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Das jüdische Echo · 1931-08-28 · 35 (28.8.1931) · p. Seite 488

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
35 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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488 Das Jüdische Echo Nr 35 Aus der jüdischen Welt „Haltet die Wohlfahrtspflege aufrecht!“ Ein Aufruf der Zeutralwohlfahrstsstelle der deutschen Juden Berlin, 23. August. (JTA.) Die Zenlralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat soeben einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden Deutschlands ergehen lassen, der mit den Worten beginnt: „In schwerer Stunde richten wir an die jüdischen Gemeinden in Deutschland den Ruf: H alte t d i e W o h 1 f a h r t s p f 1 e g e a u f r e c h I;!“ Wir wissen — so heißt es in dem Aufruf weiter — daß alle Gemeinden, große wie kleine, in diesen Wochen und Monaten von dem Übergewicht der Ausgaben über die Einnahmen fast erdrückt werden, daß vielfach geglaubt wird, die Aufwendungen für die Wohlfahrtspflege müßten nunmehr wesentliche Kürzungen erfahren. Dieser Auffassung muß entgegengetrelen werden: Keine Aufgabe ist zwangsläufiger als die Aufrechterhaltung der Wohlfahrtsarbeit und der Sozialpolitik, ohne die die Gemeinschaft nicht gesund bleiben und leben kann. Kultus und Verwaltung haben keinen Sinn mehr, wenn die Gemeinschaft nicht am Leben bleibt. Nichts wäre unpassender, als durch Einstellung gegenwärtiger Leistungen zur Verhütung von Schäden die Notwendigkeit viel größerer späterer Leistungen zu ihrer Heilung herbeizuführen. Schon haben deshalb einige Gemeinden weitblickend erkannt und in die Tat umgeselzl, daß so gewaltige Not nicht nur keine Kürzung, sondern eine Erhöhung der Wohlfahrtsetats und -leistungen gebieterisch verlangt. Wenn tatsächlich alle nicht unerläßlichen Ausgaben der Gesamtverwaltung entschlossen eingestellt werden, dann besteht die Möglichkeit, den gegenwärtigen Stand der Wohlfahrlsleistungen mindestens zu erhalten. Wir richten an alle Gemeindevorstände und -Vertretungen die dringende Bitte, diese Eragen sofort erneut zu prüfen, um überall eine Herabsetzung der Wohlfahrtsleistlingen unbedingt zu vermeiden. In dem Aufruf werden noch folgende Grundgedanken entwickelt: Helft, daß überall die unentbehrlichen Heime, die Kindergärten, Horte, Jugendheime offen bleiben. Vermehrt die Speisungen. Aber vermeidet und verhindert rücksichtslos alle Doppelarbeit, jeden Leerlauf. E r h a 1 t e t der Arbeit alle Berufskräfle. Sie leisten schwerste, verantwortungsvolle Arbeit. Sie bringen das Vielfache von dem herein, was sie kosten. E r m u t i g t den Helferwillen jedes Einzelnen: Gewinnt freiwillige Mitarbeiter! Weckt die Nachbarschaftshilfe! Schafft „Pfundsammlungen“! Stärkt in der Arbeit die Gemeinschaft mit den anderen konfessionellen und interkonfessionellen Organisationen und mit der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Gemeinden und Vereine schließt euch enger zusammen! Erhaltet und stärkt das Werk der jüdischen Wohlfahrtspflege. Unterzeichnet ist der Aufruf für den geschäftsführenden Vorstand der Zentralwohlfahrtsslelle der deutschen Juden von Rabbiner Dr. Baeck als Vorsitzendem. Die jüdische Wohfahrtspflege in Frankfurt a.M. E r a n k f u r t a. M., 21. August. (JTA.) Zu unserer Meldung „Drohender Zusammenbruch der Wohlfahrtspflege der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. MV wird uns mitgeteilt, daß die „Jüdische Wohlfahrtspflege, Frankfurt“ ein selbständiger Verein und nicht eine Stelle der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a.M. ist. Zwei weitere Friedhofschämdungen in Hessen In Griedel und in Offenbach — Taten verhetzter Schulkinder D a r m s i a d t , lö. August. (JTA.) In Hessen haben sich in den letzten Tagen zwei Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe ereignet, ln dem oberhessischen Dorf Griedel bei Butzbach haben sich zwei elfjährige Schüler in der Dämmerung in den jüdischen Friedhof eingeschlichen und haben dort drei Grabsteine beschädigt. Zwei davon warfen sie um, einen dritten beschädigten sie dadurch, daß sie auf der Grabinschrift, die auf „Adolf Bär“ lautete, den Nachnamen wegkralzlen und „Heil Adolf“ (Hitler) an dessen Stelle setzten. Die zweite Schändung ereignete sich in Offenbach, wo auf dem jüdischen Friedhof zwei Grabsteine vom Sockel gestürzt wurden. Hier fehlt von den Tälern noch jede Spur. Erst im Mai d. J. wurde in einem anderen hessischen Orte, in Echzell, der jüdische Friedhof geschändet. Schändung der portugiesischen Synagoge in Hamburg Hamburg, 18. August. (JTA.) Die Synagoge der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in der Marcusstraße zu Hamburg ist in der Nacht vom 17. zum 18. August von unbekannten Tätern geschändet worden. Nach Zertrümmerung einer Scheibe im Obergeschoß der Synagoge sind die Täter in das Innere eingedrungen und haben sämtliche Behälter, Wandschränke usw. aufgebro'chen. Das in den Schränken aufbewahrte Altargerät wurde herausgerissen und schwer beschädigt. Da nichts entwendet wurde, wird mit Sicherheit angenommen, daß durch die antisemitische Agitation verhetzte Individuen mit der Alisicht der Schändung in die Synagoge eingedrungen sind. Die im Jahre 1855 eingeweihte Synagoge der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in der Marcusslraße zu Hamburg ist eine der schönsten und ehrwürdigsten Synagogen in Deutschland. Erich Mendelssohn Mitglied der Akademie der Künste .Berlin, 13. August. (JTA.) Unter den neuen Mitgliedern der Preußischen Akademie der Künste, die am Verfassungstag in die Abteilung für die bildenden Künste berufen wurden, befindet sielt auch der bekannte jüdische Architekt Erich Mendelssohn, der auf dem Gebiete der modernen Architektur eine führende Kolle spielt. Auch auf die neue jüdische Architektur in Palästina hat Mendelssohn durch seinen Entwurf für die Kraftstation der Palestine Electric Corporation in Tel- Awiw richtunggebend gewirkt. Dr. Arthur Sakheim gestorben Frankfurt a. M„ 24. August. (JTA.) Im Alter von 44 Jahren verstarb in Berlin nach kurzer schwerer Krankheit der bekannte Schriftsteller und Dramaturg Dr. Arthur Sakheim. In der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze über jüdisches Schrifttum. Ein Hitlersekretariat und Propagandazentrum in der Schweiz Zürich, 21. August. (JTA.) Die sozialdemokratische Zeitung „Volksrechl“ in Zürich erfährt, daß die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ ein eigenes Sekretariat und Propagandazentrum für die Schweiz in Zürich geschaffen hat. Leiter der Schweizer Hitlerfiliale sei ein ehemaliger deutscher Leutnant Namens Max von Mönstadt, der von der Reichszenlrale München, also von Hitler, nach Zürich entsandt worden sei. Das Züricher Hitlerbüro gedenkt, in den nächsten Tagen mit einem breit-

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