Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 37 (11.9.1931)
- Date
- 1931-09-11
- Page
- Seite 521 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 521 Der älteste Stadtrat, Herr S. Rodrigues de Miranda, wurde Vizebürgermeister von Amsterdam. Es ist dies das erste Mal, daß ein Jude in Amsterdam diese Funktion bekleidet. Bolivien weist Juden aus New York, 7. September (JTA.) Herr Alfred M. Cohen, der internationale Präsident des Ordens Bnei Brith, hat aus Bolivien ein Telegramm erhalten, in welchem mitgeteilt wurde, daß die Regierung Boliviens eine Anzahl Juden auf Grund einer Denunziation reaktionär gesinnter russischer Einwanderer, daß sie sich kommunistisch betätigen, des Landes verwiesen hat. Es wurde ihnen eine btägige Frist zur Ordnung ihrer Angelegenheiten gelassen. Da es sich um polnische Juden handelt, hat die Förderation polnischer Juden in Argentinien die polnische Gesandtschaft in Buenos Aires ersucht, gegen die Ausweisung der unschuldig kommunistischer Umtriebe Verdächtigten bei der Regierung Boliviens zu intervenieren. Schaukat Ali wieder in Palästina Jerusalem, 2. September (JTA.) Der Führer der indischen Moslems, Schaukat Ali, der vor einigen Monaten aus Anlaß der Bestattung seines Bruders Mihammed Ali in Palästina geweilt und zur Durchführung einer antizionistischen Kampagne das Land bereist hat, ist am 1. September wieder in Jerusalem eingetroffen. Er hatte in Cairo die Reise von Indien nach London, wo er an der englisch-indischen Round Table Konferenz teilnehmen wird, unterbrochen, um mit seinen Freunden in Palästina Zusammentreffen zu können. Auf dem Jerusalemer Bahnhof wurde er von mehreren arabischen Notabein begrüßt. Am 6. September begibt er sich wieder nach Cairo, um an Bord der „Rajputana“, mit der auch Ghandi reist, die Reise nach London fortzusetzen, ln London wird Schaukat Ali, wie schon mitgeteilt, am 2. November, dem Jahrestage der Balfour-Deklaration, an der Demonstration der „Anglo Moslem Association“ in der Albert Hall gegen den Zionismus als einer der Hauptredner teilnehmen. Chancellor hat Palästina verlassen Jerusalem, 2. September (JTA.) Der bisherige High Commissioner Sir John Chancellor, hat sich heute im Sonderzug von Jerusalem nach Haifa begeben, von wo er sich am Abend nach England eingeschifft hat. Auf dem Jerusalemer Bahnhof fand ein Abschiedszeremoniell statt, an dem von jüdischer Seite das Mitglied der Zionistischen Executive Dr. Chaim Arlosoroff und das führende Mitglied des Waad Leumi und der Histadruth Ben Zwi offiziell teilnahmen. Während des Zeremoniells kreisten neun Äroplane zu Ehren des scheidenden High Commissioners über dem Bahnhof. Feuilleton flus dem Traktat Rosch Haschanah im Babylonischen Talmud Gewählt und berichtet von F ritz R o s e n l h a 1 F in d e r G e in e i n s c h a ft will e n ln den Tagen, da die Lehre noch von Javne ausging, 'entbrannte ein Lehrstreit zwischen Rabbi .Joschuah und dem Rabban Gamliel: beide hatten Tag und Stunde der Hochheiligen Feste "berechnet und waren zu verschiedenerlei Ergebnis gekommen. Es war aber der Rabban Gamliel der Fürst des Gerichts dieser Zeit und so befahl er Rabbi Joschuah, er sollte am Tage, da nach seiner Berechnung Sühnetag sei, mit Wanderstab und Geld vor ihn hintreten. 