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Das jüdische Echo · 1931-08-21 · 34 (21.8.1931) · p. Seite 474

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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474 Nr. 34 Das Jüdische Echo ein ruhiges und sicheres Studium in möglichst allen Fakultäten in Jerusalem dringned wünschenswert ist? Andererseits lag folgender von Bruno Woyda gestellter Antrag vor: Die Repräsentantenversammlung wolle beschließen: Für die Hebräische Universität in Jerusalem soll für das laufende Geschäftsjahr keine Auszahlung eines Gemeindebeitrages erfolgen. Zur Anfrage der Volkspartei ergriff Dr. Alfred Klee das Wort. Er bat, die Frage nicht unter den fiskalischen Gesichtspunkten zu betrachten, sondern unter dem Gesichtspunkt, daß der Beitrag für die Hebräische Universität der einzige Beitrag für einen Palästinazweck im Budget der Jüdischen Gemeinde sei, und daß die Leistung dieses Beitrages einer zwischenparteilichen Vereinbarung entspreche, die in der vorigen Sessionsperiode getroffen worden sei. Die Vertreter der Volkspartei hätten sich damals zu gewissen Konzessionen, der Anstellung von Rabbinern, die von liberaler Seite gewünscht wurde, und einer Verkürzung der Legislaturperiode bereit erklärt, um als Kompensation hierfür für die Zustimmung der Liberalen zur Schaffung eines Lehrstuhls der Jüdischen Gemeinde an der Universität Jerusalem zu erlangen. Die Errichtung des Lehrstuhls habe auch bei den Liberalen vollen Anklang gefunden. Die Volkspartei habe sich dagegen verpflichtet, im Laufe der Legislaturperiode keine weiteren Palästinaforderungen zu stellen und habe auch ihre Forderung bezüglich der jüdischen Schule zurückgestellt. Es handelte sich bei den Vereinbarungen über die Schaffung des Lehrstuhls um ein do ut des. Durch eine Ablehnung des Gemeindebeitrages würden sich die Mitglieder der Volkspartei, die an den damaligen Verhandlungen teilgenommen haben, in ihrem Vertrauen auf die Geltung von Treu und Glauben getäuscht fühlen. Auch bei einem Budget von nur 7 Millionen ließe sich ein Beitrag von nur 12 000 Mark im Jahr als einziger Posten für Palästinazwecke rechtfertigen. Die Bedeutung der Förderung eines wissenschaftlichen Instituts vom Range der Jerusalemer Universität sollte auch von nicht zionistischer Seite gewürdigt werden. Bruno Woydo erklärte, man könne die Zeit vor zwei Jahren nicht mit der heutigen vergleichen. Weite Kreise der Berliner Judenheit würden es nicht verstehen, daß in einer Zeit, wo die Wohlfahrtsinstitutionen der Gemeinde und der Beamtenschaft gefährdet sind, Geldmittel für Palästinazwecke bewilligt werden. Als der Lehrstuhl geschaffen wurde, sei die Hebräische Universität eine überparteiliche Institution gewesen. Dies sei heute nicht mehr der Fall. Denn der Zionistenkongreß habe eine Resolution angenommen, in der die Wahrung des nationalen Geistes an der Universität gefordert wird. Kammergerichtsrat Wolff erklärte namens des Vorstandes, zur Interpellation der Jüdischen Volkspartei nicht ausführlich Stellung nehmen, sondern sie nur rein sachlich beantworten zu wollen. Punkt 1 der Interpellation, ob der Gemeindevorstand für das laufende Geschäftsjahr die Auszahlung des Gemeindebeitrages für die Hebräische Universität in Jerusalem veranlaßt habe, sei mit nein zu beantworten. Zu Punkt 2a und c wolle der Vorstand keine Antwort erteilen. Auf die in Punkt 2b gestellte Frage, ob dem Vorstand die Tatsache, daß der Lehrstuhl besetzt sei, sei zu antworten, daß dies dem Vorstand bekannt sei. R.