Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 37 (11.9.1931)
- Date
- 1931-09-11
- Page
- Seite 517 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 517 Zufall, daß diesen Fest gerade am Schabbalh Nizavim slaiIfinde, an dem es uns Juden zur Pflicht gemacht. werde, am Worte Gottes festzuhallen. Dieser Pflicht seien für ihren Kreis durch den Synagogenhau gerade die Osljuden nachgekommen, die immer und so auch in München vor Jahrzehnten schon, sich in landsmannschaftlichen Kreisen zum Gehet zusammengefunden hätten. Diese Vereinigung im landsmannschaftlichen Kreise widerspreche nicht dem Gedanken der jüdischen Einheit. Jenen Männern, den Begründern der ersten Bethausvereine, die zum Teil diesen Tag noch miterlehen könnten, der eine Frucht ihrer hingebungsvollen Arbeit sei, schulde man heute und immer größte Dankbarkeit. Wenn in einer Zeit, in der die Gemeinde nicht wachse, sondern zurückgehe, ein neues ' Gotteshaus gebaut worden sei, so erhelle daraus der zähe Lebenswille unseres Volkes, und diesen Bau, so sehr im Vergangenen wurzeln müsse, habe doch vor allem den Willen und die Bestimmung, der jüdischen Zukunft zu dienen, an den Aufgaben der jüdischen Gegenwart und Zukunft milzuarbeilen, um das jüdische Volk seiner Erlösung entgegenzuführen, die sich in Erez-Israel vorbereite und an der mitzuarbeiten Aufgabe jedes Juden sei. Nunmehr dankte Herr Karl Wiesel namens der Vereine all denen, die das Fest zu verschönern geholfen hatten, im besonderen dankte er auch dem Architekten, Herrn Diplomingenieur Gustav Meyerslein, nochmals für die überaus würdige und schöne Ausführung des Baues. Psalm 30, von Herrn Kantor Davidovics mit prächtiger Stimme und ganzer Seele gesungen, Chorgesang und das Mussafgebet schlossen die einfache, aber begeisterte und begeisternde Feier ah. Kundgebungen zu Rosch Hascbanah Aufruf der Executive der Jewish Agency zu einer Notaktion für Palästina. London, 7. September. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency erläßt den folgenden Aufruf: „An die Juden der Welt! Trotz der außerordentlich schweren Wirtschaftskrise, von der die Juden in allen Ländern betroffen sind, hält es die Jewish Agency für ihre Pflicht, in einer Zeit der Not an die jüdische Öffentlichkeit vertrauensvoll ein offenes Wort über die Lage in Palästina zu richten: Unsere schwer errungenen Positionen in Erez-Israel sind infolge des Versagens der normalen finanziellen Eingänge in letzter Zeit in ernste Gefahr geraten und zwingen uns, an die gesamte Judenheil wegen einer außerordentlichen Aktion, eines Notopfers für Palästina zu appelieren. Nichts liegt uns ferner, als durch Hervorhebung des gegenwärtigen schweren Moments das Bild der jüdischen Schöpfungen in Erez-Israel zu verzerren. Das Aufbauwerk in Palästina ist bis auf die jüngste Zeit stetig vorangeschritten. Seihst in einer Zeit wirtschaftlicher Katastrophen in der ganzen Well, in einer Zeit, in der das Judentum in allen Ländern der Diaspora an seinen wirtschaftlichen Positionen Einbuße erleidet, hat der Aufhauwille des palästinensischen Jischuw trotz politischer Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet Großes geschaffen: In der Landwirtschaft ist die Konsolidierung unserer Siedlungen fortgeschritten. Noch eine letzte Anstrengung ist nötig, um diese Kolonien, in denen die Erfahrungen einer langen Aufhauperiode ihren Ausdruck finden, vollständig unabhängig zu machen. ln der Küstenebene, dem Zentrum des Orangenbaus, dehnt