'Der Befehl lastete schwer auf Rabbi Joschuahs Seele und er saß in tiefer Trauer auf der Erde. So traf ihn Rabbi Akiba an, der zu ihm gekommen war, um ihm allerlei Tröstliches aus der Schrift zu sagen. Und Rabbi Akiba bub an zu sprechen und also war seine Rede: „Ich will Dir aus der Thora Gottes beweisen, daß es recht und richtig ist, den Sühnetag mit der Gemeinschaft Israels zu begehen — selbst wenn sie sich in der Berechnung irrte. So steht geschrieben: ,I)ies sind die Gezeiten des HERRN, Heilige Ausrufungen, die Ihr ausrufen sollt bei eurer Zusammenkunft/ — gleichviel ob zur rechten oder Unrechten Zeit.“ Und da er noch redete, gesellte sich Rabbi Dosa ben Arkino zu und auch er tröstete Rabbi Joschuah, indem er sprach: „Wahrlich, wolltest Du Rabban Gamliels Gerichtshof überprüfen, so jniißtest Du alle Gerichtshöfe Israels seit dem Tage Mosehehs nachprüfen — und die Welt käme aus ihrer Ordnung.“ Da erhob sich Rabbi Joschuah, nahm Wanderstab und Geld zur Hand und zog nach Javne, um an dem Tage, da er vermeinte es sei Sühnetag, vor Rabban Gamliel hinzulreten. Der erhob sich, umarmte und küßte Rabbi Joschuah und rief: „Tritt ein im Frieden mein Meister und Schüler: mein Meister an Gollesgelehrsamkeit; mein Schüler, weil Du meine Worte nicht verwarfest und Dich ihnen fügtest. Wohl dem Geschlecht, in dem Große den Kleinen — und wie viel mehr Kleine den Großen um der Gemeinschaft willen dienen.“ Der J u 1) e 1 s a n g Einst trugen die Schüler des Rabbi Abahu ihren Meister, warum man am Neujahrsfest und am Sühnetag keinen Jubelgesang singe. Und Rabbi Abahu erwiderte ihnen: Sehet ihr gleichet den Boten des Diensls, die da vor dem HEILIGEN — er sei gesegnet —■ traten und ihm dieselbe Frage vorlegten. Und er sprach zu den Boten des Diensfs: Wäre es denn füglich, während der König der Welt auf seinem Throne sitzt und das Buch des Lebens und des Todes auf seinen Knieen aufgeschlagen liegt, um der Menschen Namen darin aufzuzeichnen — sein Volk Israel ihm lobsänge?! I) a s V e r dienst d e r V ä t e r Als seine Schüler Rabbi Abahu trugen, warum man am Neujahrsfeste gerade in ein Widderhorn stoßen müsse, antwortete er ihnen: Der HEILIGE — er sei gesegnet — spricht: Stosset vor mir in des Widders Horn, damit ICH eingedenk bin eures Vaters Abraham, der mir seinen einzigen Sohn Jizchak darbringen wollte — und da es ihm mein Bote wehrte, ergriff er einen Widder, der sich in einer nahen Hecke feslgerannt hatte, und metzle ihn statt seines Sohnes. Stosset vor mir in des Widders Horn und ich will es euch anrechnen; als hättet ihr euch auf die Schlachlslatt binden lassen — gleich Jizchak — und wäret bereit gewesen, mir euer Liebstes zu opfern — gleich Abraham. Y o m v e r b o r g e n e n S i n n der S c h rif t In der Legende um Hagar, die am Neujahrsfest aus der Thora Gottes verlesen wird, heißt es: Gen. XXI. 17 „Denn Gott hörte des Knaben Stimme so wie er eben da war“. Rabbi Jizchak deutete den verborgenen Sinn dieser Stelle: aus dem „so wie er eben da war“ mußt du entnehmen, daß der HEI¬ LIGE — er sei gesegnet — den Menschen nur nach seinen jeweiligen Verdiensten und Sünden richtet.