-A. Heinrich Stern führte aus, die Bemerkung Dr. Klees, die Handlungsweise der liberalen Vertreter stehe mit Treu und Glauben nicht in vollständigem Einklang, habe in tief getroffen. Die liberalen Unterhändler bei den zwischenparteilichen Vereinbarungen hätten erklärt, daß sie sich im Hinblick darauf, daß sie nicht wüßten, welche Fraktionen in der nächsten Legislaturperiode in der Repräsentantenversammlung vertreten sein und welche Verhältnisse herrschen würden, nur bis zu den Wahlen im Jahre 1930 binden können. Auch sie hätten nicht damit gerechnet, daß der Lehrstuhl nur für zwei Jahre geschaffen werden sollte. Es müsse aber zwischen Errichtung und Erhaltung des Lehrstuhls unterschieden werden. Alle Vereinbarungen seien damals ausdrücklich befristet getroffen worden. Entscheidend für seine jetzige Stellungnahme in dieser Frage aber sei der Beschluß des Zionistenkongresses über die Universität. Nachdem noch R.-A. Dr. Kollenscher als Vorsitzender der Kommission, die die Vorbereitungen zur Schaffung des Lehrstuhls getroffen hat, darauf hingewiesen hatte, daß man sicher nicht im Juli 1930 die Besetzung des Lehrstuhls vorgenommen hätte, wenn damit gerechnet worden wäre, daß der Lehrstuhl nur b.i$ Dezember desselben Jahre.vbestehen sollte, hielt Dr. Klee das erste Schlußwort. Er betonte, für die Notwendigkeit, jüdischen Studenten eine ruhige Arbeitsstätte zu sichern, spreche der in vielen Ländern bestehende Numerus clausus. Die Kongreßresolution über den „nationalen Geist“, die übrigens falsch aufgefaßt worden sei, könne die Art, wie ein Lehrstuhl für Botanik geleitet wird, keineswegs beeinflussen. Das zweite Schlußwort hielt Bruno Woyda. Er erklärte, für eine demokratische Körperschaft müsse die Entscheidung der Wähler maßgebend sein. Diese aber hätten dahin entschieden, daß die Förderung des Palästinawerkes, solange es national-jüdisch und zionistisch sei, nicht Sache der Gemeinde sein könne. Es folgte die namentliche Abstimmung über den Antrag Woyda, die das oben mitgeteilte Resultat ergab. Im eigenen Namen, sowie im Namen des Vertreters der Überparteilichen Vereinigung Dr. Joseph Hirsch gab sodann Dr. Alfred Wiener (Rel. Mittelp.) die Erklärung ab, er habe sich der Stimme nur im Hinblick auf die Finanzlage der Gemeinde enthalten. Die außerordentlich wichtige Arbeit, die die Universität im vorderen Orient leiset, müsse von jedermann anerkannt werden. Er wünsche, daß sich die Finanzlage der Gemeinde bald ändere, damit eine so hervorragende wissenschaftliche Arbeit wie die der Universität auch von der Berliner Jüdischen Gemeinde wieder gefördert werden könne. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es noch zu einer Aussprache über das Verhältnis der Jüdischen Gemeinde zur Jewish Agency. Dr. Oskar Wolfsberg (Volksp.) hob die Bedeutung der Agency für das Gesamtjudentum hervor, und bezeichnete die Mitarbeit am Palästina-Aufbau als die schönste Aufgabe jeder jüdischen Gemeinschaft. Kammergerichtsrat Leo Wolff gab eine Darstellung der seinerzeit zwischen dem Initiativkomitee der Agency und der Gemeinde geführten Verhandlungen, die zu keinen festen Vereinbarungen zwischen den beiden Körperschaften geführt habe. Seine Ausführungen wurden von Rechtsanwalt Heinrich Stern ergänzt. Zu diesem Punkt ergriffen noch Dr. Kurt Fleischer (lib.), Alfred Berger (Volksp.) und Redakteur M. Waldmann (Volksp.) das Wort.

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