheiden aus dem politischen Leben unmittelbar bevorsteht. Die Hoffnung des Mufti, daß der jetzige Besuch des Königs Feisal in Palästina seine wankende Stellung in irgendeiner Weise befestige, hat vollkommen fehlgeschlagen. Aus der jüdischen Weit Aufruf zur Abwehr Berlin, 1. Oktober. (JTA.) Eine Reihe führender christlicher Persönlichkeiten Deutschlands veröffentlicht, angeregt vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus, anläßlich der Kurfürstendamm- Krawalle und in Auswertung ihres gerichtlichen Nachspiels einen „Aufruf zur Abwehr“, der lautet: „Mit bitterem Schmerz und tiefer Scham haben die am jüdischen Neujahrstag auf dem Kurfürstenclamm Berlins gegen jüdische Mitbürger gerichteten pogromartigen Ausschreitungen fanatisierter Hakenkreuzler die Herzen aller anständig empfindenden Deutschen erfüllt. Mit bitterem Schmerz, daß Tausende — davon viele, die sich zu den gebildeten Kreisen rechnen — eine Heldentat darin sehen, wenn sie in Haufen über harmlos sich eines hohen religiösen Feiertags erfreuende Mitbürger herfallen, auf sie einschlagen, sie verletzen, die Einrichtungen öffentlicher Wirtschaften demolieren. Herzensbildung beginnt mit der Achtung vor dem Mitmenschen und der Rücksichtnahme auf ihn. Die, welche sich solcher Verpflichtung hier entzogen haben, schließen sich aus der Reihe der Gebildeten aus, sinken auf die Stufe wüster Radaubrüder hinab. Nicht zuletzt aber auch die, welche an solchen pöbelhaften Exzessen ihre stille Freude haben, und die Partei, welche sie entschuldigt oder verteidigt, die die Gewalttat gegen Andersgläubige oder Andersstämmige propagiert. Jeder anständig e m p findend e M e n s c h m u ß w eit von solcher Gesinnung und U n t a t a b r ii c ken. Aber auch mit tiefer Scham müssen uns solche traurigen Vorgänge erfüllen. Stellen sie doch Deutschland in den Augen des Auslandes auf die liefe Kulturstufe des zaristischen Rußlands. Je mehr uns die Siegermächte die militärischen Waffen genommen haben, um so mehr sind wir darauf angewiesen, unsere Weltgeltung wieder mit den Waffen des Geistes und der Gesittung zurückzuerobern. Das Ansehen, das deutsche Wissenschaft, Kunst und Technik unserem Volk in der Welt wieder erringen, wird aber beschmutzt durch derartige Akte der Roheit und Unduldsamkeit. Sie wirken im Ausland um so gefährlicher, als hinter ihnen eine Partei steht, die durch ihre systematische Judenhetze die moralische Verantwortung trägt und die aus den letzten Waiden als die zweitstärkste Partei hervorgegangen ist. Der größte Teil der exzedierenden Hakenkreuzler stellt in so jugendlichem Alter, daß sie an dem Weltkrieg noch nicht teilnehmen konnten. Um so mehr sollten sie sich bewußt werden, daß ihre Angriffe sich vielleicht gegen jüdische Mitbürger richten, die für das Vaterland gekämpft und geblutet haben, deren Angehörige für es gefallen sind, die für diese Opfer von denen beschimpft und mißhandelt werden, für deren Freiheit sie gekämpft, geblutet, Gatten, Väter und Brüder hingegeben haben. Die Zahl der deutschen Juden, die für das Vaterland gefallen sind, entspricht prozentual der der gefallenen Christen. Die Hakenkreuzpartei kann und darf die Verantwortung für jene Vorgänge nicht ab wälzen. Der soeben gegen 34 Teilnehmer geführte Prozeß bewies eindeutig die Teilnehmerschaft nicht nur verhetzter Mitglieder, sondern auch maßgebender Funktionäre der Berliner Gauleitung und S.A.