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Das jüdische Echo · 1931-10-09 · 41 (9.10.1931) · p. Seite 565

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
41 (9.10.1931)
Date
1931-10-09
Page
Seite 565 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 565 doch was anderes isl als ein Mensch, so kann man sieh kaum mehr wundern, wenn die Geschworenen so urteilen, wie sie es getan haben. Der Berichterstatter der Prager Selbstwehr hat für dieses Urteil die richtige Kennzeichnung gefunden, wenn er feststellt, daß sich im Prager Schwurgerichtssaal ein schmerzhaftes Stück Judenlragik, der Tragik des jüdischen Volkes abgespielt hat und wenn er seinen Bericht mit den Worten schließt: Dieses Urteil leuchtet grell und scharf in die Tiefen der Judenfrage hinein, es enthüllt mehr von der Psyche des Volkes, als viele gelehrte Abhandlungen; es zerreißt erbarmungslos die Schleier, welche eine illusionistisch-liberale Lehre vom Wesen des Antisemitismus über die rauhe Wirklichkeit zu breiten sucht. Urteile von Geschworenengerichten sind keine juristischen Entscheidungen; es sind und sollen auch im Sinne der Schöpfer der Schwurgerichte Urteile sein, welche aus dem naiven Empfinden des Volkes kommen. Es ist die Stimme des Volkes, die gesprochen hat: Sieben Juden sind grundlos über den Haufen geknallt worden. Es war eine kleine Judenjagd. Die Stimme des Volkes hat darauf geantwortet: Freispruch. Die Forderungen der neuen zionistischen Exekutive an die neue englische Regierung Nahum Sokolows Rede in der Kingsway Hall zu London L o n d o n , 5. Oktober. (JTA.) Auf dem ihm zu Ehren in der Kingsway Hall zu London veranstalteten Empfang hielt Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Organisation un i der Jewish Agency, eine große Rede, in der er die Forderungen der Tieren Exekutive der Jewish Agency an die Nationale englische Regierung formulierte. Ein neuer Geist müsse in die Palästina-Administration einziehen, diese Administration müsse mit Erns* an die Lösung des jüdischen Problems herangehen. Die Mandatarmach l aber müsse der gesamten Judenfrage in ihrem Zusammenhang mit Palästina ein weitherziges Verständnis enlgegenhringen. Sie müsse verstehen, daß der Zionismus eine Lösung der Judenfrage zum Ziel hat. Eine Alijah — ich sage nicht Immigration, sondern Alijah — im weitesten Sinne müsse vorbereitet werden. Wir gehen nach Palästina, nicht um eine jüdische Heimstätte, sonde r n e i n e n a t i o n a 1 e j ii d i s c h e H e i m stätte zu errichten. Wir verlangen von der Regierung, daß sie mehr als bisher die Jewish Agency zu Rate ziehen soll. Die Regierung müsse die Einwanderung durch Schaffung besserer Bedingungen im Lande fördern. Wir fordern, daß man uns Kronländereien zu Siedlungszwecken gibt, wie man solche Ländereien bereits den Arabern gegeben hat. Wir fordern, daß die Regierung bei öffentlichen Arbeiten Juden in einer richtigen Proportion beschäftige. Wir fordern, daß die Regierung aktiv an dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims mitarbeilet und unsere Institutionen für Erziehung und öffentliche Gesundheit mit entsprechenden Mitteln fördert. Auch die Einstellung von Juden in die Beamtenschaft, die Polizei und die Landesverteidigungskorps müsse in einer richtigen Proportion erfolgen. Wir fordern auch, daß die Regierung die neue Industrie in Palästina schützt und ihre Entwicklung fördert. All das, fuhr Sokolow fort, hat auch die alle Exekutive gefordert. Ich hin kein Kolumbus, der Zionsimus ist eine klassische