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Das jüdische Echo · 1931-09-11 · 37 (11.9.1931) · p. Seite 520

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
37 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
Seite 520 (sequence 8)
Language
German
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520 Das Jüdische Echo Nr. 37 siebentes Dominion zu wirken. Nach Erscheinen des Passfield-Weißbuches hat Wedgwood die Liga zum Zeichen des Protestes gegen das Weißbuch aufgelöst. Sir Robert Hamilton sollte seinerzeit in die Shaw-Kommission als liberales Mitglied eintreten, aber wegen seines bekannten Eintretens für die strikte Durchführung des Planes des Jüdischen Nationalheims seitens Englands und wegen seiner sonstigen oft geäußerten Sympathien für das jüdische Aufbauwerk hielt man es nicht für tunlich, ihn als Mitglied der Shaw-Kommission nach Palästina gehen zu lassen. Malcolm Macdonald ist als Unterstaatssekretär für die Dominions in die neue englische Konzentrationsregierung eingetreten. Malcolm Macdonald, der Sohn des Ministerpräsidenten Ramsav Macdonald, trat von je für aktive Förderung des Aufhaus des jüdischen Nationalheims seitens Englands ein. Im Verlauf der Krise in den letzten Verhandlungen zwischen der Leitung der Zionistischen Organisation und der englischen Regierung als Folge des Passfield-Weißbuches im Oktober 1930 hat sich Malcolm Macdonald wiederholt als Vermittler betätigt und arrangierte als solcher direkte Aussprachen zwischen Dr. Weizmann und dem Ministerpräsidenten Macdonald sowie anderen Mitgliedern der Regierung. ❖ Die neue Regierung enthält nunmehr eine ganze Reihe von Freunden des Zionismus und man darf wohl hoffen, daß zionistische Probleme in freundlicherem Geiste behandelt werden als bisher. Aus der jüdischen Welt Vier jüdische Selbstmorde in Berlin an einem Tage Berlin, 2. September (JTA.) Die Stimmung der Verzweiflung, von der weite Kreise der Juden in Deutschland infolge der Wirtschaftsnot erfaßt sind, drückt sich in einer Erhöhung der Zahl der Selbstmorde von Juden in Berlin wie im Reiche aus. In den letzten 24 Stunden wurden in Berlin vier jüdische Selbstmorde gezählt. Großes Aufsehen erregte der Selbstmord des 44jährigen Bankiers Joseph Molling, Leiters des Bankgeschäftes A. Molling in der Lennesstraße, der sich in einem Körperpflegeinstitut am Kurfürstendamm Ecke Rankestraße von der obersten Etage des Hauses in den Lichtschacht hinabstürzte. In ihrer Wohnung Schützallee 45 in Zehlendorf wurde die 38järhige Frau Erna Gerson und ihre 11jährige Tochter Ruth mit Gas vergiftet tot aufgefunden. Unheilbare Leiden und immer unerträglicher werdende wirtschaftliche Not trieben die unglückliche Frau in den Tod. Der 42jährige Dentist Manfred Katz verübte Selbstmord durch Erhängen. Katz sollte aus seiner Wohnung in der Danziger Straße 72 exmittiert werden. Berlin, 7. September (JTA.) Die jüdische Selbstmordchronik Berlins ist nun durch eine weitere Tragödie bereichert worden. Zwei greise Schwestern, die 60 Jahre alte Fanny Lippschitz und ihre 72jährige Schwester Emma, versuchten in ihrer Wohnung, in der sie eine kleine Kunsthandlung betrieben, ihrem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende zu bereiten. Aus Briefen geht hervor, daß die Schwestern durch wirtschaftliche Sorgen zu der Tat getrieben worden sind. Die Synagoge von Grünsfeld abgebrannt. Karlsruhe, 7. September (JTA.) Einem Brande, dessen Ursachen bis jetzt noch nicht geklärt werden konnten, ist die Synagoge in Grünsfeld bei Tauberbischofsheim zum Opfer gefallen. Die Gemeinde hatte sie erst vor drei Jahren unter großen Opfern restaurieren lassen. Da das Feuer in den frühen Morgenstunden ausbrach und die Löscharbeit etwas spät einsetzte, sind nur noch die Grundmauern des Baues übrig geblieben. Eine junge Frau und zwei alte Männer bargen unter Lebensgefahr die Thorarollen. Finanzministerium gewährt keine Zollermäßigung für Lulowim Berlin, 2. September (JTA.) Das Reichsfinanzministerium hat in früheren Jahren den Zoll auf Palmen und Myrthen für jüdisch-ritualen Gebrauch am Sukkoth-Fest von 250 Mark auf 75 Mark pro 300 Kilogramm herabgesetzt. In diesem Jahre hat das Finanzministerium diese Ermäßigung verweigert. Trotzdem eine besondere Kommission in Berlin vorstellig wurde, wurde die Ermäßigung mit der Begründung abgewiesen, daß in der heutigen Zeit Ausnahmebestimmungen nach dieser Richtung hin nicht mehr erlassen werden können. Plenarsitzung der Executive der Agudas jisroel in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. 1. Sept. (JTA.) Am 30. und 31. August fand eine Sitzung der Executive der Agudas Jisroel statt. Gegenstand der zweitägigen Verhandlungen waren, abgesehen von den Regularien (Vorlage des Kassenberichtes, Finanzierung für die nächste Zeit, Organisationsfragen) die wichtigsten Probleme der Agudo-Arbeit in Erez Jisroel und in der Diaspora. In ersterer Hinsicht beschäftigte sich die Leitung mit den nunmehr erneut eingeleiteten Schritten, die öffentlich-rechtliche, paritätische Anerkennung der orthodoxen Gemeinden im Heiligen Lande neben der Knesseth Jsrael als eine Forderung der Gerechtigkeit und Gewissensfreiheit bei den zuständigen Stellen und gegebenenfalls beim Völkerbund zu erwirken. In Verbindung hiermit kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den beiden in der Agudo-Leitung vorhandenen Strömungen hinsichtlich einer politischen Zusammenarbeit mit den Organen der Knesseth Jsrael und der Zionistischen Organisation bezw. der Jewish Agency. Das Ergebnis der Abstimmung war der Beschluß, hinsichtlich der Frage dieser Zusammenarbeit kein allgemein gültiges Prinzip aufzustellen, sondern von Fall zu Fall unter maßgebender Mitwirkung der obersten rabbinischen Leitung zu entscheiden. Die anti-religiöse Kampagne aus Anlaß der kommenden jüdischen hohen Feiertage bleibt wirkungslos Moskau, 1. September (JTA.) Laut den aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion in Moskau eintreffenden Berichte verläuft die große antireligiöse Kampagne der Apikorsim-(Atheisten-) Zirkel gegen die Abhaltung der jüdischen hohen Feiertage überall ohne Wirkung. Die jüdischen Massen in den größeren und kleineren Städten nehmen von der anti-religiösen Agitation keine Notiz, die Atheisten-Zirkel selbst sind äußerst lau und begnügen sich damit, die vom Hauptquartier der Atheisten-Liga gelieferten anti-religiösen Flugblätter und Plakate zu verbreiten. Vier jüdische Stadträte in Amsterdam Amsterdam, 3. September (JTA.) Die Stadtverordnetenversammlung von Amsterdam wählte sechs neue Stadträte, davon sind vier Juden und zwar drei Sozialisten und ein Radikaler.

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