Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 32 (7.8.1931)
- Date
- 1931-08-07
- Page
- Seite 453 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 453 Das Jüdische Echo nen, die auf illegale Weise ins Land gekommen sind, aufzufassen. Ihre Geltungsdauer endet am 30. September 1931. Auf Grund dieser Verordnung werden ungefähr 10 000 Juden und eine beträchtliche Anzahl von Arabern, die illegal eingewandert sind, das Aufenthaltsrecht in Palästina erlangen. Dadurch wird die bevorstehende Volkszählung in Palästina wesentlich erleichtert. In jüdischen Kreisen wird die neue Verordnung als die weitherzigste und entgegenkommendste Maßnahme gegenüber den Juden während der gesamten Amtsperiode des gegenwärtigen High Commissioners, Sir John Chancellor, betrachtet. Aus der jüdischen Welt Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin Berlin, 4. August. (JTA.) Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hat am Montag, dem 3. August, eine Sitzung abgehalten, in der die Vertreter der beiden großen Fraktionen dieser Körperschaft im Anschluß an eine von der Jüdischen Volkspartei an den Gemeindevorstand gestellten Anfrage Gelegenheit fanden, ihren Standpunkt zur Frage der Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung und der Verteidigung ihrer politischen Interessen durch ihre öffentlich anerkannten Vertretungen, Gemeinden und Landesverbände, zu präzisieren. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten gelangte eine dringliche Anfrage der Volkspartei über die Verteilung der Dezernate im Gemeindevorsland zur Behandlung. Eine formelle Beantwortung der Anfrage würde im Hinblick darauf, daß die Verteilung der Dezernate ausschließlich Sache des Gemeindevorstandes sei, von diesem abgelehnt. Die Jüdische Volkspartei hatte ferner folgende Anfrage gestellt: „Wir fragen den Gemeindevorstand an, oh er die Entwicklung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage der Berliner Juden mit der dem Ernst der Situation entsprechenden Aufmerksamkeit verfolgt und entschlossen ist, bei immer weiterer Verschärfung der politischen Lage die jüdischen Rechte mit allem Nachdruck zu wahren.“ Der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindevorstands Kammergerichtsrat Wolff erklärte, der Gemeindevorstand habe noch nicht Gelegenheit gehabt, zu dieser Anfrage Stellung zu nehmen. Dr. Kurt Fleischer gab namens der liberalen Fraktion eine kurze Erklärung ab, in der er u. a. ausführte: Die liberale Fraktion hält es für absolut abwegig, daß politische Fragen von der Jüdischen Gemeinde behandelt werden. Die Gemeinde hat die sozialen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu wahren, sie hat aber nicht die Aufgabe, den Nationalsozialismus zu bekämpfen. Die Liberalen sind der Ansicht, daß sich die Gemeinde mit der Anfrage überhaupt nicht zu befassen habe. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es noch zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Woyda (lib.) und Waldmann (Volksp.) bei der Besprechung eines Dringlichkeitsantrages der Volkspartei, dem Wohlfahrtsamt die Mittel zur Bestreitung dringendster Ausgaben unverzüglich zur Verfügung zu stellen. Herr Woyda hatte an die Volksparlei den Appell gerichtet, ihre Anhänger zu größerer Gebefreudigkeit für jüdische Wohlfahrtszweckc in Deutschland anzuregen, und im Zusammenhang damit darauf bingewiesen, daß ein Mitglied der Gemeinde anläßlich des Zionislenkongresses 60 000 RM. für den Jüdischen Nationalfonds gespendet habe. Herr Waldmann wandte sich heftig gegen diese Bemerkung, die er als Provokation bezeichnete. Eine von der Jüdischen Volkspartei eingebrachte Resolution gegen die Ausschreitungen in Saloniki wurde, nachdem Direktor Stahl namens des Vorstandes mitgeteilt hatte, daß dieser in seiner letzten Sitzung beschlossen habe, sein Mitgefühl für die Juden Salonikis zum Ausdruck zu bringen, mit 13 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Verschiedene Vorlagen wurden angenommen. Die Behandlung von Anfragen und Anträgen bezüglich der Vereinbarungen zwischen der Gemeinde und der Jewish Agency, des Gemeindebeitrages für die Hebräische Universität in Jerusalem und der Tätigkeit des Studentenseelsorgers wurde vertagt. Julius Rosenwald stiftet eine Million Dollar für eine Kinder-Zahnklinik in Berlin Berlin, 30. Juli. (JTA.) Der bekannte jüdische Philanthrop Julius Rosenwald aus Chicago hat dem Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters Sackett die Absicht mitgeteilt, der Stadt Berlin eine Stiftung in Höhe von einer Million Dollar zur Errichtung einer Kinder-Zahnklinik zu machen. Der Magistrat hat sich mit der Annahme dieser Stiftung grundsätzlich einverstanden erklärt. Das Testament Lord Melchetts London, 20. Juli. (JTA.) Am 29. Juli wurde das Testament Lord Melchetts veröffentlicht. Aus dem Testament geht hervor, daß Lord Melchett, der an der Spitze großer Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von über 120 Millionen Pfund gestanden halte, und dessen Eigenvermögen seinerzeit auf 10 Millionen Pfund geschätzt wurde, bloß eine Million Pfund hinterlassen hat. In diesem Betrage sind allerdings nicht seine Besitzungen in Palästina und seine berühmte Kunstsammlung, die auf über 200 000 Pfund geschätzt werden, inbegriffen. Ein Fünftel seines Nachlasses fällt in Form von Erbschaftssteuer dem Staate zu. Seiner Witwe hat Lord Melchett 50 000 Pfund, seinem Sohn Heinrich 100 000 Pfund, seiner Tochter, der Viscountess Erleigh seine palästinensischen Besitzungen hinterlassen; der Rest des Nachlasses wird unter seine übrigen Kinder verteilt. Wie bereits gemeldet, sind im Testament Lord Melchetts Wohlfahrtsinslitulionen nicht bedacht worden. Im Testament wird darauf hingewiesen, daß Lord Melchett bereits zu Lebzeiten humanitäre Institutionen in reichem Maße bedacht hat. Ein neues jüdisches Zentrum in London London, 28. Juli. (JTA.) Am 26. Juli fand in London die Grundsteinlegung zu einem jüdischen Gemeindehaus statt, in dem alle religiösen, erzieherischen, philanthropischen, politischen und sozialen Institutionen der englischen Judenheit beherbergt werden sollen. Die Kosten dieses neuen „Jüdischen Zentrums“ sind auf 100 000 Pfund veranschlagt. Das Gebäude wird in Tavistoek Square-Bloomsbury errichtet und soll in einem besonderen Flügel u. a. das englische Rabbinerseminar, das Jews’ College, das bisher in einem Gebäude in Queens Square untergebracht war, aufnehmen. Man rechnet damit, daß der Bau bereits Ende dieses Jahres beziehbar sein wird. Die Feier der Grundsteinlegung wurde unter großer Beteiligung und in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten der englischen Judenheit abgehaltcn. Weltkonferenz der Poale Zion in Wien Wien, 30. Juli. (JTA.) In Wien fand anläßlich der Tagung des Internationalen Sozialistenkongres-