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Das jüdische Echo · 1931-09-04 · 36 (4.9.1931) · p. Seite 507

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
36 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
Seite 507 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 507 meinde. Eine lebhafte Aussprache entspann sich über die Nachteile und Gefahren, die den Gemeinden durch die Austrittsmöglichkeit auch aus steuerlichen Gründen erwachsen können. Der Satzungsentwurf des gesetzestreuen Landesverbandes sucht durch Einzelbestimmungen mißbräuchliche Anwendung des Austrittsrechtes zu verhindern. Der vorgelegte Kassenbericht weist unter Einnahmen und Ausgaben einen Betrag von ca. Mk. 80 000.— nach. Unter den Ausgaben befinden sich die Unterstützungen für Organisationen und Institute (Rabbimerseminar - Berlin, Jeschiwah- Frankfurt, Lehrerseminare in Köln und Würzburg), für Beamte und deren Hinterbliebene, insbesondere auch Stipendien zur Ausbildung von Lehrern und Ritualbeamten. Der vorgelegte Haushaltplan für das Rechnungsjahr 1931/32 schließt mit Berücksichtigung der wirtschaftlichen Krisis und mit Rücksicht auf die Verminderung der Staatsbeihilfen mit einem um Mk, 6000.— verminderten Gesamtbeträge. Auf Antrag des Vorstandes wird beschlossen, dieselbe Quote wie im vergangenen Jahre als Jahresbeitrag sowohl für Volksschulgemeinden als für Nicht-Volksschulgemeinden für die Jahre 1931/32 und 1932/33 zu erheben. Der Bundesvorstand wird wiedergewählt. Aus dem Verbandsvorstande treten zwei Mitglieder aus, an ihrer Stelle werden gewählt die Herren Rabbiner Dr. Cahn-Fulda und Jonas Wolf-Köln. Eine Jüdische Notstandsküche in Frankfurt a. M. F r a n k f u r t a. M., 31. August. (JTA.) Am 7. September wird hier durch die Jüdische Wohlfahrtspflege eine Notstandsküche eröffnet werden, die in erster Reihe zur Speisung der erwerbslosen Bevölkerung dienen soll. Der Preis für eine warme Mahlzeit beträgt 10 Pfg. Es wird pro Person 1 Liter Speise, im allgemeinen ein sogenanntes „Eintopfgericht“, verausgabt. Die Herstellung erfolgt in der Küche des Gemeindekrankenhauses in der Gagernstraße, die Verteilung in den Räumen des früheren Gemeindehospitals, Königswarlerstraße. Mit Beginn des Winters sollen noch einige weitere Verteilungsstätten eingerichtet werden. Vorerst wird eine tägliche Menge von 300 Litern verausgabt werden, die nach Bedarf steigen soll. Tagung des Jüdischen Lehrervereins in Ansbach. Ansbach, den 31. August. Am Sonntag, dem 30. und Montag, dem 31. August, fand in Ansbach eine Tagung des Jüdischen Lehrervereins statt, die dort aufs herzlichste aufgenommen wurde und von etwa 60 Lehrern besucht worden war. Die Verhandlungen standen auf sehr hohem Niveau und der ganze Aufbau der Referate sowie die anschließende Diskussion zeigten eine rühmliche geistige Höhe. In erster Linie ist dies dem Führer Rosenfeld-München zu danken. Er verstand es in mustergültiger, straffer und doch durchaus konzilianter Weise die Verhandlungen zu leiten, Gegensätze in nie verletzender Weise auszugleichen. Sein Jahresbericht zeichnete sich durch einfache, klare Sprache, übersichtlichen Aufbau und herzlichen, fesselnden Vortrag aus. Adler- München, der eifrige Schriftführer, gab am Sonntag in seinem Referat: „Zur rechtlichen Stellung des jüdischen Lehrers, der jüdischen Schule, des jüdischen Religionsunterrichts“ Bausteine für die gesetzliche Grundlage unseres Berufs und wußte die an sich trockene Materie der Paragraphen interessant zu gestalten. Am Montag behandelten die beiden Referenten J. Kissinger-München und Liffgens-Memmingen in tief schürfenden und geistig hoch gehaltener Weise das Thema: „Die erzieherische Bedeutung des Religionsunterrichts.