Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 35 (28.8.1931)
- Date
- 1931-08-28
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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N r. 35 Das Jüdische Echo 489 angelegten Werbefeldzug einzuselzen, dann soll die förmliche Konsliluierung der Partei,'Filiale Schweiz, erfolgen. Ein Weltkongreß für Frieden durch die Religion Sitzung des Exekutivkomitees in Genf unter Teilnahme von Dr. Stephan Wise und Senator Rubinstein Genf, 13. August. (JTA.) Am 12. August wurde in Genf die Sitzung des Exekutivkomitees der Weltkonferenz für den Frieden durch die Religion eröffnet. Als Vertreter des jüdischen Glaubens nahmen an den Beratungen Rabbiner Dr. Stephan S. Wise (Neuyork) und Senator Rabbiner Rubinstein (Wilna) teil. Es wurde die Einberufung des Weltkongresses für den Frieden durch die Religion für November 1932 beschlossen. Die Beteiligung der Vertreter der neun größten Religionen ist bereits gesichert. Dem gemeinsamen Aktionsausschuß der Religionen gehören u. a. als Vertreter des Judentums Professor Albert Einstein, der auch Vizepräsident des Kongresses sein soll, als Vertreter der Katholiken der ehemalige österreichische Bundeskanzler Prälat Dr. Seipel, als Vertreter der Brahmanen Rabindranath Tagore an. Revisionistische Austrittspropanganda P a r i s , 23. August. (JTA.) Nr. 35 der revisionistischen Zeitschrift „Rasswjet“ (Berliner Vertretung: S. Trochmann, Berlin W 62, Courbierslraße 12), welche unter der Redaktion von Wladimir Jabotinsky erscheint, wird vollständig dem Gedanken einer „Unabhängigen Zionistischen Organisation“ gewidmet sein. Die revisionistische Union stellt, wie bekannt, gegenwärtig vor dem Problem der Regelung ihrer künftigen Beziehungen zur Zionistischen Weltorganisation. Eine der bestehenden Tendenzen gehl dahin, diese Beziehungen auf der Basis vollständiger Selbständigkeit der revisionistischen Union umzubauen, d. h. die revisionistische Union in eine „Unabhängige Zionistische Organisation“ zu verwandeln. Nr. 35 des „Rasswjet“, der am 30. August erscheint, gibt eine zusammenfassende Darstellung dieses Standpunktes. Diese Nummer wird ausnahmsweise nicht nur in russischer Sprache erscheinen, sondern sie wird auch eine deutsche Übersetzung aller entsprechenden Artikel, in der Form eines selbständigen Heftes enthalten. Wiederaufnahme des Halsmann-Prozesses beantragt Wien, 18. August. (JTA.) Die Anwälte Philipp Halsmanns, der gegenwärtig in Paris seine Studien fortsetzt, haben dem Innsbrucker Landesgerichl für Strafsachen den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Halsmann überreicht. Zur Begründung des Antrags wird angegeben, daß Tatsachen bekannt geworden sind, die ein neues Lieht auf die gegen Halsmann erhobene Beschuldigung des Vatermordes werfen. Das Gericht wird anfangs September seine Entscheidung über das Wiederaufnahmegesuch treffen. Gründung einer jüdischen Zentralbank in Lettland Riga 11. August. (J,TA.) Sämtliche jüdischen Kreditgenossenschaften Lettlands, mit Ausnahme jener, die mit dem Joint Distribution Committee in Verbindung stehen, haben beschlossen, sich im Hinblick auf die herrschende Wirtschaftskrise zu fusionieren und eine jüdische Zentralbank in Lettland zu gründen. Die Selbstmordepidemie unter den Warschauer Juden dauert an W a r s c h a u , 18. August. (JTA.) Die Selbslmordepidemie unter den Warschauer Juden, eine Folge der rapid zunehmenden Wirtschaftsnot unter der Warschauer jüdischen Bevölkerung, hat noch nicht abgeebbl. Gestern waren wieder vier Selbstmorde zu verzeichnen. Der achtzehnjährige Benjamin Lewin, der seit längerer Zeit arbeitslos ist, machte seinem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende. In einem Ilaustor fand man einen sechsundzwanzigjährigen jungen Mann vergiftet auf. In einem bei ihm gefundenen Schreiben schildert der Selbstmörder den wirtschaftlichen Zusammenbruch seiner Familie und teilt mit, daß er seit zwei Tagen nichts gegessen hat. Die achlunddreißigjährige Witwe Deborah Pedgerf, die in eine verzweifelte materielle Lage geriet, sprang aus einem Fenster ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung auf das Straßenpflasler. Sie wurde in bewußtlosem Zustand in das jüdische Hospital gebracht, wo sie bald darauf verstarb. Im Badezimmer ihrer Wohnung vergiftete sich mit Leuchtgas die Frau des Trikolagefabrikanten Jacob Löwengrub. In einem hinterlassenen Schreiben erklärte die Selbstmörderin, sie scheide aus dem Leben, weil sie dem verzweifelten wirtschaftlichen Bingen ihres Mannes nicht mehr Zusehen könne. „Hazefirah“ hat ihr Erscheinen eingestellt Warschau, 18. August. (JTA.) Die einzige außerhalb Palästinas herausgegebene hebräische Tageszeitung, „Hazefirah“ in Warschau, hat am 15. August ihr Erscheinen infolge finanzieller Schwierigkeiten eingestellt. Die „Hazefirah“ war im Jahre 1862 begründet worden und erschien regelmäßig bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Viele Jahre hindurch stand sie unter der Leitung des gegenwärtigen Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewisli Agency, Nahum Sokolow. Im Jahre 1925 wurde in Warschau eine neue hebräische Tageszeitung unter dem Titel „Hajim“ gegründet, die sich jedoch nur ein Jahr lang halten konnte. Bald nach der Einstellung dieses Blattes im Jahre 1926 begann die „Hazefirah“ wieder in Warschau zu erscheinen, mußte aber im August 1928 neuerlich eingestellt werden. Es wurde nunmehr ein Pressefond zu dem Zwecke geschaffen, das Wiedererscheinen des Blattes zu ermöglichen, was anfangs dieses Jahres gelang. Die Reserven haben sich jedoch nicht als ausreichend erwiesen, um den Bestand der Zeitung zu sichern. Arlosoroff bei Chancellor J e rusale m , 20. August. (JTA.) Dr. Chaim Arlosoroff hat am Donnerstag, den 20. August, zum erstenmal als Leiter des politischen Ressorts der Palästina-Exekutive beim High Commissioner Sir John Chancellor interveniert. Dr. Arlosoroff hatte mit dem High Commissioner eine eineinhalbstündige Unterredung, in der der Inhalt bevorstehender gesetzlicher Verfügungen, insbesondere der geplanten neuen Grundstücksverordnung, erörtert wurde. 18 000 illegal eingewanderte Araber fallen unter die Amnestie Jerusalem, 24. August. (JTA.) Entgegen der von der arabischen Exekutive aufgestellten Behauptung, die anläßlich der Volkszählung verkündete Amnestie für illegal Eingewanderte sei eine ausschließlich zugunsten der Juden getroffene Maßnahme, durch die 25 000 illegal eingewanderte Juden nachträglich die gesetzliche Aufenthaltsbewilligung erhallen sollen, erklärte der High Commissioner Sir John Chancellor am Sonnabend, den 25. August, einer arabischen Delegation, unter den 25 000 Personen, die für die Amnestie in Betracht kommen, seien 18 000 Araber, die seil der letzten Volkszählung im Jahre 1922 die Grenzen Palästinas illegal überschritten haben.