Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 33 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- Seite 463 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 463 chen. Der High Commissioner versicherte dem Konsul, daß der Ausbruch von Unruhen nicht zu erwarten sei, daß aber die Regierung für diesen Fall alle Vorbereitungen getroffen habe. Jerusalem, 6. August. (JTA.) Wie die JTA. erfährt, hatte Chief Rabbi Kook eine längere Unterredung mit dem High Commissioner, in der die die Frage der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Palästina und der Sicherung der jüdischen Kolonien erörtert wurde. Die Bevölkerungsbewegung der Berliner Juden im 2. Halbjahr 1930 Berlin, 9. August. (JTA.) In einem im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin erschienenen Aufsatz stellt Dr. Hubert Pollack auf Grund zahlenmäßiger Beobachtungen, die seit dem 1. Juli 1930 durch das statistische Büro der Jüdischen Gemeinde Berlin vorgenommen wurden, eine Untersuchung über die natürliche Bevölkerungsbewegung der Berliner Juden im zweiten Halbjahr 1930 an. Die statistischen Daten zeigen, daß die Geburtenziffer der Berliner jüdischen Bevölkerung ständig sinkt und daß der Geburtenausfall durch den Rückgang der Sterblichkeit nur teilweise wettgemacht wird. Aus rein jüdischen Ehen wurden in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1930 in Berlin 550 Kinder (284 Knaben, 266 Mädchen) lebend, 13 Kinder (6 Knaben, 7 Mädchen) tot geboren. Dazu kommen noch 47 uneheliche Kinder jüdischer Mütter, darunter 46 lebend geborene. Aus Mischehen mit nichtjüdischer Mutter stammen 76, aus Mischehen mit jüdischer Mutter 51 Kinder. Selbst unter der Annahme, daß im ersten Halbjahr die Geburtenanzahl etwas größer war, steht fest, daß die noch nicht ermittelte Geburtenzahl für das Gesamtjahr 1930 niedriger sein wird als für 1929 und damit die niedrigste Geburtenzahl sein wird, die seit Bestehen der Stadtgemeiinde Groß-Berlin ermittelt worden ist. Unter den ehelich Lebendgeborenen befinden sich 54,9 Prozent erste, 28,18 Prozent zweite, 8,54 Prozent dritte, 3,81 Prozent vierte Kinder. Bei den Kindern aus Mischehen mit jüdischer Mutter betrug die Zahl der Erstgeborenen 52,94 Prozent, bei den Kindern aus Mischehen mit nichtjüdischer Mutter 65,33 Prozent. Es überwiegt somit durchgängig das Einkindersystem, am stärksten in den gemischten Ehen von jüdischem Mann mit nichtjüdischer Frau. Die Zahl der reinjüdischen Eheschließungen belief sich im zweiten Halbjahr 1930 auf 547. Von den männlichen Partnern waren dabei 455 ledig, 45 verwitwet, 47 geschieden; von den weiblichen Partnern waren 478 ledig, 24 verwitwet, 45 geschieden. Mischehen gingen 244 jüdische Männer (184 Ledige, 18 W.itwer, 42 Geschiedene) ein. Von den nichtjüdischen Ehefrauen waren 178 evangelisch (157 Ledige, 6 Witwen, 15 Geschiedene), 34 katholisch (28 Ledige, 1 Witwe, 5 Geschiedene), 2 sonst christliche (beide ledig), 30 Dissidentinnen oder Frauen unbekannter Konfession (26 Ledige, 3 Witwen, 1 Geschiedene), 130 jüdische Frauen heirateten nichtjüdische Männer (103 Ledige, 6 Witwen, 21 Geschiedene). Die nichtjüdischen Ehemänner waren 80 Protestanten (58 Ledige, 4 Witwer, 18 Geschiedene), 14 Katholiken (11 Ledige, 3 Geschiedene, 2 sonstige Christen (beide ledig), 34 Dissidenten oder Männer unbekannter Konfession (26 Ledige, 3 Witwer, 5 Geschiedene). Nach den Zählungsergebnissen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin beträgt die Gesamtzahl der reinjüdischen Ehen im Jahre 1930 1010, die Zahl der jüdisch-nichtjüdischen Mischehen 495, die der nichtjüdisch-jüdischen Mischehen 280. Die Zahl der reinjüdischen Eheschließungen wie die der Mischehen ist höher als im Jahre 1929 (896, 489, 252). 1177 jüdische Menschen sind während des Berichtszeitraums in Groß-Berlin gestorben; davon waren 618 Männer, 559 Frauen. Die Säuglingssterblichkeit war gering. Die meisten Personen starben im Alter von 65 bis 75 Jahren. Die Sterblichkeit der Frauen ist geringer, auch ihr Sterbealter liegt höher als das der Männer. Bei Zurechnung der Geburten aus Mischehen ergibt sich im zweiten Halbjahr 1930 ein Sterbeüberschuß von 455, ohne diese Zurechnung ein Sterbeüberschuß von 581 Menschen, somit für das ganze Jahr 1930 ein Sterbeüberschuß von etwas über 1100 Menschen. Dieser Überschuß entspricht ungefähr dem von 1928 (1133), ist aber niedriger als der von 1929 (1492). Dies ist jedoch nicht auf eine Steigerung der Geburtenzahl zurückzuführen, sondern auf einen Rückgang der Sterblichkeit, die 1929 mit 2714 Personen besonders hoch war. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Ungarn Budapest, 28. Juli. (JTA.) Wie aus einer vor kurzem vom Budapester Rabbinat veröffentlichten Statistik hervorgeht, sind im Jahre 1930 in Budapest 392 Personen aus dem Judentum ausgetreten. Der Glaubenswechsel erfolgte in der Mehrzahl der Fälle anläßlich von Eheschließungen mit Andersgläubigen. Die Zahl der Austritte entspricht schon seit einigen Jahren einem Prozentsatz von ungefähr 0,4 Prozent der jüdischen Bevölkerung. In den Provinzstädten und in den Dörfern ist der Prozentsatz etwas geringer. Zum Rückgang der jüdischen Bevölkerung Ungarns trägt neben der Austrittsbewegung auch das Überwiegen der Sterbefälle über die Geburtenziffer bei. Die Zahl der Todesfälle war im Jahre 1927 um 1067, im Jahre 1928 um 771, 1929 um 1185 und 1930 um 973 höher als die Zahl der Geburten. Die immer mehr um sich greifende religiöse Gleichgültigkeit kommt darin zum Ausdruck, daß 30 Prozent der jüdischen Geburten beim Rabbinat überhaupt nicht angemeldet werden. 30 Prozent der rein jüdischen Ehen werden nicht rituell geschlossen und in mindestens 10 Prozent der Fälle wird die Beschneidung nicht vollzogen. Mindestens 30 000 Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde besuchen nicht einmal am Versöhnungstage die Synagoge. Auflösungsprozeß in jüdischen Gemeinden Böhmens Prag, 9. Aug. (JTA.) Im vergangenen Jahre lösten sich in Böhmen 11 jüdische Gemeinden auf, die noch vor einem Jahrzehnt blühende Gemeinwesen waren, ln vielen dieser Gemeinden wurden die synagogalen Baulichkeiten unter die Obhut des Obersten Rates der jüdischen Gemeinde genommen, um ihre Umwandlung in Turnhallen und Lichtspielhäuser zu verhindern. Auch in der Slowakei sind im letzten Jahre 5 Kleingemeinden aufgelöst worden. In Böhmen ist der Grund des Absterbens so vieler Gemeinden die Abwanderung in die Städte und nicht zuletzt die sinkende Geburten- und die steigenden Sterbeziffer.