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Das jüdische Echo · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. Seite 465

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 465 einem der Verhafteten wurde ein scharf geladener Revolver gefunden. Die Verhandlung wird in Kassel stattfinden. Bundeslager des Zeire Misrachi Vom 27. Juli bis 4. August fand nahe dem jüdischen Lehrgut Geringshof das 4. Bundeslager des Deutschen Ze'ire Misrachi und dessen Jugendgruppe Brith Hanoar statt. Das Lager war von etwa 150 Chawerim und Chaweroth besucht. Auch ein Vertreter des Hapoel Hamisrachi aus Erez Israel war während der Dauer des Lagers anwesend. Im Mittelpunkt der Besprechungen stand die interimsweise Neuwahl der Zentrale des Zeire Misrachi und der Bundesleitung des Brith Hlanoar. In der Sitzung vom Sonntag, in der das Erziebungsprogramm des Bundes diskutiert wurde, war der deutsche Hechaluz durch Liebenstein vertreten. Das kulturelle Programm erstreckte sich auf Arbeitsgemeinschaften über zionistische Geschichte, Palästinakunde, Neuhebräische Literatur und Chaluziuth sowie Bibel und Mischnakurse, hebräische Sichoth und Singgemeinschaften. Das Lager war getragen vom gemeinsamen Willen zu unserem Ziel: Thora waawodah, das wir in der Arbeit unserer Freunde in Geringshof und Burghaun verwirklicht sahen. Trotz der straffen Durchführung des Arbeitsplanes blieb uns noch manche Stunde, die wir bei Lagerfeuer und Horratanzen verbrachten. Die Tatsache, daß ungeachtet der kritischen Wirtschaftslage auch die kleinsten Gruppen ihre Vertreter entsandten, bestärkte uns in dem unerschütterlichen Glauben an den Sieg unserer Idee. E. R. Aus der jüdischen Welt Bildhauer Jacob Pleßner 60 Jahre. Berlin, 5. August (JTA.) Am 18. August vollendet der bekannte jüdische Bildhauer Jacob Pleßner sein 60. Lebensjahr. Pleßner, der in Berlin geboren ist und hier lebt und schafft, ist einer der i epräsentativen deutschen Plastiker. Von seiner Hand stammen mehrere Grabdenkmäler in Berlin, eine große Reihe Portraitplastiken, darunter die von der Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde erworbene Büste von Moses Mendelssohn, und viele Kleinplastiken. Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde, andere jüdische und auch staatliche Kunstsammlungen beherbergen mehrere seiner Schöpfungen. Der Bildhauer, der sich vor einigen Monaten bei einem Unfall seinen rechten Arm gebrochen hat, schuf eine Zeitlang allein mit dem linken Arm eine Reihe Plastiken, die zu seinen besten zählen. Michael Nassatissin gestorben. Bad Kissingen, 10. August (JTA.) In Bad Kissingen verstarb plötzlich an Herzschlag der bekannte Palästinafreund Michael Nassatissin im Alter von 56 Jahren. Nassatissin war im Jahre 1922 aus Rußland ausgewandert und lebte seither in London. Er war Direktor der Ruthenberg- Werke, in denen er eine Viertelmillion Dollar in-' vestiert hatte, und Mitbegründer der Tote Meer- Werke. Auch in anderen palästinensischen Unternehmungen hatte er große Summen investiert. Für verschiedene Palästinazwecke hat er bedeutende Beträge gespendet. Er beabsichtigte, sich in diesem Jahre in Palästina niederzulassen. Schändung des jüdischen Friedhofes in Memel. M e m e 1, 5. August (JTA.) Unbekannte Täter haben auf dem jüdischen Friedhof in Memel 26 Grabsteine umgeworfen und mehrere Grabhügel aufgewühlt. Das Verbrechen wurde von einer größeren Bande begangen, die nachts in den Friedhof eindrang und die Tür des Wächterhauses mit Steinen verrammelte, so' daß der Friedhofwächter verhindert wurde die Polizei zu verständigen. In den jüdischen Kreisen Memels hat der Vorfall umsomehr Bestürzung hervorgerufen, als bisher in Memel von einer antisemitischen Bewegung kaum etwas zu merken war. Die Verwaltung der Memeler Synagoge hat eine Prämie von 1000 Lit auf die Ergreifung der Schänder des jüdischen Friedhofs in Memel ausgesetzt. Eine Delegation der jüdischen Gemeinde Memel hat beim Reichsgouverneur vorgesprochen und ihn ersucht, energische Maßnahmen zur Ausforschung der Schuldigen zu ergreifen. Zusammenbruch der Jüdischen Kooperativbank „Unitas‘ in Warschau. Warschau, 8. Aug. (JTA.) Die jüd. Kooperativbank „Unitas“ in Warschau hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Bemühungen der Bankleitung, den Zusammenbruch des Instituts, das schon seit einem halben Jahre mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, aufzuhalten, wurden durch die verstärkten Abhebungen in letzter Zeit und den Entzug des Staatsbankkredits vereitelt. Auf die Nachricht hin, daß die Bank ihre Schalter geschlossen habe, sammelten sich hunderte Einleger vor dem Gebäude an, die stürmisch die Rückzahlung ihres Depots verlangten. Die erbitterte Menge eröffnete ein Steinbombardement gegen das Banklokal, sämtliche Fensterscheiben wurden eingeworfen. Der Zusammenbruch der Bank hat in den Kreisen der jüdischen Kaufleute und Handwerker, aus denen sich die Klientel des Instituts vorwiegend zusamensetzt, große Bestürzung hervorgerufen. Es wurde ein Komitee zum Schutze der Gläubiger und Einleger gebildet, dem u. a. der ehemalige jüdische Senator Adolf Trusker angehört. Auch aus Kalisch und anderen Städten werden Zusammenbrüche kooperativer Banken gemeldet. Die jüdische Wirtschaftsnot in Polen. Auswanderung nach Lettland. Riga, 5. August (JTA.) In letzter Zeit macht sich eine starke Zuwanderung von Juden aus Polen nach Lettland bemerkbar. Der Zuzug erfolgt hauptsächlich aus den kleinen Städten in der Gegend von Wilna. Die Einwanderer erklären, sie seien infolge der katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrer Heimat zur Auswanderung aus den kleinen Städten genötigt gewesen. Obwohl es ihnen bekannt sei, daß auch in Lettland die Verhältnisse nicht günstig sind, hätten sie sich zur Auswanderung entschlossen, da sie in Polen vom Hungertode bedroht waren. Die neueingewanderten Juden halten sich gegenwärtig hauptsächlich in Dwinsk auf. Ihre Lage ist im Hinblick darauf, daß sie von den lettischen Behörden keine Arbeitsbewilligungen erhalten und daher keine Beschäftigungen erhalten können, äußerst bedrohlich. Die polnische Regierung gegen die jüdisch-kulturellen Institutionen. Überall Streichung der Gemeindesubventionen. Warschau, 10. August (JTA.) In den Kreisen der jüdischen Führer Polens herrscht lebhafte Empörung über die Einmengung der polnischen

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