Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 34 (21.8.1931)
- Date
- 1931-08-21
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Das Jüdische Echo Nr. 34 nistische Verbände aufnehme. Da sich die Versammlung dagegen aussprach, konnte Haschomer Hazair nicht beitreten. Doch versprach er, in reger Zusammenarbeit mit der Union bleiben zu wollen. Zum Präsidenten der Union wurde der bisherige Cotnmisaire des „Eclaireurs israelites de France“ (EIF), Gamzon, gewählt. Vorläufiger Sitz der Union ist Paris. Hanaar Haivri (Polen) forderte die Verlegung des Amtes für jüdische Arbeit nach dem Osten, doch wurde ihm nur ein Vertreter dieses Amtes in Paris zugestanden. Nach zwei Jahren soll der Sitz der Union nach Palästina verlegt werden. In der letzten Sitzung wurde auch beschlossen, daß bei Auflösung der Union, ihr Vermögen gleichmäßig dem K.K.L. und der Hebräischen Universität zufallen solle. Einen würdevollen Abschluß fand der Kongreß durch eine schlichte Herzlfeier, bei der auch der Opfer der Unruhen vor zwei Jahren gedacht wurde. Am 18. August wird das Lager schließen. Am 8. August wurde auch noch ein reichhaltige Ausstellung eröffnet, die in den Stand der heutigen jüdischen Jugendbewegung einen tiefen Einblick gewährt. Besonders reichhaltig und gut ist das Material des J.P.D. Auch nichtpfadfinderische Bünde beteiligten sich. —J. H.— Bundestag der Jugendgruppen im Verband Jüdischer Jugendvereine Berlin, 16. August. (JTA.) ln der Nähe von Ilmenau in Thüringen fand vom 3. bis 6. August der dritte Bundestag des Bundes der Junggruppen im Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Die mehrtägige Aussprache führte zur Festlegung folgender Richtlinien für die Arbeit des Bundes: Der Bund der Junggruppen steht auf dem Boden der gesamtjüdischen Idee, die die jüdischen Bewegungen und Einzelmenschen, die nur ihre Partei kennen, umbiegen und zurückwenden will zur Mitte, zu einem integralen Judentum. Er sieht in der gesamtjüdischen Haltung seiner Menschen die Revolutionierung, die heute nottut, die Abkehr von überalterten Begriffen und Schlagworten. Für den einzig möglichen Erziehungsweg hält der Bund das jüdische Scouting, auf das er im Laufe des nächsten Jahres seine Arbeit unmstellen wird. — Es wurde beschlossen, eine enge Arbeitsgemeinschaft mit dem jüdischen Pfadfinderbund in Deutschland zu bilden. Zum Bundesleiter wurde einstimmig Kurt London gewählt. Julius Rosenwald 7G Jahre Ein jüdischer Philanthrop N e u y o r k , 13. August. (JTA.) Dieser Tage trat der bekannte Philanthrop und Multimillionär Julius Rosenwald, der als der reichste Jude der Welt gilt, in sein 70. Lebensjahr ein. Rosenwald, der in Springfield (Illinois) geboren wurde, begann seine geschäftliche Laufbahn bei der großen Bekleidungsfirma Hammerslough I3ros in Neuyork, verlegte jedoch seine Tätigkeit bald nach Chicago, wo er im Jahre 1895 Vizepräsident und Schatzmeister der Firma Sears Roebuck and Company, des größten Postversandhauses der Welt, wurde. Seit 1910 ist Rosenwald Präsident der Gesellschaft. Allgemeine und jüdische philanthropische Institutionen wurden von Julius Rosenwald in großzügigster Weise gefördert. Auf jüdischem Gebiet hat er sich insbesondere für die Arbeit des Joint Distribution Committee interessiert. An der United Jwish Campaign des Joint Distribution Committee im Jahre 1925 beteiligte er sich mit einem Betrage von einer Million Dollar. 1928 gab er 5 Millionen Dollar für die Kolonisationsarbeit des Joint in Rußland, zu deren Durchführung die amerikanische Gesellschaft für jüdische Landsiedlung in Rußland gegründet wurde, deren Ehrenpräsident Rosenwald neben Felix M. Warburg ist. Er ist ferner Vizepräsident des American Jewisli Committee. Nach dem Tode des Präsidenten des American Jewisli Committee, Louis Marshall, spendete er dem Jewish Theological Seminary of America eine halbe Million Dollar zur Errichtung einer Marshall-Gedächtnisstiftung. Rosenwald gehört zu den wenigen führenden Persönlichkeiten des Joint Distribution Committee und des American Jewish Committee, die sich der erweiterten Jewish Agency nicht angeschlossen haben. Er lehnte den Eintritt in die Agency mit der Begründung ab, daß seiner Meinung nach die Notlage der jüdischen Massen durch Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle, nicht aber durch Massensiedlung nach Palästina oder Argentinien bekämpft werden solle. Gleichzeitig erklärte er jedoch, daß er durchaus kein Gegner des Zionismus sei. Diese Einstellung bekundete er auch durch seine Teilnahme an der großen Protestversammlung, die von den Juden Neuyorks anläßlich der Veröffentlichung des Passfield’schen Weißbuches veranstaltet wurde. Für allgemeine Wohlfahrtszwecke errichtete er im Jahre 1917 den Julius-Rosenwald-Fonds, den er 1928 durch Schenkung von 100 000 Aktien von Sears Roebuck and Co. auf 22 Millionen Dollar brachte und der heute bereits die Höhe von 35 Millionen Dollar erreicht hat. Der Fonds wird von Trustees verwaltet, die beauftragt sind, das Kapital binnen 25 Jahren nach Rosenwalds Tode zu verteilen. Außerdem spendete er 3 Millionen Dollar zur Errichtung von Negerschulen in den südlichen Territorien der Vereinigten Staaten, 3 Millionen Dollar für ein Industriemuseum in Chicago und 2 Millionen für die Chicagoer Universität. Bekanntlich hat Julius Rosenwald vor kurzem auch der Stadt Berlin eine Million Dollar zur Errichtung einer Kinderzahnklinik zur Verfügung gestellt. Aus der jüdischen Welt Blitz schlägt in die Synagoge von Eberswalde ein Berlin, 17. August. (JTA.) Während eines starken Gewitters, das am Sonntag, dem 16. August,, über Eberswalde niederging, schlug der Blitz in die dortige Synagoge ein. Die Kuppel der Synagoge verbrannte und durch den einströmenden wolkenbruchartigen Regen wurde die Inneneinrichtung der Synagoge stark beschädigt. Henriette Fürth 70 Jahre Frankfurt a. M., 15. August. (JTA.) Am 15. August beging die bekannte Vorkämpferin der Frauenbewegung, Henriette Fürth, ihren 70. Geburtstag. Henriette Fürth, die 1861 in Gießen geboren wurde, ist eine Mitbegründerin der Mütterschutzbewegung. Seit 1890 betätigte sie sich auf dem Gebiet des jüdischen öffentlichen Lebens und setzte sich insbesondere für die Arbeit des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ein, dessen Frankfurter Ortsgruppe sie seit Gründung angehört.