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Das jüdische Echo · 1931-08-07 · 32 (7.8.1931) · p. Seite 452

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
32 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
Seite 452 (sequence 8)
Language
German
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452 Das Jüdische Echo Nr. 32 rufene Polizei nahm zwei Personen fest und führte sie der Abteilung IA zu. Nach den Berichten von Augenzeugen kam aus der Puttkamer Straße ein geschlossener Zug von ungefähr 100 SA.-Leuten, der in die Friedrichstraße einbog und in der Nähe der Hedemannstraße einem etwa zwölf Mann starken, vom MacDonald-Empfang kommenden Reichsbannertrupp begegnete* Die Reichsbannerleute wurden von der vielfachen Übermacht der Nazis überfallen. Die Nazis schlugen auf diejenigen, die sich nicht im letzten Moment in Sicherheit bringen konnten, blindlings ein und ließen sie dann hilflos liegen, um neue Heldentaten zu verüben. So wurden mehrere jüdisch aussehende Straßenpassanten, die ruhig ihres Weges gingen, angerempelt und mißhandelt. Ebenso wurden einige erwerbslose Schauspieler, die auf dem Wege zu ihrem Nachweis in der Besselstraße waren, tätlich angegriffen. Ehe noch die Polizei zur Stelle war, hatten die Nazis schon ihr Standquartier in der Hedemannstraße aufgesucht und sich dort versteckt. Lutherscher Geist Protestantismus und Nationalsozialismus Berlin, 24. Juli. (JTA.) Der Evangelische Bund, der sich für politisch unparteiisch erklärt und „seine Aufgaben in erster Linie in der Pflege protestantischen Öffentlichkeitswillens sieht“, hatte auf seiner diesjährigen Generalversammlung der Frage „Nationalsozialismus und Protestantismus“ ein Referat gewidmet, das von dem rheinischen Bundesführer D. Hermann Kremers gehalten wurde und nun unter obigem Titel in den „Volksschriften des Evangelischen Bundes“ erschienen ist. Die „Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter (Mitteilungen des Evangelischen Bundes)“ widmen dem Vortrag offiziell eine rückhaltlos zustimmende Besprechung, in der darauf hingewiesen wird, daß der Nationalsozialismus heute die wichtigste geistige Bewegung ist, und daß Kremers mit diesem Referat „eine wirklich grundlegende und wegweisende Arbeit geleistet hat“. In dem Erwachen des Nationalsozialismus, heißt es in der Auslassung des erwähnten Organs des Evangelischen Bundes, begrüßt der Verfasser einen Aufbruch der deutschen Seele, die grundsätzlich zu bejahen ist: Volkstum ist Gottesschöpfung, es ist Träger einer eigenen Idee. Das ist Lutherscher Geist, der hier spricht. Und diesem Geiste gegenüber hat der Protestantismus Aufgaben. Als ein Verdienst des Nationalsozialismus bezeichnet das Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes das Aufwerfen der Rassenfrage, wenn auch der Protestantismus jede Rassenvergötzung entschieden ablehnt. In diesem Sinne sei der Staatsgedanke des Nationalsozialismus — der Staat kein Zweckverband, sondern Blutsverband — sowie die gelegentlich als „preußisch“ bezeichnete Sozialmoral nicht abzulehnen. Der Protestantismus, so wird gefolgert, sei auf dem richtigen Wege, „wenn er die Aufgabe fühlt, als warnender treuer Eckart der nationalsozialistischen Bewegung zur Seite zu treten.“ Kremers’ Schrift, heißt es zum Schlüsse, soll dem Nationalsozialismus das Besondere seiner Idee klar machen, insbesondere aber den deutschen Protestantismus aufrufen, „daß er den Sinn der historischen Stunde, die jetzt anhebt, erkenne und seine geschichtliche Aufgabe in ihr erfülle.“ Erschwerung des Bodenkaufs in Palästina? Neue Erklärungen Shiels’ London, 30. Juli. (JTA.) Auf mehrere Anfragen des Arbeiterführers Abg. Ben Tillet gab Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels im Unterhaus drei wichtige Erklärungen über die Durchführung des Landentwicklungsplans in Palästina ab. Erstens gab Dr. Shiels bekannt, daß der Landentwicklungsdirektor bei der Wiederbesiedlung von Arabern, deren Boden in jüdische Hände übergegangen ist, keinen Unterschied zwischen Arabern, die ihren Boden dadurch verloren haben, daß er von den Großgrundbesitzern verkauft wurde, und solchen, die ihr Land aus freiem Willen an Juden verkauft haben, machen werde. Zweitens erklärte Dr. Shiels, es werde dem Landentwicklungsdirektor überlassen bleiben, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob verschiedene Organisationen von der Regierung in ihren Versuchen, kollektiven Kauf und Kultivierung von Boden durchzuführen, fernerhin ermutigt werden sollen. Drittens stellte Dr. Shiels fest, daß alle Entscheidungen über Bodentransaktionen in Palästina dem High Commissioner Vorbehalten bleiben sollen. In jüdischen Kreisen wird befürchtet, daß diese von Dr. Shiels im Unterhaus angekündigten Maßnahmen den jüdischen Bodenkauf in Palästina wesentlich beeinträchtigen könnten. Man nimmt an, daß auf Grund solcher Verfügungen den jüdischen Organisationen Hindernisse beim Bodenerwerb in den Weg gelegt werden könnten. Auch die Bestimmung, daß in Hinkunft ohne Einverständnis des High Commissioner Bodenbesitz weder veräußert noch erworben werden kann, wird als Erschwerung des jüdischen Bodenkaufs in Palästina aufgefaßt. Personalveränderung in der Orientabteilung des Colonial Office London, 2. August. (JTA.) Der bisherige Leiter der Orientabteilung des Colonial Office, Sir John Evelyn Shuckburgh, der an den Verhandlungen des Kolonialamtes mit der Jewish Agency über den Landentwicklungsplan für Palästina teilgenommen hat, wurde zum stellvertretenden Unterstaatssekretär für die Kolonien ernannt. An seine Stelle tritt der frühere Sekretär des Reichsamtes für Entomologie, A. C. C. Parkinson. Der im Jahre, 1884 geborene neue Leiter der Orientabteilung hat seine Studien in Epsom und Oxford absolviert und war im Jahre 1914 als Sekretär von Lewis Harcourt, 1915 als Sekretär von Bonar Law und 1920 als Sekretär von Lord Millner tätig. In seinem neuen Wirkungskreis wird er sich u. a. mit Fragen, die auch auf Palästina Bezug haben, zu befassen haben. Amnestie für die illegal nach Palästina Eingewanderten - 10 000 Juden erhalten Aufenthaltsrecht Jerusalem, 3. August. (JTA.) Die Official Gazette, das palästinensische Amtsblatt, veröffentlicht eine Verordnung, durch die es auch Personen, die weniger als 1000 Pfund besitzen, ermöglicht wird, sich als Einwanderer der Kapitalistenkategorie registrieren zu lassen. Die neue Verordnung, über deren Vorbereitung die JTA. bereits vor zwei Wochen berichtet hat, ist als eine Amnestie für alle zur Zeit der Veröffentlichung der Verordnung in Palästina wohnhaften Perso-

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