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Das jüdische Echo · 1931-08-21 · 34 (21.8.1931) · p. Seite 473

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
Seite 473 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 473 listisch, daß sie es z. B. nicht für nötig fanden, als palästinensische Gruppe das Grab des Schöpfers des jüdischen nationalen Ideals für Palästina in Döbling zu besuchen. Sie defilierten vor Seitz und Adler, die sich das Tragen der jüdischen Fahne verbaten, aber nicht vor dem toten Führer Theodor Herzl. Dieser Angriff auf die Internationale ist unserer Ansicht nach nicht ganz glücklich, wenn auch in Wien, wo gerade die jüdischen Sozialisten stets den Zionismus gehässig anfeindeten, nicht ganz so ungereimt, wie es scheinen möchte. Gänzlich abwegig aber ist der Angriff auf die palästinensischen Olympiade-Teilnehmer, die — mögen sie das Grab Herzls aus welchen Gründen immer nicht besucht haben — doch gerade bei diesem Vorfall ihre jüdische und zionistische Zuverlässigkeit aufs schlagendste bewiesen. Es wird festgestellt Spät, aber doch liest man in der Berliner „Welt am Abend“ vom 4. d. M. einen Satz, den man in jüdischen Kreisen beachten sollte: „In unserer Redaktion z. B. sitzt schon seit längerer Zeit nicht ein einziger Jude.“ Das Blatt wird vom kommunistischen Reichstagsabgeordneten Münzenberg herausgegeben. Man darf auch nicht annehmen, daß es ein zufälliger „Schreibfehler“ ist, denn schon bei anderer Gelegenheit hat man von dieser Stelle aus festgestellt, daß; es kein Zufall sei, daß im Z.K. der KPD. kein einziger Jude sitze. Wir gestehen, daß wir darüber hocherfreut sind. Aber es scheint doch, daß es ebenfalls nicht ein bloßer Zufall war, daß die KPD. sich in die antisemitische Volksentscheidfront einreihte. Übrigens war Karl Marx, und das können die „echten“ Marxisten doch noch nicht vergessen haben, Jude. Wir hielten Herrn Münzenberg bisher für zu klug, als daß er solche merkwürdigen Entgleisungen billigen könnte — aber daß Kommunismus oder Sozialismus antisemitische Gesinnung durchaus nicht auszuschließen braucht, muß leider bei dieser Gelegenheit auch wieder einmal festgestellt werden. Die Berliner Jüdische Gemeinde unter dem Druck der Wirtschaftsnot Kein Beitrag für die Hebräische Universität Jerusalem in diesem Jahre. 50%ige Kürzung der Personalausgaben erwogen. Berlin, 18. August (JTA.). Die am Montag, den 17. August, abgehaltene Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde hatte sich insbesondere mit der durch die außerordentlich schwierigen finanziellen Verhältnisse der Gemeinde gebotene Restriktion der Personalausgaben und mit der Frage der weiteren Subventionierung der Hebräischen Universität in Jerusalem zu befassen. Daneben führte eine Anfrage über die zwischen der Berliner Jüdischen Gemeinde und der Jewish Agency bestehenden Vereinbarungen zu einer grundsätzlichen Aussprache zwischen den Vertretern der liberalen und volksparteilichen Fraktion. Während in der Frage des vom Gemeindevorstand in Aussicht genommenen Personalabbaus eine weitgehende Übereinstimmung zwischen den beiden großen Parteien erzielt werden konnte, indem sowohl von der volksparteilichen Fraktion, die beantragt hatte, anstelle eines Abbaues eine generelle Gehaltskürzung vorzunehmen, als auch von den Liberalen die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen unter größtmöglicher Schonung der Betroffenen anerkannt wurde, führte das Problem der weiteren Erhaltung des von der Berliner Jüdischen Gemeinde errichteten Lehrstuhls für Botanik an der Universität Jerusalem zu einer scharfen Scheidung der beiden Hauptgruppen des Hauses. Es lag zu diesem Punkt der Tagesordnung eine Anfrage der Jüdischen Volkspartei vor, ferner ein Antrag des Mitglieds der Repräsentantenversammlung Bruno Woyda, in dem gefordert wurde, daß für das laufende Geschäftsjahr keine Auszahlung eines Gemeindebeitrages an die Hebräische Universität erfolgen soll. Nach längerer Aussprache, in der diese Frage von volksparteilicher und liberaler Seite sowohl in ihrer grundsätzlichen Bedeutung, als auch unter dem Gesichtspunkt der augenblicklichen Finanzlage der Gemeinde eingehend erörtert wurde, gelangte der Antrag Woyda in namentlicher Abstimmung zur Annahme. Für den Antrag wurden 20 Stimmen der Liberalen, gegen ihn 12 Stimmen der volksparteilichen Vertreter abgegeben. Die Vertreter der religiösen Mittelpartei und der Überparteilichen Vereinigung hatten sich der Stimme enthalten. Die Tagesordnung wurde mit der gleichzeitigen Beratung der Vorlage des Gemeindevorstandes betreffs Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über die Einführung der Reichsbesoldungsordnung für die Angestellten der Jüdischen Gemeinde und eines Antrages der Jüdischen Volkspartei, statt Vornahme eines Abbaus sämtliche Gehälter unter gleichzeitiger Streckung der Arbeitszeit zu kürzen, eröffnet. Der volksparteiliche Antrag wurde von Alfred Berger begründet. Namens des Gemeindevorstandes wies der Personalreferent Moritz Rosenthal darauf hin, daß es der Gemeinde unter den jetzigen Verhältnissen ganz unmöglich sei, den bisherigen Personaletat von 6% Millionen Mark aufrecht zu erhalten. Es seien in diesem Jahre nicht mehr als 4 Millionen an Steuereingängen zu erwarten, wozu noch höchstens 3 Millionen an anderen Eingängen hinzukämen. Im Sinne des volksparteilichen Antrages wurden schließlich zwei 5gliederige Kommissionen zur Beratung der Einführung der Reichsbesoldungsordnung und der Überprüfung der Notwendigkeit von Abbaumaßnahmen eingesetzt. Der umkämpfte Lehrstuhl. Nach Erledigung von Vorlagen betreffend Änderung der Gebete bei Beerdigungen und eine Änderung des Statuts der Altersversorgungsanstalten trat die Versammlung in die Beratung der Frage ein, ob zur Erhaltung des von der Berliner Jüdischen Gemeinde errichteten Lehrstuhls an der Universität Jerusalems auch in diesem Jahre ein Beitrag geleistet werden solle. Die Volkspartei hatte hierzu folgende Interpellation eingebracht: 1. Hat der Gemeindevorstand für das laufende Geschäftsjahr die Auszahlung des Gemeindebeitrages für die Hebräische Universität in Jerusalem veranlaßt? 2. Wenn das nicht der Fall sein sollte: a) weiß der Gemeindevorstand, daß die fortlaufende Subventionierung einer zwischenparteilichen Vereinbarung entspricht? b) Ist dem Gemeindevorstand bekannt, daß der durch die Subvention der Berliner Jüdischen Gemeinde geschaffene Lehrstuhl besetzt ist? c) Weiß der Gemeindevorstand, daß gerade im Hinblick auf die Verfolgungen, denen die jüdischen Studenten an vielen europäischen Universitäten ausgesetzt sind,

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