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Das jüdische Echo · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. Seite 461

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 461 ihre, des besiegten Volkes Kultur höher ist als die der Sieger, Und weiter sind die Juden in des Römers Pilatus Schilderung ein Volk, das sich zwar verstrickt hat im Alltag mit seinen Händeln und Eifersüchteleien, das aber dabei in der ständigen Erwartung eines neuen Tages lebt, an dem der weltliche, egoistische Ungeist vom reinen Geist erlöst wird. Ein Volk, das fortwährend Propheten und Heilige aus sich heraus erzeugt, die vom Irdischen fort zum Unsterblichen streben — ein Johannes, ein Jesus — Märtyrer, die bereit sind, um ihrer Idee willen sich in der Arena von den wilden Tieren der Römer zerreissen zu lassen oder am Kreuze zu sterben. Ein Volk, in dem die Tausende, die nach Caesarea gekommen sind, um gegen die Entweihung des Tempels durch die römischen Standarten mit dem Bilde des Caesar — eines sterblichen Menschen — zu protestieren, den römischen Söldnern ihre Köpfe zum Abschlagen hinhalten und in dieser nonreststance, diesem „Widerstrebet nicht dem Übel“ die Gewalt durch den Geist besiegen. in einer Zusammenfassung aller Urteile und Wahrnehmungen des Pilatus also ein Herrenvolk, das sich nur durch niemanden und nichts auf der Welt zu geistiger Sklaverei herabdrücken läßt, ewig der Stunde entgegenlebt, in der sein Reich, das nur zum Teil von dieser Welt, zum größeren Teile aber ein Reich des Geistes ist, neu erstehen wird. Hat wirklich der „Falastin“ gemeint, durch die Verdeutlichung dieses Bildes der Juden, das wohl Widersprüche und Schattenseiten enthält, aber eben doch das Bild eines „hochzivilisierten“, geistig heldenhaften Volkes von Wahrheitskündern und Märtyrern ist, dieses jüdische Volk und seine Vergangenheit herabzusetzen? Man sollte meinen, ein orientalisches Volk, müßte Verständnis haben für die Auflehnung eines anderen orientalischen Volkes gegen die politische und geistige Unterjochung durch das europäische Eroberervolk der Römer. Aber der „Falastin“ hat sich offenbar nicht den Wortmaßstab des orientalischen Herrenvolkes zu eigen gemacht, sondern denjenigen des römischen Landpflegers Pontius Pilatus. Wie aber steht dieser Pontius Pilatus vor uns? Als ein pflichttreuer Beamter, der allerdings in schwierigen Situationen wie der non-res istahce- Szene in Caesarea ziemlich ungeschickt und ratlos herumtappt und der ernsthaft daran glaubt, daß die Anlage einer hygienischen römischen Wasserleitung den Raub des heiligen Tempelschatzes rechtfertige. Ein recht unkomplizierter Mensch, dem der Zirkussport nicht minder wichtig ist als seine Amtstätigkeit, der sich von vornherein vornimmt, die Mittel für die teuere Lebenshaltung, die sein Amt ihm gegen seinen Willen aufzwingt, aus den Juden herauszupressen, die, wie er sagt, „niemand würde beherrschen wollen, wenn er es nicht um seiner Gläubiger willen täte“. Ein Beamter, dem ein wenig Hofklatsch Trost in seiner fremden Umgebung bietet und den nicht einmal eine Ahnung anwandelt, daß man in Johannes und Jesus andres sehen könnte als Störer der öffentlichen Ordnung, die irgenwie der Autorität des Caesar schaden können. Kurz und gut, ein westlicher Spießbürger. Ist es dem „Falastin“ entgangen, daß bei dem Vergleich mit dem westlichen spießbürgerlichen Beamten, dessen Spießbürgerlichkeit dazu geführt hat, daß sein Name über die Jahrtausende hinweg den Christen anstößig geworden ist, das orientalische Geistes- und Prophetenvolk der Juden recht imponierend wirkt? Der hebräische Übersetzer scheint jedenfalls der Meinung gewesen zu sein, daß es in diesem „Briefen“ dem Pontius Pilatus erging wie dem Manne, der kam um zu fluchen und dem sich die Flüche in Segenssprüche wandelten. Was dem „Falastin“ ebenso wie dem römischen Landpfleger, der Jesus Christus kreuzigen ließ, als der verdammenswerte Charakter der Juden erscheint, darin sileht der Jude offenbar ewige und unsterbliche Werte — die Werte, denen das Judenvolk verdankt, daß es weiterlebt, während das mächtige Volk des Pontius Pilatus längst untergegangen ist. Beruhigung in Palästina In der ersten Augustwoche herrschte in Palästina eine ungewöhnliche Spannung, die vor allem durch eine hemmungslose arabische Hetze gegen das Vorhandensein versiegelter Waffenlager in den jüdischen Kolonien verschärft wurde. Neue Maßnahmen der Regierung haben nun eine Beruhigung herbeigeführt; über den Verlauf der Ereignisse orientieren die folgenden Meldungen der JTA. Äußerungen eines hohen Regierungsbeamten über die Lage in Palästina J e r u s a 1 e m, 10. August. (JTA.) Wie der JTA. von hoher Regierungsstelle mitgeteilt wird, erblickt die Palästinaregierung derzeit' keinerlei Grund zu Beunruhigung hinsichtlich einer etwaigen Gefährdung der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung in Palästina. In Regierungskreisen ist man der Ansicht, daß dank den Sicherheitsvorkehrungen der Regierung und dem in entschlossenen Worten gehaltenen Communique, in dem die Hetze gegen die Institution der versiegelten Waffenlager in den Kolonien verboten wurde, alle im Lande bezüglich einer möglichen Störung der Ruhe und Ordnung entstandenen Befürchtungen rasch zerstreut wurden. Allgemein herrscht die Überzeugung vor, daß die Regierung jeden Versuch, die öffentliche Ruhe zu stören, energisch unterdrücken werde. Die letzten Maßnahmen der Regierung lassen erkennen, daß die von arabischer Seite geplanten Demonstrationsversammlungen am 15. August nicht werden gestattet werden. Die Regierung erwartet, daß sich ihre Warnung an diejenigen, die für antijüdische Agitation •irgendwelcher Art verantwortlich sind, als wirksam erweisen werde. Die Regierung steht auf der Wacht und wird, sobald es notwendig werden sollte, die entsprechenden Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung treffen. Sie ist bestrebt, das Gefühl der Unsicherheit, das auf einer Überschätzung der Bedeutung der arabischen Propaganda beruht, zu beseitigen. Jerusalem, 7. August. (JTA). Die hebräischen Zeitungen stellen übereinstimmend fest, daß gegenwärtig kein Grund mehr zu einer Beunruhigung wegen einer möglichen Störung der öffentlichen Ruhe vorhanden ist. Proteststreik der arabischen Zeitungen in Palästina Jerusalem, U). August. (JTA.) Am Montag, dem 10. August, haben die arabischen Tageszeitungen ihr Erscheinen, wie dies in der vorigen Woche angekündigt wurde, zum Protest gegen das Verbot einer Propaganda gegen die Institution der Waffenlager in den jüdischen Kolonien auf

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