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Das jüdische Echo · 1931-10-09 · 41 (9.10.1931) · p. Seite 566

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
41 (9.10.1931)
Date
1931-10-09
Page
Seite 566 (sequence 6)
Language
German
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566 Nr. 41 Das Jüdische Echo Gegenstand der Beratung waren in erster Linie die nach dem Basler Kongreß 1931 innerhalb der Union entstandenen Differenzen in der Auffassung des Verhältnisses der Union zur Zionistischen Weltorganisation. Nach eingehender Behandlung kam es zu einer völligen Einigung in allen schwebenden Fragen. Herr Lichtheim, der wegen Erkrankung an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, gab telegraphisch seine Zustimmung zu den Beschlüssen, die in dem Folgenden gipfeln: Die Union der Zionisten-Revisiomisten bleibt als eine einheitliche Organisation bestehen. Dem Umstande, daß ein Teil der Mitglieder der Union seine Zugehörigkeit zur Zionistischen Weltorganisation nicht weiter aufrecht zu erhalten gewillt ist, wurde dadurch Rechnung getragen, daß künftighin ein Teil der Mitglieder aus Nicht-Schekelzahlern bestehen wird. Infolgedessen soll der Absatz VIII der „Grundsätze des Revisionismus“, welcher die Union in ihrer Gesamtheit als integralen Bestandteil der Z. (). bezeichnet, in der neuen Fassung der „Grundsätze“ aufgehoben und durch die am Schlüsse dieses Communiquees wiedergegebene Fassung ersetzt werden. Andererseits wurde vereinbart, daß die Frage der Gründung einer „Unabhängigen Zionisischen Organisation“ nicht aufgerollt werden soll. Die Vertreter des Exekutivkomitees werden die in der Sitzung angenommenen Vorschläge den bevorstehenden Landeskonferenzen der Union zur Annahme empfehlen. Im Dezember 1931 soll eine außerordentliche Tagung des Parteirates stattfinden, der diese Vorschläge zur Ratifikation vorgelegt werden. Die V. Ordentliche Weltkonferenz der Zionisten- Revisionisten wird im Laufe des Sommers 1932 abgehalten werden. Absatz VIII der „Grundsätze“ wird durch die folgende Fassung ersetzt: 1. Die Union der Zionisten-Revisionisten wirbt ihre Mitglieder in allen jüdischen und zionistischen Kreisen, unter der Voraussetzung, daß diese Mitglieder das Programm der Union annehmen, die hieraus entstehendem Pflichten erfüllen und sich der Disziplin der Union unterwerfen. Die Mitgliedschaft der Union der Zionisten-Revisionisten wird künftighin nicht auf Schekelzahler beschränkt. 2. Die Revisionisten, welche den Schekel entrichten, übern die aus ihrer Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation sich ergebenden Funktionen unter der Leitung der schekelzahlenden Mitglieder des Exekutivkomitees der Union aus. Der Verkehr mit den Organen der Zionistischen Organisation erfolgt durch die Revisionistische Fraktion im A.-C. Die Ausgaben, welche sich aus der Ausübung der in diesem Paragraphen erwähnten Funktionen ergeben, werden aus dem allgemeinen Budget der Union der Zionisten-Revisionisten gedeckt. Die Regelung des Verhältnisses der revisionistischen Gruppen zu den zionistischen Landesverbänden resp. Arbeitsgemeinschaften wird auf der nächsten Konferenz der Union erfolgen. In der Zwischenzeit gilt der Beschluß der Basler Konferenz von 1931 (Zirkular des E. K. Nr. 15/II), demzufolge den revisionistischen Landesverbänden bis zur Konferenz in dieser Frage freie Hand gelassen wird. * Man kann wohl kaum sagen, daß dieses Kompromiß, das offenbar nach langen Bemühungen gefunden wurde, in irgendeiner Weise genügt. Die auf Austritt aus der Zionistischen Organisation drängenden Kräfte werden damit nur fürs erste beschwichtigt sein und auch die Zionistische Organisation wird von den Revisionisten noch früher oder später eine ganz klare und eindeutige Entscheidung verlangen müssen: für sie ist jedenfalls der Zustand, den die revisionistische Resolution schafft völlig unannehmbar. Das Schicksal des Jerusalemer Mufti? J e r u s a 1 e m, 1. Oktober. (JTA.) Aus den Kreisen des Großmufti von Jerusalem ist dem Kolonialamt in London der Vorschlag unterbreitet worden, die demnächst ablaufende neunjährige Amtsdauer des Großmufti von Jerusalem als Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates automatisch, ohne daß eine Neuwahl ausgeschrieben wird, zu erneuern, was faktisch bedeuten würde, daß die Verordnung des einstigen High Commissioner Sir Herbert Samuel, wonach der Großmufti lebenslänglich Vorsitzender des Rates bleibt, bestätigt wird. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Kolonialamt diesem Vorschlag die Billigung versagt. Es wird erwartet, daß der Wettstreit um das Amt eines Präsidenten des Moslemitischen Obersten Rates, in das 1922 Sir Herbert Samuel den Mufti eingesetzt hat, entbrennen wird. London, 1. Oktober. (JTA.) Auf eine Anfrage der Londoner Jüdischen Telegraphen-Agentur beim Kolonialamt über die Möglichkeit einer Neubesetzung des Postens eines Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates wurde eine nur sehr unbestimmte Antwort gegeben. Aus Kreisen des Kolonialamtes wurde darauf hingewiesen, daß Sir Herbert Samuel in seiner Verordnung vom Jahre 1921 den Mufti zum dauernden Präsidenten des Rates ernannt hat. Jerusalem, 5. Oktober. (JTA.) Gut informierte Kreise wollen wissen, daß die Palästina-Regierung bereits beschlossen habe, die Verordnung des einstigen High Commissioners, Sir Herbert Samuel, wonach der Jerusalemer Mufti auf Lebenszeit Präsident des Obersten Moslemitischen Rates sein soll, abzuändern und schon in kurzer Zeit die Wahl eines Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates auszuschreiben. Das bedeutet den Anfang vom Ende der Muftidiktatur über das palästinensische Arabertum. Die Regierung, erklären die informierten Kreise, habe sich zu diesem Entschluß durch die wachsende Opposition gegen die Muftiherrschaft bewogen gefühlt. Der Mufti, dessen Popularität zur Zeit der Palästina-Pogrome Ende August 1929 den höchsten Grad erreicht hatte, fühlte seinen Einfluß auf das Arabertum immer mehr sinken und machte alle Anstrengungen, um sein Ansehen künstlich zu erhalten. Er setzte die pompösen Bestattungen des indi sehen Führers Mohammed Ali und Exkönigs Hussein im Jerusalemer Felsendom durch und nützte auch Schaukat Alis Besuch in Palästina zur Befestigung seines Einflusses aus. Aber das Mißtrauen der Bevölkerung in diese Führerschaft wuchs immer mehr. Die arabische Zeitung „Meraat el Shark“ berichtet, daß die vom Mufti nach Nablus einberufene Konferenz zum Proteste gegen die Waffenlager in den jüdischen Kolonien ein vollständiger Versager war; von 750 eingeladenen Notabein kamen nur 70, Leute von den Straßen und aus den Kaffeehäusern wurden in den Konferenzsaal gerufen, um den Mißerfolg zu verdecken. Die finanziellen Schwierigkeiten des Obersten Moslemitischen Rates werden auf das Schuldkonto des Mufti gesetzt. Seine Opposition gegen den

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