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Das jüdische Echo · 1931-08-21 · 34 (21.8.1931) · p. Seite 477

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
Seite 477 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 477 Das Jüdische Echo Schließung jiddischer Theater in Warschau Warschau 11. August. (JTA.) Die jiddischen Theater „Skala“ und „Central“ mußten infolge der Wirtschaftsnot geschlossen werden. Die Schließung der beiden Theater bedeutet die Vernichtung der Existenz von über Hundert jüdischen Familien. Der Verleger Jakob Mortkowicz gestorben Warschau 11. August. (JTA.) Der Inhaber eines der bedeutendsten Verlage Polens, Jakob Mortkowicz, hat wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Selbstmord durch Erschießen begangen. Mortkowicz, dessen Verlag eine wissenschaftliche und eine literarische Abteilung umfaßt, in der Werke der bedeutendsten polnischen Dichter der letzten beiden Generationen erschienen sind, litt infolge finanzieller Schwierigkeiten in letzter Zeit an schweren Depressionen. Als ehemaliger Student deutscher Hochschulen und Verleger zahlreicher Übersetzungen deutscher Werke hat er sich nach Kräften bemüht, die deutsch-polnische Annäherung zu fördern. (Aus Polen wurden viele weitere jüdische Selbstmordfälle aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemeldet). Schändung der aschkenasischen Synagoge in Sofia Sofia, 13. August. (JTA.) Unbekannte Täter haben nachts alle Fensterscheiben der aschkenasischen Synagoge in Sofia eingeschlagen. Dieser Angriff erfolgte einen Tag nachdem an den Eingängen der Hauptsynagoge, an zwei anderen Synagogen, an der jüdischen Schule und am zionistischen Volkshaus antisemitische Hetzplakate angeschlagen und an die Wände mit Teer Kreuze und Hakenkreuze gezeichnet worden waren. Der Vorfall hat in den jüdischen Kreisen Sofias starke Beunruhigung hervorgerufen. Man glaubt, daß es sich bei der Synagogenschändung um einen organisierten Vorstoß seitens der antisemitischen Heimwehrorganisation „Rodna Saschtita“ handelt. „Jewish Guardian“ stellt sein Erscheinen ein London, 14. August. (JTA.) „The Jewish Guardian“, eines der drei in englischer Sprache in London erscheinenden jüdischen Wochenblätter, das Organ der englischen Antizionisten, hat am 14. August nach fast zwölfjährigem Bestand sein Erscheinen eingestellt. In der letzten Nummer des „Jewish Guardian“ veröffentlicht Dr. Claude G. Montefiore einen Artikel, in dem er darlegt, „Jewish Guardian“ habe seine Aufgabe erfüllt. Die Mehrheit der Zionisten, zumindesten in England, sei in ihren Anschauungen gemäßigt. Sie haben den Gedanken der Gründung eines Judentsaates aufgegeben und ihn den Revisionisten überlassen. Der nationalistische Zionismus sei im Niedergang, der kulturelle oder geistige Zionismus im Aufstieg. Unter diesen Umständen habe der „Jewish Guardian“ sein Ziel weitgehend verwirklicht. (Montefiore verschweigt nur, daß finanzielle Gründe ausschlaggebend waren.) Der 15. August in Palästina ruhig verlaufen Jerusalem, 16. August. (JTA.) Der mit großer Spannung erwartete 15. August, an dem nach den Weisungen der vor kurzem in Nablus abgehaltenen arabischen Konferenz im ganzen Lande Demonstrationen gegen das Bestehen versiegelter Waffenlager in den exponierten jüdischen Kolonien veranstaltet werden sollen, ist in vollständiger Ruhe verlaufen. Die Regierung hatte, nachdem sie wiederholt ihre Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht hatte, am 15. August keinerlei Demonstrationen zuzulassen, noch in den letzten Tagen alle Maßnahmen getroffen, um einer drohenden Panik vorzubeugen. Nach Safed, wo das Gerücht verbreitet war, daß trotz des Verbots der Regierung Demonstrationen stattfinden würden, war militärische Verstärkung entsandt worden. Wieder eine jüdische Zeitung in Palästina verboten Jerusalem, 12. August. (JTA.) Nach der revisionistischen Tageszeitung „Haam“ wurde nun auch die von dem Rechtsanwalt Ben Aron herausgegebene Wochenschrift „Bemaaracha“ (Front) von der Palästinaregierung verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines unter dem Titel „Seid bereit“ in der letzten Nummer des Blattes veröffentlichten Artikels. Die Wochenschrift, die erst seit wenigen Monaten erschien, hatte ihr besonderes Augenmerk der Registrierung aller Fälle, in denen Waffen bei Arabern gefunden wurden, zugewandt, um auf diese Weise der Behauptung der Araber, die Juden seien bewaffnet, wirksam entgegenzutreten. Schwere finanzielle Krise im Misrachi-Hauptbüro in Jerusalem Jerusalem, 13. August. (JTA.) Die Beamten des Misrachi-Hauptbüros in Jerusalem sind zum Protest gegen die Nichtauszahlung ihrer Gehälter und die angedrohte Entlassung von Beamten ohne Abfertigung in den Streik getreten. Einer der Beamten hatte sogar einen Haftbefehl gegen den Präsidenten des Misrachi-Weltverbandes Rabbi Meir Berlin erwirkt, um zu verhüten, daß Rabbi Berlin das Land verlasse, solange der Verband seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. Rabbi Berlin wurde tatsächlich verhaftet, jedoch sofort wieder freigelassen. Offizieller Amtsantritt Arlosoroffs Jerusalem, 14. August. (JTA.) Der bisherige Leiter der Palästinaexekutive Colonel Kisch hat am 13. August seinen Nachfolger Dr. Chaim Arlosoroff offiziell beim High Commissioner Sir John Chancellor, beim Chefsekretär der Palästinaregierung M. A. Young, beim stellvertretenden Generalstaatsanwalt Drayton, beim Leiter des Bodendepartements Nukham und beim Leiter des Erziehungsdepartements Bowman eingeführt. Colonel Kisch, der am Sonntag, dem 16. August, nach England abreiste, verabschiedete sich vom High Commissioner Sir John Chancellor. Der High Commissioner hieß den neuen politischen Dezernenten der Palästinaexekutive herzlich willkommen und sicherte ihm jedes Entgegenkommen zu. Arabischer Generalstreik am 23. August Jerusalem, 18. August. (JTA.) Die arabische Exekutive hat beschlossen, zum Protest gegen die angebliche Bewaffnung der jüdischen Kolonisten durch die Regierung am 23. August einen arabischen Generalstreik zu proklamieren. Die Exekutive beabsichtigt, an diesem Tage korporativ unter Führung ihres Präsidenten Muza Kazim Pascha vor dem High Commissioner Sir John Chancellor zu erscheinen und ihm eine Protestresolution gegen die Bewaffnung der jüdischen Kolonisten, sowie eine Resolution zu überreichen, in der gegen die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung für die illegal nach Palästina eingewanderten Juden, deren Zahl fälschlich mit 25 000 angegeben wird, Einspruch erhoben wird.

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