“ Über den Inhalt der beiden Referate wird an anderer Stelle berichtet werden. Die anschließende Diskussion, namentlich die Ausführungen der Herren Hirnheimer-Würzburg und Bezirks-Rabbiner Dr. Munk-Ansbach, beleuchtete und ergänzte in geradezu meisterhafter Weise das vorher Gehörte. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit lauschte die Versammlung den Verhandlungen. In einer Frage herrschte volle Einmütigkeit: Die Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts verlangt neben der Beherrschung des Stofflichen eine solch hohe psychologische Ausbildung und pädagogische Rutine, daß die Anstellung nicht seminaristisch oder akademisch vorgebildeter Religionslehrer unter allen Umständen bekämpft werden muß. Wollen wir Lehrer das Judentum fördern und die uns anvertrauten Jugendlichen mit religiösem Wissen ausrüsten und den Grundstein für religiöses Bekennen legen, dann ist gerade der beste Lehrer gut genug. Der aber muß seine Pflicht ganz tun, rastlos in den heiligen Büchern „lernen“ und sich wissenschaftlich auf dem Laufenden halten. Die 50. Mitgliederversammlung in Ansbach bedeutet sicher eine beachtenswerte Etappe des Aufstiegs des jüdischen Lehrervereins für Bayern. Einweihung einer neuen Synagoge in Hamburg. Hamburg, 30. August. (JTA.) Die Einweihung des neuen Tempels des Israelitischen Tempelverbandes in Hamburg wurde am Sonntag, dem 30. August, in eindrucksvoller Weise vorgenommen. An den Feierlichkeiten, die schon am Sonnabend, dem 29. August, mit einem Abschiedsgottesdienst im alten Tempel in der Poolstraße ihren Anfang nahmen, beteiligten sich hervorragende Führer des liberalen Judentums in Deutschland, Vertreter der Behörden und ein zahlreiches Publikum. Bei dem am Sonnabend, dem 29. August, vormittag, im alten Tempel abgehaltenen Abschiedsgottesdienst hielt Rabbiner Dr. Bruno Italiener die Festrede. Der in einem neuartigen Sakralbaustil errichlete Tempel ist in seiner schlichten, klaren Linienführung trotz Verwendung einfachsten Materials von monumentaler architektonischer Wirkung. Von der Vereinigung der eigentlichen Synagoge, der Schule und der Geschäftsräume im gleichen Gebäude versprechen sich1' die jüdisch-liberalen Kreise Hamburgs den Beginn eines intensiven Gemeindelebens, das bisher in Hamburg vermißt wurde. Während der alte Tempel nur 700 Plätze enthielt, umfaßt der Haupttempel des neuen Gebäudes über 1200 Plätze. Es ist bemerkenswert, daß trotz dieses großen Fassungsraumes und der künstlerisch vollendeten Ausstattung des Neubaus die Baukosten ohne Baugrund nicht ganz 550 000 Mark betragen haben. Wirtschaftlicher Niedergang des lettländischen Judentums. Riga, 28. Augusl. (JTA.) Die vor kurzem veröflentliehten offiziellen Ziffern der letzten Volkszählung in Lettland zeugen von dem wirtschaftlichen Niedergang des lei (ländischen Judentums. Noch vor fünt Jahren hatten die Juden in Lettland ein Übergewicht im Handel, heule haben sie nicht nur dieses Übergewicht eingebüßl, sondern ihre ganze wirtschaftliche Position hat eine erhebliche Schwächung eriahren. Während der Anteil der Juden am Handel um volle 10 Prozent gesunken ist, stieg der Anteil der nicht jüdischen lettländischen Bevölkerung im Handel um die gleichen 10 Prozent. In der Industrie

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