Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- Seite 505 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 505 Das Jüdische Echo sonnenen älteren arabischen Führer gegen die ungezügelte Propaganda der jugendlichen Elemente bemerkbar. Die friedliche arabische Bevölkerung verurteilt die Ausschreitungen in der Stadt; insbesondere sind die strenggläubigen Moslems darüber erbittert, daß auch Frauen an den Straßenkundgebungen teilgenommen und Steine gegen die Polizei geschleudert haben. Es ^ird erwartet, daß die Mißstimmung in den Kreisen der älteren orthodoxen Mohammedaner eine Gegenbewegung gegen die extremen Nationalisten auslösen werde mit dem Ziel, die jugendlichen Heißsporne endgültig zur Ruhe zu bringen. Weitere zwanzig Personen, die; Avegen Teilnahme an den Ausschreitungen in Nablus verhaftet worden ' sind, wurden ins Untersuchungsgefängnis nach Jerusalem gebracht. Die bei den Straßenkämpfen Verwundeten sind in Jerusalemer Spitäler eingeliefert worden. Die arabische Exekutive hat am Montagnachmittag eine Sitzung abgehalten, in der sie sich mit den Zusammenstößen in Nablus beschäftigte. Am Dienstag, dem 25. August, wurden die ersten Urteile gegen die Teilnehmer zu den Ausschreitungen in Nablus gefällt. 22 Rädelsführer der Unruhen wurden zu Gefängnisstrafen von drei bis zwölf Monaten verurteilt. Jerusalem, 28. August. (JTA.) Am Freitag, dem 28. August, wurden weitere Urteile gegen die Aufrührer von Nablus gefällt. 42 Teilnehmer an den Demonstrationen wurden zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr verurteilt. Neues Verbot einer arabischen Zeitung Jerusalem, 1. September. (JTA.) Die arabische Zeitung „Al Carmel“ in Haifa wurde von der Regierung für die Dauer von 14 Tagen verboten, weil sie sich in einem Artikel gegen die versiegelten Waffenlager, die von der Regierung in den isoliert gelegenen jüdischen Kolonien vorgesehen wurden, gewendet hat. Das Verbot der Zeitung stützt sich auf das offizielle Statement vom 5. August, wonach jede Erklärung, daß das Bestehen der Waffenlager eine Bedrohung der die Gesetze achtenden Bevölkerung Palästinas sei, von der Regierung als mütwjllige Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angesehen und dementsprechend behandelt werden wird. Chancellor kündigt einen Legislative Council fiir Palästina an Jerusalem, 1. September. (JTA.) Der jetzt aus seinem Amte scheidende High Commissioner für Palästina Sir John Chancellor hat — wie verlautet — im Verlauf eines ihm vom Magistrat der Stadt Jaffa gegebenen Abschiedsempfanges dem arabischen Rechtsanwalt Soliman Abu Gazala mitgeteilt, daß in Kürze ein Legislative Council (Gesetzgebender Rat) in Palästina geschaffen werden wird. Sir John Chancellor riet den Arabern, sich an dem Legislative Council zu beteiligen, wodurch ihre Position verbessert werden wird. Er versprach auch, in England alles, was in seinen Kräften liegt, zu tun, um Palästina zu helfen. Abschied Chancellors von Jerusalem Jerusalem, 27. August. (JT A.) Am Donnerstag, dem 27. August, fand in Jerusalem ein von der Stadtgemeinde veranstalteter Abschiedsabend für den High Commissioner Sir John Chancellor, der demnächst Palästina - verläßt, statt. An der Feier nahmen 500 geladene Gäste, Angehörige aller religiösen Gemeinschaften Jerusalems, teil. Sir John Chancellor hielt eine Ansprache, die ganz auf einen Ton der Resignation abgestimmt war. „Als ich zum erstenmal hörte, daß ich nach Palästina gehen sollte“, führte der High Commissioner aus, „da ergriff mich der Gedanke, ich könnte etwas dazu beitragen, die alte Herrlichkeit dieser Stadt zu erhalten. Jetzt — nach einem von Kummer und Sorge erfüllten dreijährigen Aufenthalt im Lande — verlasse ich die Stadt tief enttäuscht. Ich kann mich nicht rühmen, irgend etwas getan zu haben, um das Land glücklicher zu machen. Ich weiß, wie viel es zu tun gibt und wie wenig getan wurde“. „Manchester Guardian“ erklärt: Die Palästinaunruhen eine Folge der schwankenden englischen Politik London, 25. August. (JTA.) Im Leitartikel seiner Nummer vom 24. August nimmt „Manchester Guardian“ zu den Unruhen, die sich in Palästina an dem. Tage des Generalstreiks ereignet haben, Stellung. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: Gestern war der zweite Jahrestag der Unruhen in Palästina, die zahlreiche Menschenleben gekostet und zu einer gründlichen Überprüfung unserer Politik in diesem Lande geführt haben. Trotz dieser Überprüfung mit ihrer freundlichen Haltung gegenüber den arabischen Beschwerden ist es der Regierung nicht gelungen, Unruhe und gefährliche Agitation zu beseitigen. Der Hauptgrund der gegenwärtigen Agitation ist der Beschluß der Regierung, den exponierten jüdischen Kolonien „versiegelte Waffenlager“ zur Verfügung zu stellen, woraus unrühmlich bekannte arabische Führer der Regierung den Vorwurf gemacht haben, sfe bewaffne die. Juden gegen die Araber. In Wahrheit bedeute natürlich diese Maßnahme nichts derartiges; sie ist nur eine Ergänzung des polizeilichen Schutzes, der bedauerlicherweise allein nicht ausreicht, das Leben der jüdischen Bürger zu schützen. Die Waffen werden unter Siegel verschlossen gehalten, so daß ein etwaiger unrechtmäßiger Gebrauch von der Regierung festgestellt und bestraft werden kann. Ünter den herrschenden Verhältnissen ist diese Vorkehrung notwendig, denn das Gefühl der Unsicherheit ist unter den Juden Palästinas so verbreitet, daß vor kurzem der amerikanische Konsul die Frage der Sicherheit der amerikanischen Juden in Palästina vor unseren Behörden zur Sprache brachte. \ Wenn auch, heißt es in dem Artikel weiter, versiegelte Waffenlager derzeit unvermeidlich sind, so sind sie doch an und für sich höchst unerwünscht. Selbstverteidigung von Zivilisten ist immer ein gefährliches Ding, auch wenn sie, wie es hier der Fall ist, sorgfältig überwacht wird. Die richtige Methode der Sicherung von Leben und Eigentum ist die Aufrechterhaltung einer Polizeimacht von genügender Größe und Aktionsfähigkeit, um zu gewährleisten, daß Verbrechen nicht verübt werden können, ohne daß Verhaftung und Bestrafung der Täter gewiß ist. Aber unsere schwankende Politik seit 1929 hat viele Araber fälschlich, wenn auch nicht ganz unverständlicher Weise, zur Überzeugung geführt, daß wir im geheimen mit ihrer feindlichen Haltung gegenüber den Juden sympathisieren. An der Notwendigkeit versiegelter Waffenlager läßt sich das Versagen der Regierung ermessen.