Bewegung, in der nichts „Neues“ geschaffen werden könne. Auch Herzl hat nichts Neues schaffen wollen. Was wir wünschen, ist eine kontinuierliche gradlinige Evolution. Die Beschuldigung, daß die Exekutive den Weg Herzls verlassen hat, ist falsch. Wir wollen das Gleiche, was Herzl wollte, aber geht uns die Mittel hierzu. Wir haben Vertrauen zu der Nationalen Regierung Englands und wir haben Gründe zu einem solchen Vertrauen, wir werden mit dieser Regierung verhandeln. Aber ist das alles? Nein! Wir seihst müssen arbeiten. Und dies in Frieden und Einigkeit. Die ganze Welt — noch mehr das jüdische Volk — geht durch eine Krise, unser Appell an das Volk müsse darum eindeutig sein. Das jüdische Volk hat sich gerade in der Zeit der großen Krise zur höchsten Stufe der Opfer aufgeschwungen. Wolle man aber einen solchen Ruf an das Volk ergehen lassen, so müsse man alle Parteiinteressen beiseite schieben. Man müsse die Jewish Agency ermutigen, im Namen eines geeinten jüdischen Volkes zu sprechen. Sokolow erklärte, daß er die Führerschaft nicht aus persönlichen Motiven übernommen hat und daß sein Hauptziel die Herbeiführung des inneren Friedens sei. Wir haben, sagte er, die für uns beste Regierung in England, aber wir müssen geeint vor . sie treten. Sokolow sprach noch über die praktischen Ziele der neuen Exekutive, die Förderung der Siedlung von Angehörigen des Mittelstandes und von Chaluzim, Erhaltung der hebräischen Kulturbasis in Paläsfin u. a. m. Zum Schluß drückte Sokolow die Hoffnung aus, daß alle Zionisten und Palästina- Freunde mit Energie und gutem Willen für den Enderfolg des zionistischen Ideals arbeiten werden. Begrüßung des Präsidenten Sokolow in London L o n d o n , 1. Oktober. (JTA.) Unter dem Vorsitz von C. E. d’Avigdor Goldsmid, Vorsitzenden des Council der Jewish Agency, fand zu Ehren des neugewählten Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, in der Kingsway Hall in London ein Empfang stall, dem etwa ÖÖO bekannte englische Zionisten und Nichlzionislen beiwohnten. Dr. S. Brodetsky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, hielt eine große politische Rede, in der er ausführle, der Wechsel in der Regierung des British Empire sei für den Zionismus von großer Bedeutung gewesen. Brodetsky skizzierte die zukünftige politische Arbeit der Exekutive der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency und berichtete über seine kürzlich slaltgefundenen Zusammenkünfte mit dem neuen Kolonienminister Thomas und dem Unlerslaatssekrelär für die Kolonien Sir Robert Hamilton. Thomas hat hei dieser Gelegenheit erneut seine Sympathie für den Zionismus und seine Ziele Ausdruck gegeben, auch Sir Robert Hamilton habe unzweideutig erklärt, daß ihm der Fortschritt des jüdischen Nationalheims am Herzen liege. Der Vorsitzende d’Avigdor Goldsmid geleitete den Präsidenten Nahum Sokolow unter stürmischen Ovationen der Anwesenden auf die Tribüne. Einigung im Revisionismus Positives Ergebnis der Calais-Konferenz Berlin, 30. September. (JTA.) Am 28. und 29. September fand in Calais eine Sitzung des Exekutiv-Komitees der Union der Zionisten-Revisionisten statt, an welcher die folgenden Herren teilnahmen: V. Jabotinsky, der den Vorsitz führte, A. Angel, M. Großmann, 1. Rosoff, J. Schechtmamm, Dr. S. E. Soskin, R. Stricker, I. Trivus; die Sekretäre des Exekutivkomitees A. Abrahams und Dr. H. Rosenblum; als Gast das Mitglied des Direktoriums des Tel Chai-Eonds, Herr Ch. Belilowsky.

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