Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- Seite 504 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Das Jüdische Echo Nr. 36 Kommission, van Rees, seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß der Hauptzweck des Plans die Wiederansiedlung der durch jüdische Landkäufe verdrängten Araber sein soll, und forderte, daß zunächst festgestellt werde, oh diese Araber das von ihnen früher besetzte Land freiwillig geräumt haben. Das Kommissionsmitglied Garcia erklärte, er verstehe nicht, warum der Ausdruck „depossedierle Araber“ gebrauch! werde, da doch die Juden das Land durch normalen Kauf an sich gebracht haben. Er wies darauf hin, daß die schwierige Lage der arabischen Hauern nur zum Teil darauf zurückgeführt werden könne, daß durch die jüdische Einwanderung Hodenknappheit entstanden sei, und forderte die englische Regierung auf, die Möglichkeit, neues Land in Kultur zu nehmen, zu untersuchen und zum Zweck der Lösung des Paläslinaproblems die Agrarreform auszudehnen. Van Rees betonte, daß auch arabische Großgrundbesitzer Pächter von ihrem Hoden entfernt haben. Auf diese Hemerkungen erwiderte Unterslaatssekretär Dr. Shiels, die Regierung habe sich nur verpflichtet, Personen, die infolge der jüdischen Kolonisation ihres Hodens verlustig gegangen sind, Land zur Verfügung zu stellen und fügte hinzu, daß die Jewish Agency noch große unverwerlete Landreserven besitze. Auf eine Frage Prof. Rappards bezüglich der Aufteilung der Slaalsländereien erklärte I)r. Shiels, die Vorstellung, daß Staatsländereien im größeren Ausmaß zur Verfügung stehen, sei falsch; zu den Zielen des Landentwicklungsprogramms gehöre aber auch die Ermöglichung einer dichteren jüdischen Siedlung. Ein interessantes völkerrechtliches Problem wurde vom stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission van Rees auf gerollt. Er beklagte es, daß das palästinensische L a n d e s b ü r g e r s c h a f t s g e s e l z die Juden nicht erwähne und ihrer besonderen Stellung in Palästina nicht Rechnung trage. Dr. Shiels erwiderte, die Juden kämen nach Palästina nicht als Juden, sondern als ausländische Bürger. Das Völkerrecht kenne keine jüdische Nationalität. Diese Antwort wurde von van Rees mit der Bemerkung aufgenommen, die Ansicht Shiels entspreche zwar den völkerrechtlichen Bestimmungen, aber Balfour-Deklaration, Mandat und Weißbuch haben zugunsten des jüdischen Volkes einen neuen Begriff in das Völkerrecht eingeführt. Dr. Shiels versprach, dieser Frage sein Augenmerk zuzuwenden. Auf die Beschwerde von van Rees, daß die Jewish Agency nicht in die Lage versetzt worden sei, jene wichtige beratende Rolle zu spielen, die die Urheber des Artikels 4 des Mandats im Auge hatten, versicherte Dr. Shiels, die Pa.läslinaregierung sei stets bestrebt, freundschaftliche Beziehungen zur Agency aufrecht zu erhalten. Im letzten Jahre sei die Agency, wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Rücksichten, nicht sehr aktiv gewesen. So weit ihm bekannt sei, seien von der Agency keine Ansuchen zu öffentlichen Angelegenheiten gestellt worden, sollten jedoch solche einlaufen, so würden sie einer wohlwollenden Betrachtung unterzogen werden. Genf, 26. August. (JTA.) In ihren soeben veröffentlichten Schlußfolgerungen zu den Beratungen ihrer Junilagung nimmt die Mandatskommission auch Stellung zu den Memoranden der arabischen Exekutive und der Jewish Agency. Bezüglich der arabischen Petition, in der die Annullierung der Balfourdeklaration, die Einsetzung einer einem Parlament verantwortlichen Regierung in Palästina, das Verbot der jüdischen Einwanderung und der Übertragung arabischen Bodens in jüdischen Besitz, sowie eine Konzession auf das Huleh-Gebiet gefordert wird, bat die Kommission unter Hinweis auf das Protokoll ihrer Verhandlungen erklärt, daß sich eine gesonderte Beantwortung dieser Petition im Hinblick darauf, daß die in ihr berührten Fragen bereits anläßlich der Beratung des Berichtes der Paläslinaregierung für das Jahr 1930 behandelt wurden, erübrigt. Bezüglich des Memorandums der Jewish Agency über die Behandlung des Sir John Hope Simpson zur Verfügung gestellten Materials, sowie bezüglich Leonhard Steins Antwort auf das britische Weißbuch und Weizmanns persönlicher Erklärung zum Mae Donald-Brief gelangte die Kommission zu dem Schluß, daß weder das Memorandum, noch seine Beantwortung durch die englische Regierung irgendwelche Empfehlungen an den Völkerbund erforderlich erscheinen lassen. Wie sich aus dem Protokoll ergibt, finden die Paläslinafragen in der Mandatskommission mehr Verständnis als bei den Vertretern der englischen Politik — in den Schlußfolgerungen kommt dies allerdings auch kaum zum Ausdruck. Das Programm der Zionistischen Exekutive Dr. Arlosoroff über die politischen Richtlinien Jerusalem, 28. August. (JTA.) Der neue Leiter der Palästinaexekutive, Dr. Ghaim Arlosoroff, legte in einer Pressekonferenz die Richtlinien dar, die er in seiner Politik in Palästina zu verfolgen gedenkt. Er erklärte, als Leiter der Exekutive keine Parteipolitik, sondern eine nationale Politik führen zu wollen. Hierbei werde er in gleicher Weise die Interessen aller Klassen, sowie die der Sephardim und der Aschkenasim wahrnehmen und sich insbesondere auch die Förderung der Mittelstandskolonisation angelegen sein lassen. Den Grundzug seiner Politik werde die Kooperation miit England bilden; dabei aber werde er den Kampf für die jüdischen Rechte ohne Kompromiß weiterführen. Möglicherweise werde die Durchführung des Landentwicklungsplans die Juden zwingen, binnen kurzem einen Verteidigungskampf aufzunehmen. Vorläufig sei noch kein jüdischer Berater des Landentwicklungsdirektors ernannt worden. Bezüglich der Politik gegenüber den Arabern lin Palästina erklärte Dr. Arlosoroff, er werde im Sinne einer jüdisch-arabischen Verständigung auf der Basis der Parität, wie dies im Koalitionsprogramm der Exekutive auf dem Kongreß festgelegt wurde, tätig sein. Er sei davon überzeugt, daß die Araber im Laufe der Zeit ein Verständigungsprogramm auf dieser Basis annehmen werden. Harry Viteles tritt nicht in die Exekutive der Jewish Agency ein Jerusalem, 30. August. (JTA.) Das auf der letzten Tagung des Councils der Jewish Agency neugewählte Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Harry Viteles, ist nicht in der Lage, das ihm vom Council übertragene Amt anzutreten, da die englischen und amerikanischen wirtschaftlichen Körperschaften, die er in Palästina repräsentiert, seinem Eintritt in die Exekutive nicht zustimmen können. Harry Viteles war früher in der europäischen Wiederaufbauabteilung des Joint Distribution Committee tätig und übersiedelte 1925 nach Palästina, um die Leitung der Zentralbank der palästinensischen Kooperation zu übernehmen. Die Lage in Palästina Jerusalem, 25. August. (JTA.) In Nablus macht sich ein wachsender Widerstand der be-