Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 35 (28.8.1931)
- Date
- 1931-08-28
- Page
- Seite 487 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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N <. 35 Das Jüdische Echo 487 genommen, daß die englische Regierung bemüht sei, die jüdische Einwanderung ohne Benachteiligung der arabischen Majorität dadurch zu fördern, daß durch Ausbau der palästinensischen Wirtschaft die Fassungskraft des Landes für neue Einwanderer erhöht wird. Ferner wird die Vorbereitung eines landwirtschaftlichen Entwicklungsplans zur Kenntnis genommen. Die Mandatskommission begrüßt es, daß der Vertreter der britischen Regierung anerkannt hat, daß eine Besserung der arabisch-jüdischen Beziehungen von einer gerechten Lösung wirtschaftlicher Fragen abhängig ist. Die Stellung der Mandatskommission zur Palästinapolitik der englischen Regierung wird durch folgende Bemerkung gekennzeichnet: Die Mandatskommission hat nicht ohne ein gewisses Unbehagen die Fluktuationen der Palästinapolitik der Mandatarmacht verfolgt und hofft, daß die neuen Bemühungen, das Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen zu lösen, von Erfolg gekrönt sein werden. In einer Reihe weiterer Bemerkungen zu Einzelfragen begrüßt die Mandatskommission die Erklärung Dr. Shiels, daß die Mandatarmacht in Übereinstimmung mit dem Weißbuch einen Legislative-Council einzusetzen beabsichtige. Sie nimmt es zur Kenntnis, daß bezüglich verschiedener Gegenstände ein Abweichen vom Weißbuch erfolgte. Sie bringt die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Mandatarmacht ihre Absicht, die Stadtverwaltungen zu reorganisieren und ihnen weitgehende Machtvollkommenheiten einzuräumen, verwirklichen werde. Sie betrachtet eine periodische Zusammenstellung genauer statistischer Daten über die Arbeitslosigkeit als von größtem Wert für die Bestimmung der Jahresquoten für die Arbeitereinwanderungskontingente. Schließlich spricht die Mandatskommission in ihren „Bemerkungen“ die Hoffnung aus, daß der Bericht der Klagemauerkommission, durch den die jüdischen und arabischen Rechte auf die Mauer endgültig definiert werden, den früheren Auseinandersetzungen über dieses Problem ein Ende bereiten werde. Die neuen „Zehn Gebote“ Moskau, 10. August. (JTA.) Das Zentralkornitee des Bundes der Gottlosen hat folgende „Zehn Gebote“ zur Bekämpfung der jüdischen Feiertage verkündigt: 1. In allen Fabriken, kooperativen Artels, Kollektivfarmen, Schulen und Klubs sind Vorträge über die Themen: „Fünfjahresplan und Religion“, „Antisemitismus und Religion“, „Kollektivisierung und Religion“, „Der Klassencharakter der jüdischen religiösen Feiertage“ und „Modernes Judentum und nationaler Haß“ zu halten. 2. Zu Rausch Haschonoh und Jom Kippur sind Exkursionen zu veranstalten, antireligiöse Filme zu zeigen und Theaterstücke antireligiösen Inhalts zur Aufführung zu bringen. 3. Anstelle der hohen Feiertage sind „nationale Arbeitstage“ zu proklamieren, an denen jedermann zur Arbeit im Dienste des Landes aufgefodert werden soll. 4. Es sind besondere antireligiöse Ausstellungen zu veranstalten. 5. Das Radio soll in den Dienst der antireligiösen Propaganda gestellt werden. 6. Anläßlich der jüdischen Feiertage sind besondere Versammlungen der Jugend und der Frauen einzuberufen. 7. Eine großzügige Werbung von Mitgliedern für den Bund der Gottlosen ist durchzuführen. 8. Es ist eine Geldsammlung für den Bau eines Kriegsschiffes, das den Namen „Militanter Apikoires“ tragen soll, einzuleiten. 