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Das jüdische Echo · 1931-09-25 · 39 (25.9.1931) · p. Seite 544

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
39 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
Seite 544 (sequence 8)
Language
German
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544 Nr. 39 Das Jüdische Echo republikanischer Parteien, die diese Bemühungen unterstützen sollten, sind ohne Erfolg geblieben. Der Senat ist aus technischen Gründen an den einmal festgelegten Termin gebunden und glaubt, eine Verlängerung der Wahlzeit über 6 Uhr abends hinaus, die Einrichtung eines besonderen, einige Tage vorher geöffneten Wahlbiiros und ähnliches würde eine Gesetzesveränderung bedeuten, die er nicht vornehmen darf. Auf Wahlversammlungen und in der Lokalpresse wird die Angelegenheit überaus lebhaft besprochen, eine sozialdemokratische speziell für jüdische Wähler einberufene Kundgebung gab die Initiative zu einer an das Hamburger Oberrabbinat offiziell gerichteten Anfrage, die das Rabbinat darum ersucht, einen „Dispens“ vom Schreibverbot zu erteilen. Ein solcher Dispens wird selbstverständlich nicht erteilt werden. Nachdem alle Einigungsversuche gescheitert sind und auch die letzten Vorschläge zu gewissen Erleichterungen der Wahlteilnahme für jüdische Bürger vom Senat rundweg abgelehnt wurden, rechnet man in informierten Kreisen damit, daß die hieran interessierten Parteien aus diesen Vorgängen einen Grund zur nachträglichen Anfechtung der Wahl beim Staatsgerichtshof ableiten werden. Professor Dr. Julius Hülsen gestorben Frankfurt a. M., 14. September (JTA.) Im Alter von 59 Jahren verstarb in Frankfurt a. M. an Herzschlag der hervorragende Kunsthistoriker Professor Dr. Julius Hülsen, einer der besten Kenner der Architektur Frankfurts. Einen großen Teil seiner Kräfte widmete er der jüdischen Kunst und Wissenschaft, sowie der jüdischen Erziehung und Volksbildung. Er war der Konservator des alten jüdischen Gemeindefriedhofes. Zuletzt lehrte er an der Darmstädter Technischen Hochschule. 1200 Mark Geldstrafe für Münchmeyer Liegnitz, 20. September. (JTA.) Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete und frühere Borkum-Pfarrer Münchmeyer wurde vom Berufungsgericht in Liegnitz wegen des in einer Versammlung gebrauchten Ausdrucks „Judenrepublik“ zu 1200 Mark Geldstrafe verurteilt. Synagogenentweihung im Freistaat Danzig Danzig, 15. September. (JTA.) Am Freitag spät abends, am ersten Abend des Rosch-H'aschanah-Festes, wurde in die Synagoge von Tiegenhoff im Freistaat Danzig eingebrochen. Die Thora-Lade wurde von den Einbrechern zertrümmert, die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge demoliert. An die Thora-Lade und die Wände der Synagoge waren kommunistische Parolen in roter Ölfarbe gemalt. Die Polizei forscht nach den bisher noch unbekannten Tätern. Zwei jüdische Rectores Magnifici in Holland Amsterdam, 16. September. (JTA.) Für das neue Universitätsjahr wurden in Holland zwei hervorragende jüdische Gelehrte als Rectores Magnifici gewählt: Professor Dr. E. S. Ornstein wurde zum Rektor der Staatsuniversität in Utrecht und Professor Dr. N. J. Polak zum Rektor der Holländischen Handelsuniversität in Rotterdam gewählt. Palästina-Aussprache in der Politischen Kommission des Völkerbundes Genf, 17. September. (JTA.) Die Sechste (Politische) Kommission des Völkerbundes hat gestern die Aussprache über die Minderheitenfragen, in deren Mittelpunkt die große für stärkeren Schutz der Minderheitenbelange eintretende Rede des deutschen Ministers des Auswärtigen Dr. Curtius gestanden hat, beendet und ist heute in die Beratung der Frage der zeitlichen Abgrenzung der Mandate eingetreten. Hierbei kam es zu einer eingehenden Aussprache über Palästina, Der Berichterstatter Lange, Norwegen, hielt eine große Rede, die in der Forderung gipfelte, daß der Völkerbund die Politik der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina nochmals in autoritativer Weise dokumentieren solle. Nachdem er einen eingehenden Überblick über die Lage in Palästina gegeben hatte, kam Lange zu dem Schlüsse, daß Palästina dank der außergewöhnlichen Opferbereitschaft der Juden aufgebaut wird. Die Juden der ganzen Welt, sagte er, sehen in Palästina Ziel und Zentrum ihrer Hoffnung; für sie bedeutet es eine tiefe Genugtuung und. es ist Sache ihrer persönlichen Würde, daß das Land, aus dem sie stammen, wiederum als ihr nationales Heim aufgebaut wird. Lange erinnerte an das böse Echo, das das Paßfield-Weißbuch auf dem Zionistenkongreß in Basel geweckt hatte, und schilderte das traurige Leben der Millionen Juden in Europa, die dem Proletariat oder dem armen Mittelstand angehören und unter äußerst schwierigen materiellen Verhältnissen leben. Wenn diese Millionen Menschen, sagte Lange, des Elements der Würde beraubt werden, das Palästina ihnen gibt, wird dies das soziale Unbehagen in der Welt, das die gegenwärtige Epoche charakterisiert, nur vermehren und die soziale Frage komplizieren. Lange betonte zum Schluß, daß es notwendig sei, die Existenz des jüdischen Nationalheims in Palästina durch den Völkerbund zu garantieren und die Position der jüdischen Minderheit in Palästina in jeder Weise zu sichern. Die Fortsetzung der Palästina-Aussprache wurde auf den 18. September vertagt. Wird Paßfields Palästina-Bodenverordnung fallen gelassen? London, 17. September. (JTA.) Wie die jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, soll die neue Nationale Regierung in England die Absicht haben, die vom früheren Kolonialminister Lord Paßfield ausgearbeitete und zur Veröffentlichung am 20. August — dann unter dem Druck der Baseler Tagung der Jewish Agency zur Veröffentlichung am 7. September — bestimmte Palästina - Bodenverordnung nunmehr ganz fallen zu lassen. Man weiß jetzt, daß betreffend dieser Verordnung ein Kampf hinter den Kulissen geführt wurde, und wäre nicht ein plötzlicher Regierungswechsel eingetreten, der das Ausscheiden Lord Paßfields aus dem Kabinett mit sich brachte, so wäre diese Verordnung bereits in Wirksamkeit und die Jewish Agency wäre vor neue große Schwierigkeiten gestellt worden. Paßfield, der vor dem Sturz der Arbeiterregierung den Finanzminister Snowden in der Frage der Zolltarife unentwegt unterstützt hatte, wodurch er seine eigene Position und seinen Einfluß im Kabinett befestigte, glaubte, er werde sich mit seiner Palästinapolilik gegen die Opposition der übrigen Kabineltsmitglieder durchsetzen können, und war entschlossen, die Palästina- Bodenverordnung jedenfalls in Wirksamkeit treten zu lassen. Der bisherige High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, der inzwischen in London eingetroffen war, unterstützte die Paßfield-, Verordnung und bestand darauf, daß keine ändernden Bestimmungen nachträglich in die Verordnung aufgenommen werden. Sein Standpunkt war, daß jetzt, nachdem der Landentwicklungsdireklor French sein Amt angetrelen habe, ungesäumt die Verord-

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