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Das jüdische Echo · 1931-09-25 · 39 (25.9.1931) · p. Seite 545

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
39 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
Seite 545 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 545 ming veröffentlicht werden müsse. Chancellor konnte aber mit seiner Ansicht nicht durchdringen. Die Veröffentlichung der Bodenverordnung erfolgte nicht. Der Züricher Beschluß der Zionistischen Exekutive, die Verordnung in ihrer jetzigen Form nachdrücklich abzulehnen, war nicht ohne Wirkung gehlieben. Was die Haltung der neuen Regierung in der Frage der Landentwicklung Palästinas im allgemeinen betrifft, so wäre cs vielleicht ungerechtfertigt, auf die Möglichkeit einer sofortigen und radikalen Änderung der offiziellen Palästinapolilik allzu große Hoffnungen zu setzen. Paßfield ist in der Durchführung seiner Pläne zu weil fortgeschritten, als daß ein völliger Rückzug in der Palästinapraxis durch das neue Kabinett wahrscheinlich wäre. Immerhin dürfen einige wesentliche Änderungen im Landenlwicklungsplan bestimmt erwartet werden. Heute steht die Frage so: wird die neue Regierung im Hinblick auf die Finanzkrise die Durchführung des Landentwicklungsplanes hinausschieben oder gar den Plan ganz fallen lassen? Mit den eigentlichen finanziellen Schwierigkeiten der Regierung hat die Frage der Landenlwicklung nicht direkt zu tun, da die zur Landentwicklung notwendigen Summen nicht aus Regierungsfonds, sondern aus den Mitteln einer von der Regierung zu garantierenden Anleihe genommen werden sollen. Vorstellungen bei der englischen Regierung London, 15. September. (JTA.) Die Zionistische Exekutive hat in der letzten Zeit bei der neuen •Nationalen englischen Regierung Vorstellungen betreffend wichtige palästinensische Angelegenheiten erhoben und hierbei Dr. Weizmann, der für einige Tage nach London gekommen war, zu Rate gezogen. Weizmann hat sich hernach zur Fortsetzung seiner Kur nach Italien zurückbegeben. Nahum Sokolow und Leo Molzkin, die als Vertreter der jüdischen Minderheiten an dem jüngsten Genfer Minderheitenkongreß hätten teilnehmen sollen, haben ihre Mandate nicht ausüben können, da sie sich wichtiger zionistischer Tätigkeit widmen mußten. Motzkin mußte zum Teil auch aus Gesundheitsrücksichten den Genfer Beratungen fernbleiben. Kolonienminister Thomas lehnt ein Palästina- Wiedereinreisegesuch Jabotinskys ab London, IG. September. (JTA.) Der Führer der Zionisten-Revisionisten, Wladimir Jabolinsky, dem die Wiedereinreise in Palästina nach den Palästinaunruhen im Herbst 1929 vom damaligen Kolonienminister Paßfield verboten worden war, hat nach Bildung der Nationalen Regierung in England an den Kolonialminisler Thomas das Ansuchen gerichtet, ihm die Wiedereinreise nach Palästina zu gestatten. Thomas hat dieses Gesuch abgelehnt. Tschecho-Juden und Jewish Agency Prag, 14 September. (JTA.) Die in Pardubitz abgehaltene Konferenz des Verbandes der Tschecho- Juden befaßte sich in der Hauptsache mit der Frage der Teilnahme der tschechisch-nationalen Juden an der Jewish Agency. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, die den Mitgliedern des Verbandes freie Hand läßt. Die Resolution lautet: Die Manifeslationskonferenz der Tschecho-Juden stellt fest, daß die Institutionen der Jewish Agency in ihrer heutigen Gestalt vom Standpunkt der tschechojüdischen Ideologie nicht akzeptabel seien, verwehrt aber mit Rücksicht auf die Vielgestaltigkeit des Problems und der gegebenen Möglichkeiten einer Entwicklung den einzelnen Mitgliedern nicht die Mitarbeit an ihren Institutionen. Brünner Jüdische Gemeinde verklagt eine antisemitische Zeitung Prag, 16. September. (JTA.) Die jüdische Gemeinde Brünn hat, auf Grund eines Beschlusses ihrer Rechtssektion durch ihren Anwalt, Dr. Adolf Grünfeld, die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen die in Brünn erscheinende Zeitschrift „Zub“ (Der Zahn) wegen Beleidigung einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft erhoben. Die genannte Zeitschrift schrieb: „Dem Juden erlauben Religion, Moral und Gewissen nicht nur, sondern sie gebieten ihm geradezu jede Lumperei am Andersgläubigen, selbst wenn es Mord wäre. Diese furchtbaren Gesetze der Juden sind heute schon unwiderleglich als die Grundlage des jüdischen Glaubens nachgewiesen.“ Die jüdische Gemeinde Brünn wird die Einstellung des Blattes fordern. Lektorat für hebräische Sprache an der Wilnaer Universität Wilna, 17. September. (JTA.) An der Universität in Wilna wurde ein Lektorat für hebräische Sprache eingerichtet. Vorlesungen und Übungen in diesem Lektorat finden schon im Laufe dieses Semesters statt. Fortdauer der antisemitischen Hetze in Bulgarien Sofia, 4. September (JTA.) Die antisemitische Hetze in Bulgarien dauert an. In Sofia und in der Provinz wird gegenwärtig in Massen eine Flugschrift verbreitet, die den Titel: „Eine Weltverschwörung“ trägt und die Legende über die Weisen von Zion aufwirft. Es wird in ihr behauptet, daß die Juden nach der Weltherrschaft streben und an allem Unglück in der Welt die Schuld tragen. Die Bevölkerung wird zur Bekämpfung der „satanischen“ Pläne des Weltjudentums und des jüdischen „Weltsynhedrions“, sowie zur vollständigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykottierung der Juden aufgerufen. Das Zentralkonsistorium der jüdischen Gemeinden Bulgariens wird bei den zuständigen Regierungsstellen wegen der Fortdauer der Judenhetze vorstellig werden und die Einziehung der erwähnten Hetzschrift fordern. Moskauer Synagogen überfüllt Moskau, 14. September. (JTA.) An den Rosch Haschana-Tagen waren die Abend- und Morgenandachten in den Moskauer Synagogen stark überfüllt. Infolge der ungenügenden Zahl der Synagogen mußten überall doppelte Gotlesdienstschichlen eingerichtet werden. Die große Mehrheit der Synagogenbesucher bestand aus älteren Leuten oder Personen in mittlerem Alter, die von den Atheisten-Brigaden scharf überwachte Jugend halte sich nur spärlich eingefunden. Gleichzeitig mit den Andachten in den Synagogen fanden in mehreren Moskauer Fabriken und Arbeiterklubs antireligiöse Manifestationen statt, die aber schwach besucht waren, insgesamt hatten sich an allen diesen Versammlungen nicht ganz 5000 Personen beteiligt. Die Atheisten-Brigaden aus Moskau und aus der Provinz melden dem Atheislen-Hauptquartier, daß die arme jüdische Bevölkerung sich der antireligiösen Propaganda schwer zugänglich zeigt. 250 000 Pfund Keren Hajessod-Eingänge in elf Monaten Jerusalem, 15. September. (JTA.) Vom Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem wird mitgeleilt, daß vom 1. Oktober 1930 bis Ende August 1931 rund 250 000 Pfund, darunter 85 000 Pfund aus den Vereinigten Staaten, für den Keren Hajessod eingegangen sind.

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