9. Die jiddischen Publikationen antireligiösen Inhalts sind zu vermehren und in Kolonien und Fabriken zu verbreiten. 10. Jedes in einer Stadt ansässige jüdische Mitglied des Bundes der Gottlosen hat sich an den jüdischen Feiertagen in die Dörfer zu begeben, um die Bauern zur Ablieferung der Ernte an die Regierung anzueifern. Moskau, 20. August. (JTA.) Das Volksbildungskommissariat der Union der russischen Sowjetrepubliken hat an alle Volksbildungsabteflungen in der Sowjetunion ein Zirkular versandt, in welchem auf die Bedeutung der antireligiösen Kampagne aus Anlaß der bevorstehenden jüdischen hohen Feiertage hingewiesen und die Beteiligung an dieser Kampagne als eine wichtige politische Aufgabe bezeichnet wird. Im Hinblick darauf, heißt es in dem Zirkulär, daß die antireligiöse Kampagne während der Herbstbestellung der Felder, zu Beginn des neuen Schuljahres und während der Vorbereitung zum vierten Jahr des Fünfjahrplanes vor sich geht, müsse in diesem Jahre auf die antireligiöse Arbeit anläßlich der jüdischen Feiertage besonderer Nachdruck gelegt werden. Die antireligiösen jüdischen Kreise müssen kontrolliert und aktiviert werden. In Fabriken, in denen eine größere Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt ist, sind antireligiöse Diskussionen zu veranstalten. Jede Fabrikszeitung hat eine besondere, der Bekämpfung der jüdischen Feiertage gewidmete Rubrik einzurichten. Studenten werden die Fabrikskomitees in der Organisierung der antireligiösem Arbeit unterstützen. Antireligiöse Prozessionen von Schulkindern und Exkursionen in die antireligiösen Museen sind zu organisieren. MassenHucht aus dem Rayon Kaiinindorf 4000 Rückwanderer in einem Jahr Moskau, 18. August. (JTA.) Die jiddisch-kommunistische Zeitung „Emess“ veröffentlicht statistische Daten über die Bevölkerungsbewegung im Distrikt Kalinindorf, aus denen zu ersehen ist, daß in der Zeit vom Juli 1930 bis zum Juli 1931 eine wahre Massenflucht der Kolonisten in die Städte eingesetzt hat. Die Zahl der jidischen Kolonisten im Kalinindorfer Distrikt ist in diesem Zeitraum von 15 418 auf 11 465 gesunken. Von den Kolonisten, die im letzten Frühjahr angekommen sind, sind etwa zwei Drittel bereits wieder in ihre früheren Wohnorte zurückgekehrt. So sind z. B. von den Familien, die die Siedlungen Nr. 4, 11 und 18 gebildet hatten, nicht weniger als 85 geschlossen wieder abgereist, während nur 16 Familien in diesen Siedlungen zurückgeblieben sind. Auf Grund der statistischen Daten kommt „Emess“ zu dem Schluß, daß drastische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Entvölkerung dieses Gebietes zu vermeiden. Die Ursachen der Abwanderung erblickt die Zeitung darin, daß die Kolonisten nicht, wie ihnen versprochen worden war, je eine Kuh pro Famlilie bekommen haben, und daß in den Läden der Konsumkooperative Lebensmittel nicht im ausreichenden Maße zu erhalten waren. Die Kolonisten befürchten, daß sich diese Verhältnisse im kommenden Winter noch verschlimmern würden. Das Blatt glaubt, daß der Landflucht nur dann ein Ende bereitet werden könnte, wenn 1. die Brutalitäten der Beamten gegenüber den Siedlern^— es werden in dem Artikel mehrere solche Fälle angeführt — aufhören: wenn jeder Kolonist für seine Arbeit verantwortlich gemacht wird und 3. wenn die Lebensmittelversorgung verbessert und die Belieferung der neuangekommenen Siedler auch mit anderen Bedarfsartikeln durch die Konsumkooperative sichergestellt wird.