-Führung der Hitlerpartei an den von langer Hand vorbereiteten und systematisch durchgeführten Krawallen, wie auch das Berliner Hitlerorgan, der „Angriff“, seit Wochen durch eine maßlos gesteigerte Judenhetze seine Leser systematisch a ufpei t sc ht e. Wer in der u n s a g b a r s c h w eren Zeit, d i e w i r durchleb e n , di e W a h rung d es Bürger f r i e d ens als v a l e r I ä n d i - s che Pflicht e m p f i n d e t , w e r d i e ungeheure Gef a hr erkennt, di e die G e - 1' ä h r düng unseres Ans e h ens in d e r Welt mit s i c h bringt, — der m u 13 d e n M u t auf bringen, der a n t i s e m i t i s e h e n Gesinnung und Betätigung überall rücksichtslos entgegenzut r e t e n. Dies fordern w i r v o n der Regie ru ng u nd i h r e n O rganen, d i e s f o r d e rn w i r v on j e d e m v e r a n t w o r I u n g s b e w u ß t e n Mi tb ii r g e r.“ Von den Persönlichkeiten, die den Aufruf unterzeichnet haben, seien genannt: Pater August J. Arand, St. Augustin; Dr. Gertrud Bäumer, M. d. R„ Ministerialrat, Berlin; D. Dr. h. c. Otto Baumgarten, Universitätsprofessor, Geh. Konsistorialrat, Kiel; August Bleier, Pfarrer, Charlottenburg; Carl Delius, Oberpostrat, Berlin; Lic. theol. Albert Esenwein, Stadtpfarrer, Stuttgart; Emil Fehlen, Pastor primarius, Bremen; Dr. Hermann Fischer, M. d. R., Berlin; Johannes Fischer, M. d. L., Stuttgart; Dr. Walter Goetz, Universilätsprofessor, Geheimrat, Leipzig; Dr. Ing. e. h. Georg Gothein, Reichsminister a. D„ Charlottenburg; Robert Grimm, Pfarrer, Frankfurt a. M.; Dr. Günther Grzimek, M. d. L„ Berlin; Dr. von Harnack, Regierungspräsident, Merseburg; Gustav Hartmann, M. d. L., Vorsitzender des Deutschen Gewerkvereins, Berlin; Dr. Martin Hobohm, Universitätsprofessor, Reichsarchivrat, Berlin; Dr. theol. Carl Maria Kaufmann, Professor, Frankfurt a. M.; Dr. Walter Kinkel, Universitätsprofessor, Gießen; Dr. Eberhard König, Universitätsprofessor, Geh. Konsistorialrat, Bonn; Karl Kunert, Pastor, Hamburg; Dr. Wilhelm Külz, M. d. R„ Oberbürgermeister, Reichsminister a. D„ Dresden; Eduard Lampartner, Sladtpfarrer a. D., Stuttgart; Mauritz, Pfarrer, Bremen; Lic. theol. E. Moering, Direktor, Breslau; Ronneburg, Landrat, Staalsminister a. D„ Franzburg; Paul Freiherr von Schönaich, Generalmajor a. I)„ Reinfeld (Holstein); Dr. von Schulze-Gävernitz, Universitätsprofessor, Freiburg; Dr. Ernst Siehr, Oberpräsident, Königsberg; D. Dr. W. Staerk, Universilätsprofessor, Jena; Dr. Albert Siidekum, Staatsminister a. D„ Berlin; Martin Treu, Bürgermeister, Nürnberg; Dr. Weber, Staatsminister a. D„ Dessau; Dr. Konrad Ziegler, Universi lätsprofessor, Greifswald. „Angriff“ für drei Wochen verboten Berlin, 29. September. (JTA.) Der Berliner Polizeipräsident hat die von Dr. Goebbels herausgegebene nationalsozialistische Abendzeitung „Angriff“ wegen Beschimpfung und Bedrohung der Staatsanwaltschaft und des Vorsitzenden im Prozeß

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