Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 35 (28.8.1931)
- Date
- 1931-08-28
- Page
- Seite 486 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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486 Das Jüdische Echo Nr. 35 sei und es werde nicht für ausgeschlossen gehallen, daß es sich um eine privalrechtliche Schuld der Juden an die Kirche handeil. Sei das aber der Fall, so müsse die Löflelahgahe auch weiterhin geleistet werden. Die Juden von Rotenburg können von Glück sagen, daß ihr Pfarrer nicht „auf Grund privalrecldlicher Verpflichtung" Feibeigenschaflsdienste verlangt hat —■ dieses Gericht hätte sie wahrscheinlich auch dazu verurteilt. Der Irrtum der roten Assimilation Das Organ der tschechoslowakischen Poale Zion Der „jüdische Sozialist" veröffentlicht an leitender Stelle einen Artikel „Der Fall Heinrich Kalmar: ein Opfer des Irrtums der Assimilation" von Mendel Singer. Heinrich Kalmar halle bekanntlich nach dreißigjähriger Tätigkeit in der deutschen Sozialdemokratie der Slowakei Selbstmord begangen und in einem hinterlassenen Briefe erklärt, daß ihn der Antisemitismus der Parteigenossen, die gegen die Kandidatur eines Juden bei den nächsten Gemeindewahlen agitierten, in den Tod getrieben hat. Die parteiamtliche Untersuchung des Falles ist im Gange; eine Reihe führender Preßburger Funktionäre wurde ihres Amtes enthoben. Mendel Singer charakterisiert die Verdienste des verstorbenen Führers um die Entwicklung der Partei, ihrer Presse und die Tätigkeit Kalmars in den Umsturzlagen, seine Leiden im Horty-Ungarn und die großen persönlichen Opfer, unter welchen Kalmar seine Parteiarbeit leistete. Selbst der ungarische Oberstaatsanwalt, der gegen ihn die Anklage wegen Vaterlandsverrates erhoben hatte, charakterisierte ihn mit folgenden Worten: „Ein reiner Mensch. An seinen Händen klebt kein Blut." Der Prozeß der Zuriickdrängung der Juden im Wirtschaftsleben, schreibt Singer, beginne sich auch in der Politik gellend zu machen. Der Fall Kalmar sei ein typisches Beispiel hierfür, aber er illustriere auch einen tragischen Irrtum, er beweise, daß der Glaube an die Assimilation ein Irrglaube sei. Singer ruft den jüdischen Sozialdemokraten am Schlüsse seines Aufsatzes zu: „Ihr werdet weder Euch noch die anderen dauernd über Euer Judentum hinwegtäuschen. Sprache und äußere Kultur merzen die tiefen Wesensverschiedenheiten nicht aus. Kehret zu Eurem Volke zurück. Durch die arbeitenden Massen unseres Volkes sollt ihr ihm und dem internationalen Sozialismus dienen. Das ist unsere Lehre aus dem Fall Kalmar." Die Sitzung der Exekutive der Jewish Ägency in Zürich Die Verteilung der Ressorts — Beratung über Landentwicklungsplan und Bodengesetzgebung — Aufruf zu einem Notopfer für Palästina Zürich, 19. August. (JTA.) Vom 17. bis 19. August fand in Zürich im Eden-Hotel eine außerordentliche Sitzung der Exekutive der Jewish Agency statt, an der die folgenden noch in Europa weilenden Mitglieder der Exekutive teilnahmen: Präsident Nahum Sokolow, Prof. S. Brodetsky, H. Farbstein, B. Locker, Dr. Maurice Hexter und Dr. Werner Senator. Auf besondere Einladung waren ferner d.ie folgenden Herren anwesend; Leo Motzkin, Dr. Victor Jacobson, Dr. Arthur Ruppin, Leib Jaffee. An einem Teil der Sitzung nahm auch der dem Administrativ-Komitee der Jewish Agency angehörende Herr Leo Simon- Iierlin teil. M. M. Ussischkin, der gegenwärtig in Bad Kissingen weilt und mit