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Das jüdische Echo · 1931-09-16 · 38 (16.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
38 (16.9.1931)
Date
1931-09-16
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 533 gebet. Unter den Jozerot haben die bekanntesten Stücke folgende Benennungen: Keduscha und Ofan, Heiligung und Lobpreisung Gottes, Meora, Erleuchtungsgebet, Ahaba, Liebesgebet (wird gewöhnlich vor das Schema eingeschoben), und Geula, Gebet um Erlösung. Zu der volkstümlichen Gattung religiöser Dichtung gehören die Schirim, Lieder, von denen insbesondere das Schir-hakabhod, das Lied von der Herrlichkeit Gottes, am Sabbat zum Schluß des Morgengottesdienstes vorgetragen wird, und die Semirot, Gesänge, das sind die Freitagabend- und Sabbatlieder, die zu Tischgesängen in frommen Judenhäusern geworden sind. Die liturgische Poesie besitzt außerdem für jedes Fest ein Spezialstück, so für Pessach Tefillat Tal, das Gebet um Tau, für das Laubhüttenfest Tefillat Geschem, das Gebet um Regen, für das Wochenfest die Asharot, eine poetische Aufzählung der Gesetze, für das Neujahrsfest die Tekiot, poetische Betrachtung über das Schofarblasen, und für den Versöhnungstag die bereits erwähnte Aboda, eine poetische Schilderung des Opferdienstes im Tempel zu Jerusalem. Eine eigene Gattung stellen die Kinnot dar, die für den 9. Ab und andere an die Zerstörung Jerusalems erinnernde Trauertage bestimmt sind. Die Kinnot sind die klassischen Dichtungen! der liturgischen Poesie. Sie umfassen außer den „Ziomiden“ auch Märtyrergedichte und Klagelieder, einen Kranz wehmutsvoller Poesien, die den Tod der zehn Märtyrer, die Leiden im Exil, die Schauertage der Kreuzzüge und ähnliche traurige Begebenheiten in der jüdischen Geschichte ins Gedächtnis rufen. Die mit dem Sammelnamen Pijutim bezeichneten Synagogengebete, Klagelieder und Lobgesänge sind ungemein zahlreich; ein Pijutforscher schätzt sie auf ungefähr 15 000. Es versteht sich, daß nur ein geringer Teil davon in die Gebetordnung aufgenommen wurde. Die Entstehungszeit der Pijutim erstreckt sich vom Ende des siebenten bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts. Der Pijut in allen seinen Gattungen ist teils in eigenen, teils in den der syrischen und arabischen religiösen Poesie entlehnten Kunstformen abgefaßt. Die älteste Kunstform in der liturgischen Poesie ist die alphabetische Satzfolge. Sie wird auf dreierlei Art angewandt: die gewöhnliche Reihenfolge (Aleph, Beth, Girnel, Daleth), die umgekehrte (Taw, Schin, Resch, Kaph), und die gemischte (Aleph, Taw, Beth, Schin). Das Versmaß des Pijut, das nach der Ansicht Steinschneiders siebzehn Arten aufweist, beobachtet in der Regel die lange Vokalsilbe, Tenua, die kurze Schewasilbe, und die Vokal- und Schewiasilbe, Jethed. Gewöhnlich besteht der Vers aus zwei Längen mit vorausgehendem oder nachfolgendem Jethed. Es gibt auch zwei und dreizeilige Strophen, die den besonderen Namen „Schema“ und „Schelisc'hia“ führen. Häufig ist der Refrainvers mit abschließender Bibelstelle. Der Reim, den Jannai (gegen 700) in die liturgische Poesie einführte, ist meistenteils stumpf, einsilbig, wobei der vokalische Gleichklang nicht selten recht unvollkommen ist. Sehr häufig wird der sogenannte identische Reim angewendet, so daß jede Verszeile dasselbe Wort beschließt. Viele Pijutim, insbesondere Kinnot, sind einreimig. Ausgedehnt und weitschichtig ist das Gebiet der synagogalen Dichtung. Stoffe aus der Haggada, dem Midrasch, der