Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 33 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- Seite 466 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Da« Jüdische Echo Nr. 33 46^ Regierung in interne jüdische Gemeindeangelegenheiten, die darin zum Ausdruck kommt, daß aus den Gemeindebudgets alle Subventionen für jüdische Kulturzwecke gestrichen werden. Die Regierung begründet ihr Vorgehen damit, daß die Gemeinden rein religiöse und philanthropische Institutionen seien und als solche nicht das Recht hätten, Subventionen für jüdische Schulen und andere kulturelle Institutionen zu gewähren. Aus Kielce wird berichtet, daß eine Anzahl bedeutender jüdischer Handwerkerschulen und Elementarschulen, die von vielen Hunderten armer jüdischer Kinder besucht werden, vor der Schließung stehen, weil das Unterrichtsministerium der jüdischen Gemeinde Kielce endgiltig verboten hat, diese Anstalten zu unterstützen. Die Schulen, die durch das Eingreifen des Unterrichtsministeriums nunmehr geschlossen werden sollen, haben nicht nur eine hohe kulturelle Bedeutung, sondern brachten dadurch, daß sie ihre Schüler beruflich ausbildeten und durch Schulküchen für die Ernährung der Schüler sorgten, weiten Kreisen auch wirksame ökonomische Hilfe. Die Gemeinde Kielce hatte es daher als außerordentlich wichtig erachtet, diese Schulen trotz der Knappheit der in der jetzigen Zeit wirtschaftlicher Depression in Polen der Gemeinde zur Verfügung stehenden Mittel zu unterstützen. Streichungen von Subventionen für weltliche jüdische Schulen werden außerdem aus Lida, Pinsk und Luck gemeldet. Die Executive der jüdischen Schulorganisation bereitet eine großzügige politische Kampagne gegen diese Bedrohung des jüdischen Schulwesens in Polen vor. Die Ortsgruppen der jüdischen Schulorganisation leiten Hilfsaktionen zur Stützung der jüdischen Schulen ein. Überfälle auf Juden in Alexander Lodz, 4. August. (JTA.) In Alexander bei Lodz und in der benachbarten deutschen Ortschaft Kali haben Gruppen nationalsozialistischer Rowdies Überfälle auf jüdische Passanten verübt. Fünf Personen, unter ihnen der Vater des bekannten jüdischen Stadtverordneten von Lodz, Millmann, wurden erheblich verletzt. Die Polizei konnte zwei der Exzedenten festnehmen. Antireligiöse Rosch-Haschonoh-Kampagne in Sowjetrußland Moskau, 8. August. (JTA.) Die energischen Vorbereitungen der antireligiösen Vereinigungen in Sowjetrußland lassen darauf schließen, daß die antireligiöse Kampagne anläßlich des herannahenden Rosch-Haschonoh-Festes in diesem Jahre in viel größerem Maßstabe durchgeführt werden wird als in früheren Jahren. Der Zentralausschuß der militanten Atheisten hat am Donnerstag, dem 6. August, ein Zirkular versandt, in dem alle jüdischen und nichtjüdischen Sowjetorganisationen aufgefordert werden, an der demnächst zu eröffnenden Kampagne; die gegen alle Religionen, insbesondere aber gegen die jüdische Religion, gerichtet sein soll, teilzunehmen. Es wird ein Zyklus antireligiöser Vorträge angekündigt, darunter Vorträge über die Themen „Das Antlitz des modernen Judentums“ und der „Klassencharakter der jüdischen Feiertage“. Wie auf ein verabredetes Signal hat gleichzeitig die gesamte jüdische Presse Sowjetrußlands einen Artikelsturm gegen die jüdische Religion und gegen die „konterrevolutionären Kleriker“ in Rußland und im Ausland eröffnet. Die jüdischen Handwerker in Rußland verlieren die Freizügigkeit Moskau, 4. August. (JTA.) Soeben wurde eine vom Vizepräsidenten Sowjetrußlands und Vorsitzenden der Regierungskommission für Ansiedlung der Juden auf dem Lande Komzet, M. Smidowitsch, Unterzeichnete Verordnung erlassen, derzufolge künftighin jüdischen Handwerkern, dje Mitglieder von kooperativen Artels sind, und die in ihrem Betrieb nicht auf die Einfuhr von ausländischem Rohmaterial angewiesen sind, nicht mehr gestattet werden soll, ihre Kooperative zu verlassen, auch nicht zum Zweck der Ansiedlung auf dem Lande. Das Begräbnis Lee K. Frankels in Neuyork N e u y o r k , 10. August. (JTA.) Die Leiche des am 26. Juli in Paris plötzlich verstorbenen Mitvorsitzenden des Council der Jewish Agency Dr. Lee K. Frankel ist am Donnerstag, dem 6. August, in Neuyork eingetroffen. Am folgenden Tage fand die Bestattung in Anwesenheit zahlreicher jüdischer Führer und hervorragender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Amerikas statt. Die Beerdigungszeremonie wurde in schlichter Weise vollzogen. Am Grabe hielt der Präsident des Joint Distribution Committee und frühere Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency Felix M. Warburg dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Die Palästina-Kampagne in Amerika — Ein Manifest der Führer aller zionistischen Gruppen Neuyork, 2. August. (JTA.) Der Leiter der amerikanischen Palästina-Kampagne Morris Rothenberg, der Vorsitzende der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas Robert Szold, der Sekretär der Poale Zion Berl Locker und der Vorsitzende des Exekutivkomitees der Zeire Zion im Amerika Dr. David Rabelsky haben ein gemeinsames Manifest an die jüdische Jugend Amerikas erlassen, in dem die jüdischen Jugendlichen aufgefordert werden, sich als freiwillige Mitarbeiter für eine am Sonntag, dem 11. Oktober, und am Sonntag, dem 18. Oktober, durchzuführende Haussammlung für die Palästina-Kampagne zu melden. Gleichzeitig mit dem Manifest wird eine Erklärung über die Lage des gegenwärtigen Aufbauwerkes veröffentlicht. Die Leitung der American Palestine Campaign weist darauf hin, daß die ungewöhnliche Maßnahme einer Sammlung von Tür zu Tür infolge der dringenden Notwendigkeit der Aufbringung von Mitteln für die Erhaltung der jüdischen Institutionen in Palästina ergriffen werden mußte. Das Testament Charles Solomons — 69 500 Pfund wohltätige Zwecke Johannisburg, 5. August. Der vor einiger Zeit verstorbene südafrikanische Zionist, Charles Solomon, hat eine Summe von 69 500 Pfund für allgemeine und jüdische Wohlfahrtsinstitutionen hinterlassen. 25 000 Pfund von diesem Betrage sind für Palästinazwecke bestimmt, und zwar 7000 Pfund zum Bau eines Heims für arme jüdische Einwanderer und zum Ankauf eines Grundstücks für dieses Heim. Das Gebäude soll auch eine Volksküche enthalten, in der sich die Einwanderer zu niedrigen Preisen verköstigen können. Im Testament wird ausdrücklich bestimmt, daß niemand zurückgewiesen werden soll, der in der Küche eine Mahlzeit verlangt. 18 000 Pfund sollen als Stiftungsfonds für dieses Heim in palästinensischen Unternehmungen investiert werden. Ferner ist ein Betrag von 25 000 Pfund zur Unterstützung süd-