Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 38 (16.9.1931)
- Date
- 1931-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 531 rnittee, Joint Foreign Committee, Alliance Israelite Universelle stehend, stets aktionsbereit war und in Osteuropa und im Orient eine vielseitige Tätigkeit entfaltet hat. Joseph Kessel lebensgefährlich verunglückt. Paris, 1. September (JTA.) Der hervorragende französisch-jüdische Romanschriftsteller Joseph Kessel ist bei einem Autounfall auf der Straße von Vendome nach Saint-Amand lebensgefährlich verletzt worden. Kessel wurde 1898 in der argentinisch-jüdischen Kolonie Clara geboren. Eine Anzahl seiner Romane schildert das Leben der russisch-jüdischen Emigranten in Paris Nahum Sokolow wieder in London London, 10. September. (JTA.) Herr Nahum Sokolow, der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, ist von seiner Erholungsreise nach London zurückgekehrt, um hier die Feiertage zu verbringen und sich dann nach Palästina zu begeben. Nach einem kurzen Palästina-Aufenthalt wird Sokolow seine schon früher geplante Reise nach Amerika antreten. Herr Sokolow hatte ursprünglich die Absicht, zu den Feiertagen nach Palästina zu reisen, allein im Hinblick auf den Regierungswechsel in England hat er es vorgezogen, vor seiner Palästina- und Amerika- Reise sich eine kurze Zeit in England aufzuhalten. Die englischen Zionisten bereiten eine Kundgebung zu Ehren Sokolows vor. Wird der Palästina-Anleiheplan zurückgestellt? L o n d o n , 4. September. (JTA.) Die Zeitung „Jewish Chronicle“ befaßt sich mit den Gerüchten, wonach die neue englische Regierung entschlossen sei, den palästinensischen Anleiheplan bis auf weiteres zurückzustellen, und glaubt, auf Grund verläßlicher Informationen diese Gerüchte bestätigen zu können. Die Nationale Regierung, schreibt die Zeitung, halle es im Hinblick auf die gegenwärtige Finanzkrise Großbritanniens für untunlich, jetzt eine Anleihe von 2Lj Millionen Pfund für Palästina zu plazieren. „Jewish Chronicle“ erfährt weiter, daß die von der Anglo Moslem Association für den 2. November, den Jahrestag der Balfour-Deklaration, nach der Albert Hall einberufene antizionistische Kundgebung eine neue antizionistische Kampagne der proarabischen Parlamentsmitglieder in der Öffentlichkeit einleilen wird. Die Zeitung bemerkt mit Bedauern, daß die Propaganda der proarabischen Parlamentsmitglieder die der zionistenfreundlichen Parlamentsmitglieder bei weitem übertreffe. 235 jüdische Freiheitskämpfer in Lettland erhalten Siedlungsland Riga, 7. September (JTA.) Die Regierung Lettlands, die im Rahmen der Agrarreform den Teilnehmern an den lettländischen Freiheitskämpfen Siedlungsland zur Verfügung gestellt hat, hat auch 235 Juden, die an den Freiheitskämpfen Lettlands teilgenommen haben, mit Siedlungsland bedacht. Insgesamt haben 600 jüdische Freiheitskämpfer das Ersuchen gestellt, sie auf dem Lande anzusiedeln. Da aber die Bodenverteilung demnächst abgeschlossen sein wird, werden wohl kaum 300 jüdische Freiheitskämpfer mit Siedlungsland bedacht worden sein. Man erwartet, daß die Regierung jenen 300 jüdischen Freiheitskämpfern, die bei der Bodenverteilung leer ausgegangen sind, eine Abfindung zahlen wird. Rosch-Haschanah-Botschaft des Präsidenten Hoover an die Juden der Vereinigten Staaten Washington, 11. September. (JTA.) Die Jüdische Telegraphen-Agentur, Neuyork, verbreitet die folgende Botschaft des Präsidenten Herbert Hoover an die Juden der Vereinigten Staaten aus Anlaß des Jüdischen Neujahrsfestes: „Rosch K'aschanah“, das jüdische* Neujahr, ist die passende Gelegenheit, sich der Beiträge eines alten Volkes an die heutige Welt zu erinnern. Jüdische Leistungen und jüdischer Idealismus sind unauslöschbar in das Buch der Zeit geschrieben. Durch die Jahrhunderte bis auf unsere Zeit floß von den Juden her ein ununterbrochener Strom der Bereicherung des geistigen und kulturellen Lebens in der Welt. In den Handel, die Künste, die Philanthropie, das Staatsleben und vor allem in die Evolution des geistigen Lebens der Menschheit hat die jüdische Rasse Elemente der Kraft, Schönheit und- Toleranz hineingetragen, die zum gemeinsamen Erbteil aller Menschen geworden sind. Aus Anlaß des glücklichen Festes, das jetzt gefeiert wird, habe ich das Bedürfnis, den jüdischen Bürgern meine herzlichste Gratulation und meine innigsten Wünsche für das kommende Jahr auszusprechen. Dreitägige Beratung zwischen Louis Brandeis und Emanuel Neumann Neuyork, 3. September. (JTA.) Oberstrichter Louis Brandeis, unter dessen geistiger Führung die gegenwärtige Leitung der amerikanischen Zionistischen Organisation steht, hat Herrn Emanuel Neumann der von dem Zionistenkongreß in Basel in die neue Zionistische Exekutive als Repräsentant des amerikanischen Zionismus gewählt wurde, auf seinen Sommersitz in Chatham eingeladen, um mit ihm die gegenwärtige Situation im Zionismus und die Probleme, denen die neue Zionistische Exekutive heute gegenübersteht, zu besprechen. Die Beratung dauerte drei Tage. Herr Emanuel Neumann hat seine Absicht, sieh im Hinblick auf die neue Situation im Zionismus im Zusammenhang mit dem Regierungswechsel in England sofort nach London zu begeben, nicht ausführen können; er wird durch verschiedene Umstände in Amerika zurückgehalten, wobei auch die Frage der künftigen Führerschaft in der amerikanischen Abteilung des Jüdischen Nationalfonds, dessen Präsident Neumann bisher gewesen ist, und die Vorbereitungen für die Keren Hajessod-Kampagne anläßlich der hohen jüdischen Feiertage eine Rolle spielen. Obwohl Emanuel Neumann als „Brandeisist“ gilt, genießt er auch das Vertrauen und die Unterstützung jener amerikanischen Zionisten, die zu der gegenwärtigen Brandeis-Mack-Administration in Opposition stehen. So hat z. B. der Neuyorker Zionistische Distrikt, dessen Präsident Louis Lipsky, der Führer der jetzigen Opposition, ist, Emanuel Neumann aus Anlaß seiner Wahl in die Zionistische Exekutive einen öffentlichen ehrenden Empfang gegeben. Zurücknahme der jüdischen Ausweisungen aus Bolivien Buenos Aires 10. September. (JTA.) Die Regierung Boliviens hat die gegen eine Anzahl jüdischer Familien, die aus Polen eingewandert waren, ausgesprochene Landesverweisung zurückgenommen, nachdem es sich erwiesen hat, daß diese jüdischen Familien sehr zu unrecht kom-