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Das jüdische Echo · 1931-09-25 · 39 (25.9.1931) · p. Seite 543

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
39 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
Seite 543 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 543 nicht wegen der außenpolitischen Hindernisse allein. Die Alijah verminderte sich auch aus der Kategorie des kapitalbesitzenden Elementes; aber auch die spärliche Anzahl der Chaluzim-Zertifikale, die nicht lange nach Erscheinen des Weißbuches ausgegeben worden war, konnte infolge Geldmangels nicht ganz ausgeniitzt werden. Lange nicht so sehr versagte Europa hinsichtlich der Sammlungen für die nationalen Fonds, wie Amerika. Immerhin wurden in Amerika in der Zeit von August 1929 bis Juni 1931 7 331 257 Dollar aufgebracht. Bei alldem wuchs Erez Israel doch. Der Jischuw blieb unversehrt trotz der im Lande herrschenden Krise, man kann fast sagen, es ging in Palästina den Juden wirtschaftlich besser, als in den meisten jüdischen Wellzentren. Das Aufbauwerk schritt fort. Mancher neue Siedlungspunkt entstand im Laufe des Jahres. In der Industrie, wie in der Landwirtschaft setzte sich der Konsolidierungsprozeß fort. Der Export wuchs, das Defizit der Handelsbilanz verminderte sich. Auch der Iveren Kajemelh machte Neuerwerbungen. Das Ruthenbergwerk wurde seiner Vollendung nähergebracht, während die „Pottash Company“ zur Ausbeutung des Toten Meeres ihre Arbeiten begann. Eine neue Methode kleinsiedlerischer Kolonien wurde in Angriff genommen: knapp vor Jahrsende kamen 150 amerikanische Juden mit kleinen Vermögen von zusammen anderthalb Millionen Dollars nach Palästina, um dort eine kleinsiedlerische Existenz zu suchen. In diesem Jahre wurde die Konzession an die „Irak-Pelroleum-Company“ für die Durchführung der Röhrenleitung über die Haifa-Akko-Linie erteilt. Die Shell-Company und andere errichteten bedeutende Tankanlagen für die Ansammlung des durch das Land zu fiihrendn Öles. Die Regierung bewerkstelligte neben dem großen Hafenbau bedeutsame öffentliche Arbeiten, darunter den Rau des Rockefeller-Museums, wobei aber nur eine kleine Zahl von jüdischen Arbeitern Beschäftigung fand. Dennoch entstand keine empfindliche jüdische Arbeitslosigkeit. — Ein Guerillakrieg wurde von den Arabern gegen den Jischuw fortgeführt, der manche Opfer erforderte. Im Zeichen einer Kampagne für die Islamisierung Palästinas stand die Überführung der Leiche des in London verstorbenen indisch-mohammedanischen Führers Mohamed Ali nach Erez Israel und dessen Beisetzung in der Omar Moschee. Einen Sukkurs erhielt der arabische Antizionismus durch den Besuch Schaukat Alis, des Bruders des verstorbenen Mohamed Alis. Arabische Überfälle wußte die Regierung zu verhindern. Der arabische Judenboykott ist mißlungen, wie auch die jüngsten Versuche, am 15. August zu demonstrieren und am 23. desselben Monats einen Generalstreik durchzuführen. Die Araber lehnten nun die Mitarbeit mit dem Landenlwicklungskommissär ab. Zur bevorstehenden Volkszählung amnestierte die Regierung alle illegal Eingewanderten. Im Jischuw vollzog sich im letzten Jahre die langersehnte Konstituierung der Knesset Jisrael. Bei den Wahlen zu dieser Körperschaft erlangten die Revisionisten von 47 Mandaten IG, die organisierte Arbeiterschaft jedoch 31, welches Verhältnis bei den Kongreßwahlen sich noch weiter zugunsten der Arbeiterschaft verschob. Weizmanns Anwesenheit im Lande versetzte die Arbeiterschaft in eine Feslslimmung und bedeutete auch für manche andere Teile des Jischuw eine Erhebung mitten