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Das jüdische Echo · 1931-07-31 · 31 (31.7.1931) · p. Seite 441

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
31 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 441 Das Jüdische Echo 1931 ist zu entnehmen, daß das Komitee 32(50 Darlehen zu 100—500 Zloty im Gesamtbeträge von 721 727 Zloty, ferner 1786 kleinere Darlehen im Gesamtbeträge von 107 091 Zloty, schließlich 2022 Unterstützungen im Gesamtbeträge von 74 459 Zloty ausgegeben hat. Insgesamt wurden vom Rellungskomilee 6926 Familien, etwa ein Fünftel der Warschauer jüdischen Bevölkerung, durch Darlehen und Liebesgaben im Gesamtbeträge von 1 064 565 Zlotv unterstützt. Tischa be Ab in Jerusalem — Über 10 000 Besucher an der Klagemauer Jerusalem, 23. Juli. (JTA.) In herkömmlicher Weise wurde in Jerusalem in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli der Vorabend von Tischa be Ab gefeiert. Über 10 000 Juden, zum größeren Teil Jugendliche, zogen in feierlicher Prozession an der Klagemauer vorüber, während die älteren Leute auf dem Platz vor der Klagemauer saßen und Klagelieder sangen. Da jede Art der Beleuchtung verboten war, war der Klagemauerplatz in vollständige Finsternis gehüllt. In den Durchgängen zum Platz patroullierten britische Polizisten, während auf dem Platz selbst 50 jugendliche jüdische Ordner eine Mittelkette bildeten, um die herum sich der Zug in Einzelreihe bewegte. Der Vorbeimarsch dauerte von Sonnenuntergang bis Mitternacht. Am Schlüsse des Zuges kamen, begleitet von jungen Jeschiwah- Hörern, die orthodoxen Beter, zum Zeichen der 'I'rauer barfuß. Die Ordnung wurde von zahlreichen Verwaltungsbeamten und Polizeioffizieren unter Leitung des jüdischen Distriktsbeamten Julius Jackobs überwacht, der ein Exemplar des Berichtes der Klagemauerkommission in der K'and trug. An diesem Tischa be Ab, dem zweiten nach dem verhängnisvollen Tischa be Ab im Jahre 1929, mit dem die palästinensischen Unruhen begannen, war die Trauerfeier zum erstenmal auf Grund der Bestimmungen des Berichtes der Klagemauerkommission geregelt. Die Polizei beschlagnahmte Flugblätter, die die revisionistische Jugend verteilen wollte. In diesen Flugblättern war zur Ablehnung der im Klagemauerbericht getroffenen und auch von den berufenen 'jüdischen Instanzen angenommenen Regelungen aufgefordert worden. Ernennung eines rabbinischen Beraters fiir Klagemauerfragen Jerusalem, 21. Juli. (JTA.) Für die in der Entscheidung der Klagemauerkommission vorgesehene Stellung eines bevollmächtigten Vertreters des Rabbinats von Jerusalem, der einen ständigen Kontakt mit der Palästinaregierung zum Zweck der Regelung des jüdischen Andachtsdienstes vor der Klagemauer aufrechterhalten soll, wurde vom Jerusalemer Oberrabbinat im Einvernehmen mit Rabbi Sonnenfeld, dem Oberhaupt der Agudas Jisroel-Gemeinde, Rabbi Isaac Ornstein nominiert. Neue Touristen, neue Investierungen Jerusalem, 28. Juli. (JTA.) ln Jaffa sind mit dem Dampfer „Providence“ 150 amerikanische Juden, unter ihnen mehrere Rückkehrer, angekommen. Die von dieser Gruppe zu Investitionszwecken nach Palästina gebrachtem Gelder werden auf 1,5 Millionen Dollar geschätzt. Feuilleton Zwei neue Bücher vom ostjüdischen Menschen Der bekannte jiidsiche Dichter Schalom Asch, der uns in seiner jüngst erschienenen Romantrilogie „Die Sintflut“ in die jüdischen Zentren Osteuropas führte, zeigt uns in seinem neuen Novellenband „Die Kinder Abrahams“ (Paul Zsoluay, Wien 1931) die neue Heimat des Ostjudeu: Amerika. Der Autor, der lange Jahre in den Staaten lebte, dringt in diesem Bande in die verborgensten 'Fiefen des amerikanisch-ostjüdischen Problems. Menschen der verschiedensten sozialen Stufen und der mannigfaltigsten Mentalität werden aus der Masse gehoben unter des Dichters H'and zu Symbolen der Gemeinschaft. Da ist die tragische Geschichte des klobigen Schlächters Mendel, der seine Frau in der alten Heimat zurückgelassen hat, in New York eine andere heiratet und nun nach Jahren erfährt, daß seine erste Frau und seine Kinder noch am Leben sind — und sich auf der Überfahrt nach New York befinden. In der Novelle „Der Ruf der Stadt“ behandelt Asch das Problem des jüdischen Farmers, der voll jüdisch-nationalem Bewußtsein seinen Sohn zu einem echten Bauern erzieht und schließlich die bittere Enttäuschung erleben muß, daß dieser wieder in die Stadt zu Handel und Geschäften, zu all dem. wovon sich der Vater nur mit Aufwand aller psychischen und physischen Kräfte befreit hat, zuriickkelirt. Auch von den Menschen des Bürgertum* und ihren Nöten weiß #ddr Dichter zu erzählen: Etwa die Geschichte des Advokaten Silbermann, den irgend ein Freudenmädchen von seinem zielstrebigen Weg und dem geborgenen Glück eines Heims weglockt. Einen bunten Reigen von Not und Gedeihen tanzen die Kinder Abrahams mit den Kindern Fdoms in diesem Buche nach der traurigen Weise des Judenlieds, das so viel schwere und nur so wenig lichte Töne kennt. Ein Buch des bitteren Lachens, einen Roman, der nicht frei von dem ist, was Theodor Lessing so richtig den „jüdischen Selbsthaß“ nannte, schenkte uns Matwej Roesmann mit seinem: Tischbein streckt die Waffen. (Berlin 1931, Bruno Cassirer Verlag.) Aron Salomonowitsch Fischbein, ein Schieber von Format, der es verstellt, immer und überall zu profitieren, ist der Haupt-„Held“ dieser satyrisclien Geschichte aus dem roten Rußland. Er ist ein Mann von genialem Gaunertum und einer sicheren Spürnase, die ihn befähigt, stets als unumschränkter Herr der Situation zu erscheinen, bis sich eben alles gegen ihn verschworen hat und er mit seiner pompösen Frau Cäcilie ohne das ganze nahezu kunstvoll erworbene Vermögen aus Moskau in die Verbannung gehen muß. Im Zuge hört man plötzlich die Fabriksirenen des scheidenden Moskau gellen. Der Schaffner und alle Passagiere stehen eine Minute andächtig still. „Was ist geschehen, meine Herrschaften?“ trägt Fischbein. „Lenin ist gestorben!“ antwortet der Schaffner. Und Fischbein erkennt das Trostlose seiner Lage: ein Mann, dessen ganzes Leben und Trachten nur auf das eine — auf Geld ge-

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