Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 32 (7.8.1931)
- Date
- 1931-08-07
- Page
- Seite 454 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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454 Da« Jüdische Echo Nr. 32 ses eine Weltkonferenz der Poale Zion statt. Die Verhandlungen wurden unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt. Neben Berichten über die Lage der poale-zionislischen Verbände in den einzelnen Ländern stand nur die Frage des „Iehnd“, der Vereinigung mit der Hitachdulh, auf der Tagesordnung. Als programmatische Grundlage für den neu zu schaffenden gemeinsamen Wellverband der poalezionislischen und der Hilaehduth-Gruppen gellen folgende Grundsätze: 1. Gleichberechtigung der jiddischen und der hebräischen Sprache in Kultur und Erziehungswerk und Anerkennung der jiddischen Sprache als Minderheitssprache in Ländern mit jüdischer Massensiedlung; 2. Kampf um die nationalen Minderheitsrechte; 3. Anerkennung des Klassenkampfprinzips und Eintreten für eine sozialistische Politik in allen Ländern; 4. verstärkte Anstrengung für den Aufbau Palästinas auf sozialistischer Grundlage. — Die Mitgliedschaft in der neuen Organisation setzt die Zugehörigkeit zur sozialistischen Internationale und zur Zionistischen Organisation voraus. (Diese Bestimmung bedeutet praktisch die Unmöglichkeit eines Anschlusses der linken Poale-Zionisten, die weder der Internationale, noch der Zionistischen Organisation angehören.) Es wurde ferner beschlossen, alle Anstrengungen zu machen, um innerhalb der nächsten sechs Monate die Vereinigung der beiden Weltorganisationen zum Abschluß zu bringen. Der einzige jüdische Beamte der Warschauer Stadtgemeinde entlassen W a r s c h a u , 28. Juli. (JTA.) Die Stadlgemeinde Warschau hat ihren einzigen jüdischen Beamten, Maurice Rotmili, der viele Jahre hindurch an der Spitze des Wohlfahrtsamtes stand, entlassen und eine Disziplinaruntersuclnmg gegen ihn eingeleilet. Rotmili wird beschuldigt, in seiner Abteilung einen jüdischen Hilfsbeamlen namens Boruch Lifschitz beschäftigt und ihm, da der Posten nicht systemisiert war, ein kleines Gehalt aus Unterstützungsgeldern ausgezahlt zu haben. Maßnahmen der polnischen Sportbehörden gegen antisemitische Ausschreitungen bei Fußballwettspielen Warschau, 30. Juli. (JTx\.) Im Hinblick darauf, daß sich in letzter Zeit die Fälle antisemitischer Exzesse im Anschluß an Fußballwettspiele in Polen gehäuft haben, wurde in der letzten Sitzung der obersten polnischen Sportbehörden beschlossen, gegen die Schuldigen mit aller Strenge vorzugehen und alle Maßnahmen zu treffen, um die Wiederholung von Vorfällen, wie sie sich in Radom, Lublin und Sosnovice ereignet haben, in Zukunft zu verhindern. In den nächsten Tagen wird ein Zirkular an alle Sportklubs in Polen versandt werden, in dem detaillierte Vorschriften zur Sicherung eines ruhigen Sportbetriebes in Zukunft enthalten sind. Der Oberrabbiner der Türkei gestorben K o n s t a n t i n o p e 1, 3. August. (JTA.) Der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in der Türkei, Bitscharano Elffendi, ist gestorben. Der Verstorbene halle sich um die Neuorganisierung der türkischen Judenheit große Verdienste erworben. Die amerikanischen Revisionisten für die Gründung einer neuen Zionistischen Organisation Neuyork, 31. Juli. (JTA.) Die Organisation der Zionisten-Revisionisten Amerikas hat beschlossen, sich die Forderung Jabolinskys nach Gründung einer neuen unabhängigen zionistischen Organisation zu eigen zu machen. Die Landesexekutive der amerikanischen Revisionistischen Partei hat am 30. Juli den Präsidenten der revisionistischen Wellunion Wladimir Jabotinsky von diesem Beschluß der revisionistischen Parteileitung Amerikas telegraphisch verständigt. Trauerfeiern in Paläjstina zur Erinnerung an die Unruhen des Jahres 1929 Jerusalem, 3. August. (JTA.) Anläßlich des Jahrestages des Ausbruches der judenfeindlichen Ausschreitungen im Jahre 1929 fanden in zahlreichen Synagogen Palästinas Gedenkgollesdienste statt. Auf den Gräbern der Pogromopfer auf den Friedhöfen in Jerusalem, Tel-Awiw und anderen Orten wurden Kränze niedergelegt. . Wassermangel in Jerusalem J e r u s a 1 e m , 2. August. (JTA.) Infolge der anhaltenden Dürre in Palästina sind die Wasservorräte in Jerusalem außerordentlich stark gesunken. Die Gemeindeverwaltung hat sich daher genötigt gesehen, die tägliche Wasserzufuhr von 800 000 auf 400 000 Gallonen herabzuselzen. Palästina-Ein- und Auswanderung im Juni Jerusalem, 3. August. (JTA.) Nach den soeben veröffentlichten offiziellen statistischen Daten sind im Monat Juni 415 Juden nach Palästina eingewanderl und 09 Juden aus Palästina ausgewandert. Zwei Habima-Premieren in Palästina Jerusalem, 20. Juli. (JTA.) Die Habima hat in Palästina zwei neue Werke einstudiert, die im Juli mit großem Erfolg auf geführt wurden: „Der Teufelsschüler“ von Bernard Shaw und „Heilige Flamme“ von Maugham. Diese Stücke wurden, ein Novum in der Geschichte der Elabima, nicht von fremden Regisseuren, sondern von eigenen jungen Künstlern inszeniert, und zwar das erste von Zwi ETiedland und das zweite von E. Viniar. Die palästinensischen Blätter sind voll Anerkennung dieser großen künstlerischen Leitung des Theaters. Die Habima begibt sieb in diesen Tagen auf eine Tournee durch das Land, auf der die neu einstudierten Werke gezeigt werden sollen. Brith Chaluzim datiim Es ist vielleicht wenig bekannt, daß seit einigen Jahren neben dem Hechaluz eine besondere gesetzestreue Chalzuorganisation in Deutschland, der Brith Chaluzim datiim, besteht. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle gesetzestreuen Chaluzim zu sammeln und sie für ein Leben in Palästina nach dem Prinzip von „Tora waawoda“ vorzubereiten. Das Hachscharahwerk des Brith Chaluzim datiim ist aufs engste mit dem jüdischen Lehrgut (dem einzigen, das z. Z. in Deutschland besteht) verknüpft. Dieses Lehrgut wurde 1924 in Betzenrod (Rhön) gegründet, umfaßte etwa 70 Morgen Land und bot Raum zur Ausbildung von etwa 10 Menschen. Nach einiger Zeit erwies es sich jedoch als zu klein. Es wurde verkauft und an dessen Stelle ein anderes in Rodges bei Fulda gepachtet. Dieses war 150 Morgen groß und gab Ausbildungsmöglichkeit für etwa 20 Chaluzim. Doch auch dieses genügte den wachsenden Anforderungen nicht mehr und so wurde zum 1. Januar 1931, nach Ablauf des Pachtvertrages, ein neues Gut, der Gehringshof, ebenfalls in der Nähe Fuldas erworben, der etwa 180 Morgen groß ist. Das Bestreben geht dahin, namentlich die intensiveren Betriebszweige wie Gärtnerei, Baumschule, Viehzucht, Geflügelzucht usw. zu entwickeln, da