sich der jüdische Besitz mehr und mehr ans. Die Verwurzelung des Juden mit dem Boden, die Rückkehr des Juden zur Landwirtschaft ist turnte eine vollzogene Tatsache. Hand in Hand damit hat sich die städtische Siedlung entwickelt. Gestützt auf die Bedürfnisse des landwirtschaftlichen Hinterlandes, aber auch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Nahen Ostens, entsteht eine vielversprechende junge Industrie, die sich * einen inneren und äußeren Markt zu erobern beginnt. Große Perspektiven eröffnen sich für die Zukunft. Hafenbau und Ölleitung, die neuen Bahnverbindungen nach dem Irak und nach Syrien stellen Palästina in das Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung im Vorderen Orient. So ist unser Jischuw von Jahr zu Jahr erstarkt und bereitet sich darauf vor, die Erfüllung seiner sozialen und kulturellen Aufgaben, mit denen er nicht nur sich, sondern der gesamten jüdischen Well dienen will, auf eigene Schultern zu nehmen. Dies alles — die Errungenschaft unendlicher Mühen und heroischer Opfer — ist jetzt in äußerster Gefahr. Die große historische Arbeit der Jewish Agency ist heute aufs schwerste bedroht, weil die materiellen Leistungen einzelner Judenheilen für Palästina, durch die kritischen Verhältnisse der betreffenden Länder beeinflußt, in den letzten Monaten katastrophal zurückgegangen sind und eine klaffend«1 Lücke in die Finanzen unserer Aufbauarbeit geschlagen haben. So kann unser Werk in Palästina auf Jahre zurückgeworfen werden, während gerade diese Jahre von entscheidender Bedeutung sind und Vervielfältigung unserer Anstrengungen erfordern. Ungeachtet aller Opfer ist die Lage der Kolonien und der Dörfer noch sehr ernst. Wohl fehlt nur weniges, um unsere Siedlungen wirtschaftlich unabhängig zu machen. Gelingt es aber nicht, in der allernächsten Zeit die notwendigen Mittel bereitzustellen, so werden wichtige Punkte, die heule noch im Ausbau begriffen sind, vor der Gefahr des Verfalls und des Zusammenbruchs stehen. Die Einwanderung nach Palästina, die wir unaufhörlich fordern, und die für die jüdischen Massen von solcher Tragweite ist, müßte aus Mangel an Mitteln aufhören. Unser Schulwesen, das stärkste Bollwerk einer neuen jüdischen Jugend, die unentbehrliche Voraussetzung für die Belebung der hebräischen Sprache, geriete ins Stocken. Daher wendet sich die Jewish Agency — in voller Erkenntnis der schwierigen Situation jedes Einzelnen — an die jüdische Welt mit der Forderung, in dieser ernsten Stunde durch ein außerordentliches Notopfer unsere wirtschaftliche und kulturelle Position in Erez Israel zu sichern. Die Jewish Agency benötigt bis Ende September außerhalb der regulären Einnahmen des Keren Hajessod einen Minimalbetrag von 100 000 Pfund. Diese Summe kann — wenn auch unter großen Schwierigkeiten — ausreichen, die außergewöhnlich gefährliche Situation, in der sich das Paläslinawerk befindet, zu überbrücken. Juden! Wir erwarten von jedem, daß er — eingedenk dessen, was auf dem Spiel steht, unserer Aufforderung sofort Folge leistet. Viele Zehntausende jüdischer Männer und Frauen haben ihr Leben dem Wiederaufbau Palästinas gewidmet. Schon ist eine Leistung gelungen, die uns mit Stolz und eine fortschrittliche Welt mit Anerkennung und Bewunderung erfüllt. Dieses konstruktive historische Werk soll erhalten und fortgesetzt werden, um unseres Seins und unserer Geltung willen. Von Euch und Eurer Opferfreudigkeit wird Fortschritt oder Stillstand abhängen. In diesem Moment