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Das jüdische Echo · 1931-09-16 · 38 (16.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
38 (16.9.1931)
Date
1931-09-16
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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532 Das Jüdische Echo Nr. 38 munistischer Umtriebe verdächtigt wurden. Dagegen wurde der Chef des polizeilichen Geheimdienstes von La Paz, der Hauptstadt Boliviens, samt seinem Sekretär aus dem Dienst entlassen und unter Beschuldigung der Korruption und Erpressung verhaftet. Die beiden Verhafteten hatten, auf Grund haltloser Denunziationen reaktionärer Russen gegen die polnisch-jüdischen Familien an diesen Erpressungen versucht. Die jüdische Siedlung in Hankau vernichtet S h anghai, 9. September. (JTA.) Die katastrophale Hochflut, welche Stadt und Provinz H'ankau zum großen Teil vernichtete, wobei Hunderttausende Menschen ums Leben kamen, hat auch die kleine jüdische Siedlung in der Stadt Haiikau zerstört Vor eifriger Zeit waren aus Charbin und Shanghai mehrere hauptsächlich aus Rußland stammende jüdische Emigranten nach Hankau gekommen, hatten dort verschiedene Industrie- und Handelsberufe ergriffen und manchen Zweig der Wirtschaft von Hankau zum Blühen gebracht. Diese jüdischen Kaufleute, Industriellen und Handwerker haben nun durch die Hochflut ihr ganzes Hab und Gut verloren, sind obdachlos und befinden sich gleich den übrigen Einwohnern von Hankau in einer äußerst bedrohlichen Lage, da die Rettungsaktion für die Unglücklichen durch das Steigen der Hochflut stark behindert ist. Die hebräische Universität in Jerusalem wird Lehruniversität Jerusalem, 10. September. (JTA.) Die Leitung der Hebräischen Universität zu Jerusalem veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der die Umwandlung der bis jetzt der reinen Forschungsarbeit dienenden Universität in eine Lehruniversb tät mit Beginn des kommenden Wintersemesters angekündigt wird. In den biologischen Wissenschaften und in der Abteilung für klassische Sprachen beginnt ein für vierjährige Dauer berechneter Kursus, dessen Absolventen der akademische Grad verliehen werden wird. Zu diesen Kursen werden nur hierzu qualifizierte Studierende zugelassen. In den Kursen für klassische Sprachen wird den Studierenden bei der Wahl ihrer Themen größere Freiheit gewährt werden. Das Wintersemester beginnt am 27. Oktober. Bestrafung antijjiidischer Hetze in Palästina J erusalem, 10. September (JTA.) Der Herausgeber der in Haifa erscheinenden arabischen Zeitung ,,Al Hayat“, Akram Zouiatar, wurde vom stellvertretenden Distriktskommissar Sulman zu einer Geldbuße von 100 Pfund und zur Hinterlegung zweier Garantie-Summen von je 50 Pfund für gutes Betragen in Zukunft verurteilt, weil Akram Zouiatar in seiner Zeitung Artikel gegen die Juden veröffentlicht hat, die dazu angetan sind, den Frieden im Lande zu stören. Akram Zouiatar wurde vom Sekretär der arabischen Exekutive, Auni Bey Abdul Hadi, verteidigt. Norman Bentwich kehrt nicht auf seinen Palästina-Posten zurück Jerusalem, 7. September (JTA.) Eine heute erlassene offizielle Bekanntmachung der Palästina- Regierung besagt, daß Herr Norman Bentwich, der Oberstaatsanwalt für Palästina, am 31. Oktober d. J. aus dem Regierungsdienst ausscheidet und daß sein Urlaub bis zu diesem Datum verlängert worden ist. Norman Bentwich war seit Beginn der fortschreitenden britischen Okkupation (1917) leitender Verwaltungsbeamter in Palästina und wurde unter Sir Herbert Samuel Generalstaatsanwalt und Oberster Justizbeamter. Als solcher hat er eine Neuordnung des Gerichtswesens in Palästina durchgeführt. Feuilleton Pijut Von S. M e i s e 1 s Unter den in die Gebetordnung für die Fest- und Feiertage, insbesondere für das Neujahrsfest und den Versöhnungstag aufgenommenen Gebetstücken, die zur Belebung und Verschönerung des öffentlichen Gottesdienstes beitragen sollen, nehmen die religiösen Dichtungen, „Pijutim“ genannt, eine hervorragende Stelle ein. In der hebräischen Poesie, die jahrhundertelang fast ausschließlich religiöse Poesie war, bilden die Pijutim eine ganz eigenartige Kunstdichtung. Wann die ersten Pijutim entstanden sind, kann man mit Gewißheit nicht angeben. Eine Stelle im Midrasch Wajikra läßt vermuten, daß schon im 7. Jahrhundert einige liturgische Dichtungen an die Gebetordnung angeschlossen worden seien. Leopold Zunz, der über diesen Gegenstand das Trefflichste geschrieben hat, weist nach, daß mehrere dieser religiösen Dichtungen nicht von Anfang an für die öffent; liehen Gottesdienste bestimmt gewesen waren. Die Sentenzen und Gebete einzelner verehrter Männer wurden vielmehr durch den Schüler verbreitet und im Laufe der Zeit eingeführt. Das Wort „Pijut“ (Mehrzahl: Pijutim, aus dem griechischen „poiesis“, Dichtkunst, gebildet) ist die hebräische Bezeichnung für liturgische Poesie, das heißt, für die nach einem bestimmten Versmaß abgefaßten und gereimten Gebetstücke. Die liturgische Poesie zerfällt in verschiedene Arten und Gattungen, von denen jede einzelne entweder nach ihrer Versform oder nach ihrem Inhalt oder nach ihrer Einschaltung in die alten, bereits in talmudischer Zeit formulierten Gebete die Benennung erhält. Man unterscheidet drei Hauptarten: die eigentlichen Pijutim, poetische Gebete für das Neujahrs- und Versöhnungsfest, die Selichot, die für die Bußtage bestimmten Gebete um Sündenvergebung, und die Jozerot, Schöpferhymnen, poetische Gebete für die drei Erntefeste (diese Hymnen werden „Jozerot“ genannt, weil sie an die Benediktion „jozer or“ anschließen). Von den einzelnen Gattungen der Pijutim heißen: die Eröffnungsstücke Peticha, Eröffnung, oder Reschut, Erlaubnis; die Wechsellieder, deren Vers und Refrain abwechselnd vom Vorbeter und der Gemeinde vorgetragen wird, Pismon, Rezitation, und die von der Opferung Isaaks handelnden Selichot, Akeda, Opferung. Zu den bekanntesten Pijutim zählen die Aboda, Opferdienst, liturgische Stücke, die den feierlichen Tempeldienst am Versöhnungstage schildern, und die Hoschanot, Hilferufe, das sind Gebete, in denen die Hilfe Gottes mit dem oft wiederkehrenden Refrain „Hoscha-na“ (Hilf doch!) angerufen wird. Von andern poetischen Gebetstücken wären zu nennen: Techina, Andacht, Bekascha, Bitte, Tochacha, Mahnung zur Buße, Widuj, Sün'denbekenntnis, und Siluk, Schluß;

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