Kabbala, dazu noch Sagen und Überlieferungen, geschichtliche Erinnerungen und philosophische Betrachtungen, ja sogar Teile aus der Halacha werden in den Pijutim poetisch bearbeitet. Dabei wird das meiste mehr allegorisch angedeutet als episch geschildert. Es gehört eine innige Vertrautheit mit dem althebräischen Schrifttum dazu, um die oft rätselhaften Bilder und Wortspiele zu verstehen. Erschwerend für das Verständnis wirken auch die Eigenheiten der Sprache, die nicht selten in sprachliche Gewaltsamkeiten ausarten. Der sogenannte Musivstil. in welchem die meisten Pijutim abgefaßt sind, wirkt schon durch seine zyklopische Art verwirrend. Doch hat es eine Anzahl von hervorragenden liturgischen Dichtern (Pajtanim) gegeben, die mit ihren Pijutim wahre Kunstwerke geschaffen haben. Der älteste der Pajtanim ist Jose ben Jose mit dem Beinamen „Hajathom“, die Waise; er lebte im siebenten Jahrhundert in Palästina. Der bedeutendste und bekannteste ist Eleasar Hakalir, der in einer Stadt des südlichen Italien im 9. Jahrhundert gelebt haben soll. Man unterscheidet in der liturgischen Poesie zwei Richtungen: die idealistisch-individuelle und die religiös-nationale. Die hervorragendsten Vertreter der idealistisch-individuellen Richtung sind die Dichter der spanischen Schule: Samuel Hanagid, Isaak Giktalia, Salomo Gabirol, Isaak Gajat, Bechaj, Mose ben Esra, Jehuda Halevi, Abraham ibn Esra, Chia Daudi, David ben Elieser Pakuda u. a. m. Als Vertreter der religiösmationalen Richtung sind die Pajtanim aus Italien, Frankreich und Deutschland, vornehmlich der Rheingegend, und aus den slawischen Ländern zu nennen: Salomo ben Jehuda, Beschulam ben Kolonymus, Gerschom ben Jehuda (genannt „Rabbenu Gerschom“ aus Mainz), Meir ben Isaak aus Orleans, Jakob Meir Tarn, Josef Bechor Schor, Meir ben Samuel (Raschbam), Menachim ben Machir aus Regensburg, Isaak Halevi aus Worms, Jehuda ben Samuel aus Speyer (genannt „Jehuda Hachassid“) u. v. a. Dazu gibt es noch Tausende von Pijutim, deren Verfasser wir nicht kennen, und Hunderte von Pajtanim, von denen nur ihre Namen, aber keine ihrer Dichtungen bekannt sind. Im ganzen zählt die Geschichte des Pijut im Laufe eines Jahrtausend ungefähr 1500 Pajtanim. Erwähnt sei, daß auch Rabbi Schelomo Jizchaki (Raschi) und Mose ben Maimon (Maimonides) mit je einem Pijut in der liturgischen Poesie vertreten sind. Edmond Fleg über Palästina Enthusiastische Schilderungen des jüdisch-französischen Dichters Als vor kurzem Edmond Flegs Buch „Moses“ erschien, wurde auch die jüdische Welt auf den jüdisch-französischen Dichter aufmerksam, der in der neueren französischen -Literatur neben den anderen französischen Dichtern jüdischen Geblüts, wie Jean-Richard Bloch und Tristan Bernard, einen geachteten Namen hat. Wie in anderen Ländern, ist auch in Frankreich der Zionismus nicht spurlos an den schaffenden jüdischen Geistern vorübergegangen, im Sinne der Erweckung jiididischen Bewußtseins bei jenen, die im nichtjüdischen Kulturmiilieu zu Hause sind. Aber erst die Berührung mit Palästina bringt sie in lebendigen Kontakt mit der jüdischen Renaissance. Jüngst erst hat Edmond Fleg diesen Weg beschritten. Sein längerer Aufenthalt in Palästina gab ihm die Grundlage für eine neue Betrachtung des jüdischen Wesens, für eine Befestigung seines jüdischen Bewußtseins. Hiervon gibt eine Reihe von Vorträgen Zeugnis, die Edmond Feg nach seiner Rückkehr aus Palästina gehalten hat.

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