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Das jüdische Echo · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. Seite 464

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
Seite 464 (sequence 8)
Language
German
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464 Das Jüdische Echo Nr. 33 Von der Arbeit der zionistiscben Jugend Sommer-Camp des Kartells jüdischer Verbindungen K o 11 b u s , 5. August. (JTA.) Vom 31. Juli bis 3. August fand auf dem jüdischen Siedlungsgut Groß-Gaglow bei Kottbus das diesjährige Sommerlager des Kartells jüdischer Verbindungen, der größten zionistischen Studentenorganisation, statt. Die Tagung war aus allen Teilen des Reiches außerordentlich gut beschickt. Der offizielle Teil begann am Samstag abend. Nach einer Eröffnungsansprache des Vizepräsidenten, Referendar Heinz Gerling, der die Einheit des Kartells und des Zionismus als ein Gebot der Stunde in dieser politisch und wirtschaftlich gefahrvollen Situation des Judentums forderte, hielt Referendar Hans Klee ein Referat über die „Lage des Zionismus nach dem Kongreß“, in dem er zunächst einen Rückblick auf den Kongreß und das Zustandekommen seiner Beschlüsse gab, die Wahl Sokolows zum Präsidenten der Zionistischen Organisation als eine durchaus positiv zu wertende Entscheidung würdigte und sodann die Möglichkeiten zukünftiger Arbeit in politischer, wirtschaftlicher, organisatorischer und kultureller Hinsicht, sowie auf dem Gebiete der Galuth-Arbeit einer Untersuchung unterzog. Der nächste Tag, der unter der Parole „Zionistische Werbung in Deutschland“ stand, wurde durch ein Referat von Dr. Ernst Marcus über „Zionismus im Angriff“ eingeleitet, in dem der Referent mit besonderer Sachkunde einen Überblick über die Psychologie der nicht-zionistischen Judenheit gab, um hieraus Eolgerungen für den Kampf gegen die assimilatorische Ideologie in liberalen und orthodoxen Kreisen und gegen den antizionistischen Teil der sozialen Bewegung zu ziehen. H'einz Wiydra (Leipzig) referierte über „Propagandamethoden unserer Umwelt“, wobei er eine ausführliche Schilderung der nationalsozialistischen und ‘kommunistischen Agitation gab, die in ihrer Beobachtung psychologischer Gesetze auf stärkste Wirkung abgestellt sei, und von der jeder, der sich mit politischer Propaganda befasse, außerordentliches lernen könne. Dr. Hans Anton Wolff (Erankfurt a. M.) machte konkrete Vorschläge zur kommenden Winterarbeit, wobei er besonderen Nachdruck auf die bisher vernachlässigten Kleingemeinden und das flache Land legte. Eine außerordentlich eingehende Diskussion fand ihren Abschluß durch Beratungen in kleinen Kreisen, in denen die Werbeaktionen der einzelnen Verbindungen für die nächsten Monate vorbereitet wurden. Mit einem hebräischen Neshaf und Sportkämpfen am nächsten Tage fand die Tagung ihren Abschluß. Bundestag des Brith Haolim B e r 1 i n , 9. August. (JTA.) Vom 2. bis 5. Aug. fand im Dorfe Wendershausen bei Kassel der diesjährige Bundestag des Brith Haolim (jungjüdischer Wianderbund) unter Beteiligung von 460 Mitgliedern aus dem ganzen Reiche statt. Das Programm der Tagung umfaßte Referate über allgemein jüdische Probleme und über spezielle Bundesfragen, sowie sportliche Wettkämpfe und sonstige festliche Veranstaltungen. Am ersten Verhandlungstage referierte Sereni (Palästina) über die Lage im Zionismus. Er legte dar, daß die Entwicklung der letzten Zeit die Eolgerungen, die schon vor vielen Jahren von jüdischen Theoretikern, insbesondere von Borochow, aus der Analyse der jüdischen Situation gezogen wurden, vollkommen bestätigt hat. Der Referent befaßte sich sodann mit den speziellen Aufgaben, die die sozialistischen Gruppen im gegenwärtigen Augenblick in der zionistischen Bewegung zu erfüllen haben. Der Nachmittag war einer Aussprache über Erziehungsfragen gewidmet. Es wurde die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung und Systematisierung der Erziehungsarbeit hervorgehoben. Der nächste Tag brachte ein Referat über das Thema „Der Bund in der Umwelt“, das in der Eorderung gipfelte, der Brith Haolim solle jetzt, da immer größere Teile der zionistischen Jugend Deutschlands den Weg zur Chaluziuth fänden, gegen alle Spaltungstendenzeil auf die Zusammenfassung der chatuzischen Kräfte in einem einheitlichen Bunde hinwirken. Am letzten Tage wurde der Tätigkeitsbericht der Bundesleitung erstattet, aus dem hervorging, daß der Brith Haolim derzeit 1300 Mitglieder zählt, von denen 180 in Palästina leben und zwar 100 in der Kwuzah Givat Brenner, die übrigen in verschiedenen anderen landwirtschaftlichen Siedlungen. Auf der Sichah, mit der der Bundestag seinen Abschluß fand, wurde eine neue Bundesleitung, bestehend aus Jaakow Oppenheim (Givat Brenner-Berlin), Georg Pape und Leo Steinberg (beide Berlin) gewählt. Gleichzeitig mit dem Bundestage wurde ein Jiingeren-Lager des Brith Haolim zu Ende geführt, das am 17. Juli unter Beteiligung von 80 Jüngeren aus den Ortsgruppen Berlin, Leipzig, Chemnitz, Nürnberg, Fulda und einigen kleineren Ortsgruppen eröffnet worden war. Abwehr eines nationalsozialistischen Überfalls durch Mitglieder des Brith Haolim Kassel, 7. August. (JTA.) In der deutschen Presse war vor einigen Tagen die Meldung verbreitet, daß eine Gruppe von Nationalsozialisten, vorwiegend Schüler der Kolonialschule in Witzenhausen, eine Gruppe von Jungsozialisten in einer Scheune in der Nähe des benachbarten Ortes Wendershausen überfallen haben. Wie der JTA. von Teilnehmern am Bundestag des Brith Haolim mitgeteilt wird, handelte es sich hierbei um einen Angriff auf Mitglieder ihres Bundes. Der Überfall konnte von den Mitgliedern des Brith Haolim noch vor dem Eintreffen der Polizei erfolgreich abgewehrt werden. Die Angreifer, die auf dem Rückweg von einer nationalsozialistischen Versammlung in der Stärke von etwa 40 Mann in die Scheune einzudringen versuchten, wurden von den sofort alarmierten Mitgliedern des Brith Haolim, die sich in Wendershausen zu ihrem diesjährigen Bundestag versammelt hatten, gezwungen, fluchtartig das Weite zu suchen, wobei sie in den Kleidern die Werra durchschwimmen mußten. Bei dem Zusammenstoß gab es einige Verletzte auf beiden Seiten. Dem Kasseler Überfallkommando, das etwas später auf dem Schauplatz eintraf, gelang es, mehrere Teilnehmer an dem Überfall, meist Kolonialschüler, festzunehmen, die zurückgekommen waren, um einige Mittäter abzuholen, die wegen ihrer Verletzungen die Werra nicht hatten durchschwimmen können. Im Laufe der Nacht führte ‘die Polizei in der Witzenhausener Kolonialschule, die als eine Pflegestätte reaktionären Geistes bekannt ist, eine Untersuchung durch, wobei 16 Schüler, deren nasse Kleidung sie als Teilnehmer an dem Überfall verriet, verhaftet wurden. Bei

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