in tiefer Besorgnis. Inzwischen bereitete sich ein Personenwechsel an den wichtigsten Regierungsstellen vor, dessen endgültiger Vollzug erst ein Urteil über die Folgen erlauben wird. Schwer litt in diesem Katastrophenjahr besonders die zionistische Organisation. Zunächst wütete der Todesengel unter den Großen. Waren schon Ballour und Marshall gerade im Moment niederschmetternder Bedrängnis dahingegangen, so wurden auch unverhofft Lord Melchell und später Lee I\. Frankel und auch ein großzügiger Förderer Erez Israels, Nassatissin, dahingerafft. Der 83jährige Philantrop Nathan Strauß ist gestorben. — Die zionistische Organisation aber bot ein Bild innerer Zerrissenheit, die allein schon, auch ohne äußere Faktoren, zum Verhängnis werden konnte. Als Weizmann im August 1930 in Berlin gegen die Formel eines Judenstaates sich äußerte, gelang es dennoch, eine Versöhnung mit ihm herbeizuführen. Seine politischen Schritte während der katastrophalen Krise billigte auch die Opposition der Radikalen, indem sie an der politischen Kommission, die mit der Regierung verhandelte, teilnahm. Der Revisionismus hingegen entfaltete eine heftige Propaganda gegen alles, was die Leitung unternahm. Es gelang den Revisionisten, zum XVII. Zionistenkongreß ein Fünftel aller Delelierten zu entsenden, während der noch stärkere Arbeiterflügel sowie der kleinere Teil der allgegemeinen Zionisten (Gruppe A) für Weizmann und sein System vorbehaltlos eintraten. Der geschwächte Misraehi sowie die zusammengeschrumpfle radikale Gruppe waren gegen Weizmann; der stärkere Teil der allgemeinen Zionisten (Gruppe B) spielte eine ausschlaggehende Rolle. Ein Scliiboleth der Revisionisten war der Ersatz des Basler Programmes durch die Judenstaatsformel. Die schließlich beschlossene Endzielresolution befriedigte jedoch die Revisionisten nicht. Weizmanns Interview, worin er sich gegen die Forderung einer jüdischen Mehrheit aussprach, fand den Widerspruch der Mehrheit des Kongresses. Sokolow wurde Präsident der zionistischen Organisation und der Jewish Agency und die Exekutive wurde durch eine Koalition mit Ausschluß der Revisionisten gebildet. Zu Ende des Jahres ist der Bericht der Junitagung der Mandatskommission erschienen, der neuerlich von einer kritischen Einstellung der Kommissionsmitglieder gegen die Beziehung Englands zu Erez Israel zeugt. Die Ablösung des englischen Kabinetts durch die nationale Regierung am Ende unseres Jahres, in der nicht nur die prozionistischen Juden Herbert Samuel und Reading, sondern auch andere Freunde sitzen, muß als günstiges Omen registriert werden. Möge das neue Jahr mit Segen beginnen! Aus der jüdischen Welt Nazi-Überfall auf jüdische Schüler am Viktoria- Luise-Platz B e r 1 i n, 22. September. (JTA.) Am vergangenen Sonnabend nachmittag wurden drei jüdische Schüler im Alter von 17 Jahren am Viktoria-Luise- Platz in Schöneberg von zwei Nationalsozialisten angerempelt und verprügelt. Die Polizei nahm die beiden Täter fest und führte sie der Abteilung IA zu. Hamburger Biirgerschaftswahlen am zweiten Sukkoth-Tag Etwa 3000 jüdische Wähler werden der Urne fernbleiben Hamburg, 16. September. (JTA.) Die diesjährigen Hamburger Biirgerschaftswahlen sind vom Senat auf den 27. September, den zweiten Tag des Laubhüttenfestes, angesetzt worden. Es werden so schätzungsweise dreitausend jüdische Wähler, die aus religiösen Gründen an diesem Tage nicht schreiben, der Urne fernbleiben müssen. Versuche der Hamburger jüdischen Gemeinde, den Wahltermin verschieben zu lassen, Eingaben

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