Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 34 (21.8.1931)
- Date
- 1931-08-21
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 475 Die Berliner Liberalen verhalten sich nicht viel anders, als man es von ihnen erwartet hat — sie werden sich aber bitter täuschen, wenn sie glauben, daß der Geist Herrn Woydas mehr könne als zerstören. Früher oder später werden sie selbst das mit Schrecken erkennen; fragt sich nur bis zu welcher Grenze man diese Zerstörungsarbeit gehen lassen kann. Es wird Aufgabe der jüdischen Volkspartei sein die Öffentlichkeit gebührend aufzuklären, wohin diese verblendete Taktik führt, um dadurch wenigstens das Schlimmste zu verhüten. Drohender Zusammenbruch der Wohlfahrtspflege der Israelitischen Gemeinde Frankfurt Frankfurt a. M„ 16. August. (JTA.) Die Organisation der Wohlfahrtspflege der Israelitischen Gemeinde Frankfurt ist bereits seit einigen Monaten durch die Wirtschaftskrise ernstlich gefährdet. Das Gemeindeparlament hat sich in seiner letzten Sitzung genötigt gesehen, die sofortige Einleitung einer Notstandsaktion zu beschließen. Inzwischen hat sich die Lage durch die letzten Wirtschaftsereignisse weiter zugespitzt, so daß der gänzliche Zusammenbruch aller Wohlfahrtsinstitutionen der Gemeinde in bedrohliche Nähe gerückt ist. Die Israelitische Gemeinde hat deshalb in einer Sonderausgabe ihres Gemeindeblattes folgenden letzten Hilferuf an die Gemeindemitglieder gerichtet: „Die Jüdische Wohlfahrtspflege befindet sich in einer Katastrophe! Wenn ihr nicht in ausreichendem Maße von allen Kreisen der Frankfurter jüdischen Bevölkerung in großzügiger Weise Mittel zur Verfügung gestellt werden, muß sie in kurzer Zeit ihre gesamte Fürsorgetätigkeit einstellen. Das bedeutet: Hunderte jüdische Familien Männer, Frauen und Kinder werden auf der Straße liegen; Hunderte körperlich geschwächter Kinder werden für ihr ganzes Leben gesundheitlich geschädigt werden; Hunderte geistig oder körperlich gefährdeter junger Menschen werden der Verwahrlosung verfallen. Tausende müssen hungern! Eine Verwahrlosung wird einsetzen, deren Folgen nicht abzusehen sind! Schnelle Hilfe tut not! Jeder muß helfen!“ Der Hakenkreuzkrieg Neue Friedhofschändungen Berlin, 13. August. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Neumagen an der Mosel wurden in einer der letzten Nächte 9 Grabsteine umgeworfen. Auch auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Reichelsheim wurden etwa 10 Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Die Gemeinden Reichelsheim und Fränkisch-Crumbach (Hessen) haben eine Gesamtbelohnung von 100 RM. für die Ergreifung der Täter ausgesetzt.. Jugendgruppe bedroht Erfurt, 13. August. (JTA.) Auf der Sorge bei Pennewitz (Thüringen) fand dieser Tage ein Lager des Bundes der Junggruppen im Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Wenige Tage nach Errichtung des Lagers erschien ein Trupp von etwa 20 Burschen um Mitternacht auf dem Lagerplatz, wo 15 Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren in Zelten übernachteten, trat ein Lagertor nieder, zerschnitt mutwillig eine Zeltbahn, entwendete einen Wimpel und bedrohte die Jugendlichen mit schweren Knüppeln. Unter Niederrufen auf die Juden fielen die Angreifer über die Jungen her, von denen zwei schwer mißhandelt wurden.' Der Überfall war planmäßig erfolgt, Kommandos wurden erteilt, mit Taschenlampen Signale gegeben. Scließlich erklärten die Rowdies, das Lager müsse bis morgens 7 Uhr geräumt werden, sonst würden sie es selbst räumen, da sie auf diesem Platze keine Juden dulden wollten. Der Führer der Jugendgruppe versuchte vergeblich, die Polizei in Gehren und Königssee zu erreichen. Auch die, Arnstädter Polizei erklärte, nicht zuständig zu sein. Erst auf Veranlassung des Kreiskommissars in Arnstadt stellte der Gemeindevorsteher in Pennewitz zwei Beamte zum Schutz des Lagers bereit. Der Bewachung durch eine Anzahl Reichsbannerleute aus Königssee und Pennewitz, die in selbstloser Weise mehrere Nächte opferte^ ist es zu verdanken, daß das Lager von den Hakenkreuzlern nicht weiter bedroht wurde. Bisher ist es der Polizei nicht möglich gewesen, die Angreifer festzustellen. Fensterstürmer in Berlin Berlin, 14. August. (JTA.) „Berlin am Morgen“ meldet, daß nationalsozialistische Täter am 13. August gegen 3 Uhr morgens die Schaufenster des dem jüdischen Möbelhändler Strewitzki gehörenden Geschäftes in der Bismarckstraße zertrümmert haben. Kurze Zeit darauf ging auch die Scheibe eines gegenüberliegenden Geschäftes in Scherben. Die Täter konnten entkommen, bevor Polizei eintraf. Im Leichtflugzeugklub München e. V. In einer Hauptversammlung gab der erste Vorsitzende, Architekt M. Fürst, einen Überblick über die Entwicklung des Klubs in den letzten Monaten. Der Vorstand hatte der außerordentlichen Hauptversammlung seine Ämter zur Verfügung gestellt. Bei den Neuwahlen wurde Architekt Max Fürst wieder zum ersten Vorsitzenden gewählt. Einer Kommission wurde die Ausarbeitung neuer Satzungen übertragen. Zahlreiche Nazi erhoben in der Versammlung lauten Protest, weil in die Vorstandschaft auch Juden gewählt wurden. Wie die „Münchener Post“ bemerkt, gehört auch der nationalsozialitische Stadtrat Esser dem Klub an. Weltkongreß jüdischer Pfadfinder Colleville sur Orne, 13. August 31. Von einem Münchener Teilnehmer erhalten wir folgenden Bericht. Am 4. August 1931 wurde in Colleville, einem kleinen Dorf in der Normand/ie, ein Weltlager jüdischer Pfadfinder eröffnet. Deutschland, Frankreich, England, Österreich, Tschechoslowakei, Griechenland, Nordafrika u. a. Länder hatten hierzu etwa 300 Delegierte der verschiedenen Organisationen entsandt. Zwischen diesen fanden pfadfinderische und jüdische Wettbewerbe statt. Die Delegation des J.P.D. aus Deutschland konnte hierbei den 2. Preis erringen. Der Hauptzweck des „Camp kondial“ war die Gründung einer Union aller jüdischen Pfadfinder. Diese wurde in der ersten Sitzung des Kongresses am 4. August 1931 vollzogen. Als Ziel der Union wurde folgendes festgesetzt: „Förderung der praktischen Arbeit, der Arbeit an der Renaissance des Judentums und der praktischen Arbeit in Palästina“. Jedoch wurde keine satzungsgemäße Zusammenarbeit mit dem K.K.L. bestimmt. Der Vertreter des „Haschomer Hazair“, Budkowsky, erklärte der Union nur beitreten zu können, wenn diese nur rein zio-