Rücksicht auf die zur Verhandlung stehenden Bodenfragen dringend eingeladen worden war, konnte aus .Gesundheitsgründen nicht zur Sitzung kommen. Über den Verlauf der Sitzung wurde ein längeres offizielles Kommunique ausgegeben, in dem zunächst berichtet wird, welche Tätigkeit die einzelnen Mitglieder der Exekutive seit dem Abschluß der Council- Tagung der Agency geleistet haben. Sokolow, der sich jetzt in der Schweiz aufhält, hat mit einer Reihe von Persönlichkeiten und Organisationen zwecks Vorbereitung der künftigen Arbeitden Kontakt aufgenommen. Prof. Brodetsky hat, bevor er seinen Urlaub antrat, in London Verhandungen mit der Regierung ' über die aktuellen Fragen, worunter insbesondere der Landentwicklungsplan zu verstehen ist, geführt; diese Verhandlungen wurden später im Aufträge der Exekutive von S. Kaklansky fortgesetzt. Berl Locker wird sich demnächst nach London begeben, um das Departement für Organisation und Propaganda zu übernehmen. Emanuel Neuman wird nach seiner Rückkehr aus Amerika in London ein Ressort für Förderung der Privatinitiative in Palästina leiten und die Zusammenarbeit mit Amerika organisieren. Dr. Bernhard Kahn bleibt als Mitglied der Agency- Exekutive ohne Ressort in Berlin. Weiter teilt das Kommunique die bereits bekannten Tatsachen mit, daß Dr. Arlosoroff die Leitung des politischen Departements in Palästina übernimmt und daß Dr. Senator und Dr. H'exter sich demnächst nach Palästina begeben werden, um ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Dr. Berkson und Harry Viteles befinden sich bereits in Palästina. H. Farbstein, wird nach den Feiertagen nach Palästina übersiedeln. Den wichtigsten Gegenstand der Beratungen bildete, so heißt es in dem Kommunique weiter, die politische Entwicklung der letzten Wochen in London und in Palästina, insbesondere die Fragen des Landentwicklungsplans und der damit zusammenhängenden Gesetzgebung. Die Exekutive hat eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die die Wahrung der Interessen des jüdischen Kolonisationswerkes und des Jüdischen Nationalheims bezwekken. Ferner wurde die finanzielle Situation, sowie der Stand und die Aussichten der Notstands-Aktion des Keren Hajessod erörtert. Aus einigen Ländern liegen bereits günstige Anfangsberichte über die Erfolge der Notstands-Aktion vor. Die Exekutive beschloß, einen besonderen Aufruf an die Juden aller Länder zu erlassen, in dem die Notwendigkeit besonderer Opfer für Palästina in diesem Moment dargelegt wird. Was die reguläre Keren-Hajessod-Arbeit betrifft, über die Herr Jaffee referierte, so ist besonders erwähnenswert der Beschluß, eine Delegation mit Sokolow an der Spitze nach den Vereinigten Staaten von Amerika zu entsenden. Dieser Delegation wird auch Dr. Hexter angehören. Weizniann geht nach Südafrika London, 24. August. (JTA.) Dr. Chaim Weizmann gibt bekannt, daß er die vom Keren Hajessod an ihn ergangene Einladung, die Leitung einer Campagne für diesen Fond in Südafrika im Dezember d. J. zu übernehmen, angenommen hat. Die „Bemerkungen" der Mandatskommission zum Palästinabericht der Mandatarmacht Genf, 24. August. (JTA.) Am Montag, dem 24. August, wurden die Bemerkungen der Mandatskommission zu dem ihr auf ihrer Junitagung vorgelegten Palästinabericht veröffentlicht. In diesem Dokument wird die Erklärung des Vertreters der englischen Regierung, Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels, zur Kenntnis